Emma Jeynes : "Es gab eine Marktlücke dafür, ein gutes Partyprogramm mit gleichzeitiger Aufklärungsplattform für emanzipierte Frauen zu schaffen. Es gibt genug Clubs mit Stripperinnen und diesem ganzen Zeug für Männer. Aber es gibt nirgends Clubs, in denen Frauen wirklich die Sau rauslassen können."Namensgeber für Cake: Das englische Slangwort für das weibliche Geschlechtsorgan... Feminismus kann so sexy sein!
Emma Jeynes: "Wir sind keine aggressiv feministische Bewegung. Ich nenne es eine Art ironischer Feminismus. Wir sind erfolgreiche und unabhängige Frauen, die beruflich ganz an die Spitze kommen möchten. Die Frauen sind gut in ihrem Job. Gleichzeitig wollen sie aber nicht ihre Weiblichkeit verlieren, wollen Girly sein und sich auch so anziehen."
Aber Cake ist mehr als eine frauenbewegte Partyfront. Ist auch Forum für die fast befreite Frau. Die Botschaft: Sexuelle Gleichberechtigung ist der neue Feminismus. Im Internet tauschen sich mehr als dreißigtausend angemeldete Cake-Girls über sexuelle Fantasien und Masturbationstechniken aus. Denn man höre und staune: Neben dem Kinderwunsch hat Frau auch eine Libido! Cake beantwortet Fragen, weißt auf AIDS und politische Missstände hin. Das Hauptanliegen: Die Mainstream-Perspektive auf weibliche Sexualität zu ändern.
Emma Jeynes: "Wenn Frauen glauben, dass etwas mit ihnen nicht stimmt, geht es meistens um den Orgasmus. Warum haben Frauen oft keinen Höhepunkt beim Sex? Und viele denken, dass etwas nicht in Ordnung ist, wenn sie keinen haben. Das scheint eine der Hauptfragen zu sein. Uns geht es deshalb nicht nur um den Club- und Spaßfaktor. Cake beinhaltet auch ein ernsthaftes Element und eine pädagogische Seite. Frauen sind offener und freier geworden. Können mittlerweile über ihre Sexualität sprechen und klar sagen, was sie mögen und was nicht."
Der kleine Unterschied. Noch Anfang der 70er ist er so groß, dass die Frauen endgültig die Schnauze voll haben. Männerdominanz, alte Rollenklischees, Endstation Ehe, alltägliche Diskriminierung in Job und Gesellschaft: Nein danke! Die Bewegung fordert das Selbstbestimmungsrecht für Frauen ein. Gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Vergewaltigung in der Ehe wird endlich strafbar. Und Frauen wollen bitte schön selbst entscheiden, ob sie Kinder wollen oder nicht...
Emma Jeynes: "Die Frauen in dieser Bewegung waren unglaublich mutig. Dank ihnen sind Frauen heute viel präsenter, viel offener. Wir machen die gleichen Jobs wie Männer, was früher nicht möglich war. Aber irgendwann kamen wir an einen Punkt, an dem dieser Feminismus vielleicht zu weit ging."
Mit der Sexfeindlichkeit, die Cake bei einem Teil der 70er und 80er Frauenrechtlerinnen wittert, will diese Speerspitze eines neuen weiblichen Selbstbewußtseins nichts zu tun haben...
Was Aufklärung und Emanzipation bisher nicht ganz gelang, schafft eine Fernseh-Serie aus den sonst so prüden USA. „Sex and the City“: Eine Art sexueller Befreiungsschlag. Wo sonst reden Frauen so offen über Anal- und Oralpraktiken, Penisgröße und Potenzprobleme. Die Generation der Sahne-Cakes hat ihre Heldinnen gefunden.
Emma Jeynes: "Wir haben längst noch nicht den Gipfel der Emanzipation erreicht. Aber wir sind schon weiter, als wir es früher waren. Wir können mittlerweile abends beim Essen ganz normal über Selbstbefriedigung sprechen. Vor fünf Jahren wäre das noch undenkbar gewesen, aber jetzt ist das vollkommen akzeptiert. Wir können wie die Männer darüber reden. Deshalb, ja, wir sind heute befreiter. Und eines Tages… Ich denke, dass hat was mit Selbstbewusstsein zu tun. Und wir sind heute viel selbstbewusster."
>> Cake New York
>> Cake London
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TRACKS
Eine Reportage von Nicole Kraack
Donnerstag, den 27. Januar 2005 um 23.20 Uhr
Wiederholung am Samstag, den 29.01 um 17.50 Uhr
Redaktion: ZDF, MME
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