Schriftgröße: + -
Home > Jugendliteratur > Porträt: Cornelia Funke

21/06/06

Von Hamburg nach Los Angeles

Ein Porträt der bekannten Kinderbuchautorin und Schriftstellerin Cornelia Funke


Cornelia Funke ist die international bekannteste und erfolgreichste deutsche Kinder- und Jugendbuchautorin. 5 Millionen Bücher hat sie verkauft, in 28 Sprachen, 42 Ländern, und das US Magazin Time setzte sie in diesem Frühjahr gar auf die Liste der 100 einflußreichsten Persönlichkeiten der Welt. „Der Herr der Diebe“ und „Tintenherz“ sind auch in den USA Bestseller. Im September ist die mit Spannung erwartete Fortsetzung von „Tintenherz“ erschienen, „Tintenblut“. Cornelia Funke, die inzwischen in Los Angeles lebt, war im September auf Lesereise, um das neue Buch vorzustellen. Katja Weise hat sie getroffen

Weitere Artikel zum Thema



Von der Autorin Katja Weise, die selber 2 Kinder hat und ihnen so oft wie möglich vorliest, wollten wir wissen, welche Bücher ihr besonders am Herzen liegen:


Paul Maar
In einem tiefen dunklen Wald (ab 6/7)
erschienen bei Oetinger

Prinzessin Henriette-Rosalinde-Audora ist ein richtiges kleines Biest. Schön, aber sehr hochmütig. Kein Prinz ist ihr zum Heiraten gut genug. Deshalb beschließt sie kurzerhand, sich von einem Untier entführen zu lassen, damit endlich ein besonders schöner und mutiger Prinz kommen kann, um sie zu befreien. Eine wunderbare Persiflage auf die klassischen Märchen, sehr amüsant: Ein richtiges Familien-Leseabenteuer!



Jens Sparschuh
Parsival Pechvogel, der kleine Papagei (ca. ab 7)
erschienen bei Nagel & Kimche
auch als Hörbuch in der Edition "Ohrenbär" bei der Deutschen Grammophon

Parzival, der kleine Papagei, ist eigentlich ein kluger Vogel. Leider nur geht ihm ständig alles schief. Also macht er sich auf die Suche nach Opagei, der ihm aus der Patsche helfen soll. Eine mit leichter Feder erzählte Geschichte, lustig und ein bißchen weise.



Cornelia Funke
Der geheimnisvolle Ritter Namenlos (ab 4)
erschienen im Fischer Verlag Schatzinsel
(toll illustrierte Ausgabe! Herrliches Bilderbuch)

Prinzessin Violetta ist mindestens so mutig wie ihre Brüder, will auch kämpfen und Abenteuer leben und nicht nur heiraten. Und deshalb führt sie alle an der Nase herum. Eine tolle Geschichte über die Gleichberechtigung von Jungen und Mädchen, ohne pädagogischen Zeigefinger.



Cornelia Funke
Emma und der blaue Dschinn (ab 7)
erschienen im Cecilie Dressler Verlag

Emma findet nachts am Strand eine Flasche, öffnet sie, und heraus kommt der blaue Dschinn. Der allerdings ist todunglücklich, weil ihm der gelbe Dschinn seinen Nasenring geraubt hat. Nun kann er nicht mehr zaubern. Emma hilft natürlich! Ein modernes Märchen, vor allem für mutige kleine Mädchen, die eigentlich schon ganz groß sind.



Cornelia Funke
Tintenherz und Tintenblut (für alle ab 10)
erschienen im Cecilie Dressler Verlag
Auch als Hörbücher im Jumbo Verlag
(Rainer Strecker ist ein wunderbarer Geschichtenerzähler!!)

Meggie und ihr Vater Mo können Gestalten aus Bücher herauslesen, d.h. lebendig werden lassen. Und so bevölkern plötzlich Figuren, die Autoren sich ausgedacht haben, unsere "reale" Welt. Das führt verständlicherweise zu vielen Verwicklungen und Abenteuern(Tintenherz). Im zweiten Teil (Tintenblut) treten Mo und Meggie dann die Reise in ein Buch an. Spannend, poetisch, phantasievoll. Herrlich!

Von Hamburg nach Los Angeles
Porträt der bekannten Kinderbuchautorin und Schriftstellerin Cornelia Funke

Lange blonde Haare, fröhliche blaue Augen, ein ungemein ansteckendes Lachen – Cornelia Funke verbreitet mühelos gute Laune. Vielleicht liegt das daran, dass sie sich eigentlich immer noch wie ein Kind fühlt – in der Verkleidung eines Erwachsenen.

Cornelia Funke:
(Lachen) "Ja, ich weiß nicht, wie ich das mache, aber das ist so.

Über eine ihrer Figuren schreibt sie in „Tintenblut“: „Sie war neugierig auf alles, was sie nicht kannte.“ Genauso ist Cornelia Funke. Immer bereit, die Welt neu zu entdecken. Im Mai ist sie mit ihrem Mann und den beiden Kindern nach Los Angeles gezogen, hat ihr Haus in Hamburg auf unbestimmte Zeit verlassen. Das Leben in der sonnigen und weltoffenen Film-Metropole inspiriert sie. So viel und so schnell wie in ihrem kalifornischen Gartenhaus hat sie noch nie geschrieben:

Cornelia Funke:
Der Rhythmus des Schreibens hat sich gelockert und gleichzeitig kommt ich sehr viel mehr dazu. So dass ich, was unglaublich ist, innerhalb von sechs Wochen an die 400 Seiten geschrieben habe, das heißt, das ist jetzt die Rohfassung, das Buch wird nächsten Winter erscheinen, also 2006, ich hab schon vor meinem Umzug ein halbes Jahr an dem Plot gearbeitet, aber das ich richtig ins Schreiben kam, das hab ich erst in Kalifornien.

Außerdem arbeitet Cornelia Funke mit Felix Adlon, dem Sohn von Percy Adlon, am Drehbuch ihrer Geschichte „Als der Weihnachtsmann vom Himmel fiel“, im nächsten Jahr soll „Tintenherz“ in Hollywood verfilmt werden. Der Vertrag, den sie mit den Produzenten des Welterfolgs „Herr der Ringe“ schloß, sorgte für Aufsehen, da sie sich ein ungewöhnlich großes Mitsprachrecht erkämpfte:

Cornelia Funke:
Wir haben jetzt das Drehbuch bekommen und das ist wirklich ganz, ganz toll, jetzt einen Regisseur angefragen, darf aber nicht sagen wen, und dann soll es hoffentlich im nächsten Frühjahr losgehen.

Erst seit Cornelia Funke international so erfolgreich ist, wird sie auch in Deutschland zunehmend von der Literaturkritik wahrgenommen. Sie sei die zweite JK Rowling, ist immer wieder zu lesen. Funke empfindet das als Kompliment, denn sie schätzt die Harry Potter Bücher sehr und hat sie ihren Kindern fast alle vorgelesen:

Cornelia Funke:
Sie kann Dinge in Bilder fassen, die unmittelbar der Wirklichkeit entstammen, aber dadurch, dass sie sie in Bilder fasst, kann ein Kind damit umgehen. Nehmen wir mal so ein Thema wie die Folter, was man ja nun im Kinderbuch wirklich schwer angehen kann. Da hat sie so fantastische Bilder gefunden, dass die Kinder damit umgehen können.

Das gilt uneingeschränkt auch für Cornelia Funke. Doch im Gegensatz zu der Britin weiß die Deutsche vorher nie genau, wie ihre Geschichte sich entwickeln wird. Funke lässt sich von ihrer Phantasie und ihren Figuren überraschen.

Cornelia Funke:
Vor allem beim Tintenblut da wurde es ganz stark, natürlich muß man oft noch mal wieder eingreifen, aber ich glaube, dass das dem Schreiben gut tut.

Wichtigste Gesprächspartner während des Schreibens sind ihr Mann und die 15jährige Tochter Anna. Ihretwegen hat Cornelia Funke allein in „Tintenblut“ sieben Kapitel umgeschrieben, drei hinzugefügt und eine zarte Liebesgeschichte erfunden. Das Buch hat in Deutschland eine Startauflage von 250 000 Exemplaren. Das freut die Autorin natürlich, und doch glaubt man ihr, wenn sie sagt: Ich würde auch schreiben, wenn der Erfolg ausbliebe. Denn es macht ihr einfach Spaß.


von Katja Weise

Dieses Porträt wurde erstmals gesendet bei SWR 2 Kultur aktuell am 20.9.2005

Katja Weise arbeitet als freie Hörfunkjournalistin vor allem für den NDR (NDR Kultur). "Ich gehe viel ins Theater und rezensiere viele Bücher. Wann immer es paßt auch Kinder- und Jugendliteratur. Ich habe selbst zwei Kinder, ein Mädchen (7Jahre) und einen Jungen (4 Jahre), denen ich bei jeder sich bietenden Gelegenheit vorlese. So haben wir gemeinsam viele schöne Bücher entdeckt. Aber schon vorher, bevor ich Mutter wurde, habe ich mich sehr für Kinder- und Jugendbücher interessiert. Durch sie kann man oft so erfrischend anders auf unsere Welt blicken und einfach unglaublich viel Spaß haben."



Erstellt: 12-12-05
Letzte Änderung: 21-06-06