Schriftgröße: + -
Home > Film erleben > DVD-News > DVD-News Oktober-2006 > Volker Koepp Kollektion

DVD-News

Die ARTE DVD-Empfehlungen im Überblick

DVD-News

DVD-News - 20/11/06

Volker Koepp Kollektion

Nehmen Sie Teil an unserem Quiz und gewinnen Sie mit
ein wenig Glück eine Volker Koepp Kollektion

Weitere Artikel zum Thema

Externe Links


Die Gewinner der Quiz-Frage zur Volker Koepp Edition:
G.Siegert, A.Meszaros, H. Herbig

Frage: Wie heißt der alte jüdische Herr und die alte jüdische Dame aus Czernowitz, die Volker Koepp ins Zentrum seines gleichnamigen Films stellte?
Richtige Antwort: Herr Zwilling und Frau Zuckermann
Die DVD geht den Gewinner innerhalb der nächsten Wochen auf dem Postweg zu.


Der 1944 in Stettin/Szczecin geborene und in Berlin aufgewachsene Volker Koepp zählt nicht erst seit seinem international beachteten Porträt über Herr Zwilling und Frau Zuckermann - zwei der letzten deutschsprachigen in Czernowitz lebenden Juden - zu den wichtigsten deutschen Dokumentarfilmern. In der DDR hatte der von 1970 bis 1990 am DEFA-Studio für Dokumentarfilm in Potsdam-Babelsberg tätige Regisseur seine unverwechselbare Handschrift entwickelt. Koepp taucht in Landschaften und Städte ein, um sich dort mit den Lebenswegen von Menschen zu beschäftigen, so zum Beispiel mit den erstmals 1974 porträtierten „Mädchen von Wittstock“, drei Arbeiterinnen einer Textilfabrik in der Kleinstadt an der mecklenburgischen Dosse, deren Biographie Koepp in regelmäßigen Abständen von 2-3 Jahren insgesamt 22 Jahre lang mit der Kamera begleiten wird. Indem Koepp diesen Menschen geduldig zuhört, ihnen bei der Arbeit und Alltagstätigkeiten zusieht, entstehen ebenso profane wie poetische Stimmungsbilder.

Nach dem Fall der Mauer kommt Volker Koepp, dem auch als DDR-Bürger die filmische Arbeit in angrenzenden osteuropäischen Ländern, wie etwa in Ostpreußen unmöglich war, seinem Lebensziel näher, Landschaften und Menschen zwischen Memel und Oder zu porträtieren. Die Kollektion versammelt die jüngsten Werke Koepps, beginnend mit Herr Zwilling und Frau Zuckermann, dem eher zufällig entstandenen Porträt zweier in Czernowitz lebender alter deutschsprachiger Juden, die Koepp bei einer von Krakau aus beginnenden Reise in die einstige Mitte Europas kennen gelernt hatte. 2004 führt Koepp sein Czernowitz-Porträt in Dieses Jahr in Czernowitz mit der Befragung emigrierter Bewohner und deren Nachfahren, unter ihnen der Schauspieler Harvey Keitel, der in Berlin lebende Cellist Eduard Weissmann, die Wiener Schwestern Evelyne Mayer und Katja Rainer oder der rumänisch-stämmige, in New York lebende Schriftsteller Norman Manea fort. Ruhig sieht die Kamera diesen Menschen dabei zu, wie sie sich an längst untergegangene Zeiten erinnern, an den mythischen Ort ihrer Herkunft und das damit verbundene, durch zahlreiche Fremdherrschaften sowie Weltkriege und Holocaust zu Schaden gekommene kulturelle Erbe. Bei aller Melancholie blitzt aus den Gesichtern auch ungebrochene Lebensfreude hervor, wenn Koepp mit den Emigranten zurück zu den heutigen Czernowitzern kehrt, um Erinnerung und Gegenwart miteinander zu konfrontieren.

Zugleich erforscht Koepp in den letzten Jahren neugierig auch seine Lieblingslandschaften, von der Uckermark, über die Kurische Nehrung zu den Masuren bis nach Pommerland. In den alten europäischen Kulturlandschaften haben sich die Spuren der wechselhaften Geschichte tief eingegraben. Dreißigjähriger Krieg, Pest, Hungersnöte, Napoleonische Kriege, russische wie deutsche Besatzungen und die beiden Weltkriege haben die unterschiedlichsten Nationalitäten zusammengewürfelt. Koepp schlägt dabei eine Brücke zwischen Gestern und Heute, ohne in folkloristische Banalitäten abzugleiten, ohne ideologisch zu werten oder sentimental und verklärend in die Vergangenheit zu blicken. Indem er die Menschen reden, singen, kochen lässt und ihnen immer wieder genau zuhört und -sieht, wird die Verbindung zwischen dem Schicksal des Einzelnen und der Geschichte sichtbar, ohne das Koepp wertend oder erklärend eingreifen muss.

Martin Rosefeldt



Volker Koepp Kollektion (6 DVDs)
Herr Zwilling und Frau Zuckermann (1999, 127’)
Kurische Nehrung (2001, 88’)
Uckermark (2002, 104’)
Dieses Jahr in Czernowitz (2004, 130’)
Pommerland (2005, 89’)
Schattenland - Reise nach Masuren (2005, 151’)
Kamera: Thomas Plenert
Edition Salzgeber
Sprachen: Deutsch (in „Herr Zwilling und Frau Zuckermann“ sowie „Dieses Jahr in Czernowitz“ teilweise auch Hebräisch, Jiddisch, Russisch, Ukrainisch)
Untertitel: deutsch, teilweise englisch und französisch („Herr Zwilling und Frau Zuckermann“)


Bonusmaterial
- ausführliches Werkgespräch
- Booklet mit Hintergrundinformationen zu Film und Regisseur
- Kinotrailer

Erstellt: 24-10-06
Letzte Änderung: 20-11-06