Als Kandidat der Demokratischen Partei, die für Lincolns Ideale eintritt, wurde Barack Obama im Jahr 2008 zum ersten afroamerikanischen Präsidenten gewählt. Wie auch Lincoln trat er sein Amt in einem der düstersten Momente der Geschichte der Vereinigten Staaten an. Lincoln musste die Einheit der Nation wiederherstellen, die durch die Sklaverei in Gefahr geraten war. Obama steht vor einer Wirtschaftskrise nie dagewesenen Ausmaßes.
Lincoln und Obama haben viel gemeinsam. Sie stammen beide ursprünglich nicht aus Illinois. Lincoln wurde in Kentucky geboren, Obama in Hawaii. Beide sind großgewachsen, schlank, außerordentlich gebildet und gelten als hervorragende Redner. Lincoln war Autodidakt und sehr introspektiv. Obama zeichnete sich sowohl als Schüler in der High School als auch als Student am Occidental College, an der Columbia University und an der Harvard Law School durch hervorragende Leistungen aus. Beide fühlten sich dem Staat Illinois sehr verbunden, wo sie als Anwälte praktizierten und einen Sitz im Parlament innehatten. Lincoln war Strafrechtler. Obama lehrte an der University of Chicago Law School Verfassungsrecht. Lincoln war der erste Präsident aus dem Staat Illinois, Obama der zweite (obwohl Präsident Ronald Reagan, der als Kalifornier gilt, in Illinois geboren wurde).
Die Sklaverei war der größte Konflikt, mit dem sich Präsident Lincoln auseinandersetzen musste. Der Angriff der Konföderierten auf Fort Sumter im April 1861 bewies, dass Verhandlungen mit den aufständischen Südstaaten aussichtslos waren. Lincoln schrieb daher am 22. September 1862 die Befreiungsproklamation (Emancipation Proclamation), die ab Januar 1863 die Abschaffung der Sklaverei in allen Staaten erklärte, die sich nicht unter Kontrolle der Union befanden. Die drei Millionen Sklaven auf dem Gebiet der Konföderation wurden durch Militäraktionen befreit.
Bis zum Ende des Jahres 1863 schlossen sich freie und kürzlich befreite Afroamerikaner mit Begeisterung dem Kampf auf Seiten der Union an. Bis Kriegsende nahmen über 189 753 afroamerikanische Soldaten am Krieg teil. Die Menschen afrikanischer Abstammung empfingen ihre Freiheit nicht einfach passiv. Sie kämpften entschieden dafür und erlitten weit mehr Verluste als andere Bevölkerungsgruppen, die die Union verteidigt hatten. Unglücklicherweise mussten sie lange auf den Lohn für ihre Anstrengungen warten.
Lincoln wurde ermordet, bevor der 13. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten am 18. Dezember 1865 ratifiziert wurde, der das Ende von „Sklaverei und Zwangsarbeit, ausgenommen als Strafe für ein Verbrechen“ auf dem gesamten Gebiet der Vereinigten Staaten einläutete. Dennoch spielten Lincoln und der Bürgerkrieg eine entscheidende Rolle für die politische Geschichte der Vereinigten Staaten, da sie die Nation neu definierten. Anstelle des ursprünglichen Verfassungstextes zum Schutz des Besitztums und der besitzenden Klassen plädierte Lincoln in der „Gettysburg Address“, in seiner Ansprache zum zweiten Amtsantritt am 4. März 1865 und mehreren anderen Reden für ein neues Konzept des Staates, aufbauend auf den demokratischen Prinzipien von Freiheit und Gleichheit, wie es auch in der Unabhängigkeitserklärung verankert ist.
Die Autorität der Bundesregierung wurde durch den Krieg erheblich gestärkt. Lincoln wies der Exekutive mehr Kompetenzen zu. In gewisser Hinsicht war der Bürgerkrieg die letzte gemeinsame Anstrengung, um die Gleichheit der einzelnen Staaten durchzusetzen. Unter Lincoln wurde der „Morrill Land Grant Colleges Act“ verabschiedet, ein Gesetz, das Grundstücke aus öffentlichem Besitz für die Errichtung von landwirtschaftlichen Universitäten in allen Staaten zur Verfügung stellte. Zwei Eisenbahngesetze (Pacific Railroad Acts) unterstützten den Aufbau eines transkontinentalen Schienennetzes. Ein Bankengesetz (National Banking Act) etablierte Banknoten als gesetzliches Zahlungsmittel und begründete ein System von Banken im ganzen Land. Lincoln führte auch die Einkommenssteuer ein, um die Kriegskosten zu decken.
Formell beendete der Bürgerkrieg die Sklaverei in den Vereinigten Staaten. Aber der Kampf der Versklavten um ihre Bürgerrechte war lang, blutig und hart.Sowohl Lincoln als auch der Bürgerkrieg sind für immer unauslöschlich im amerikanischen Gedächtnis eingeschrieben. Viele Amerikaner halten Lincoln für den bedeutendsten Präsidenten der Geschichte der Vereinigten Staaten, nicht nur wegen seiner Taten, sondern auch wegen seines Idealismus. Er war von ungewöhnlicher Eleganz und hatte einen edlen Geist. Seine Ermordung machte ihn zum Märtyrer und seine persönlichen Eigenschaften wie Ehrlichkeit, Integrität, Arbeitsamkeit sowie sein Eintreten für persönliche Freiheit und Menschenrechte wurden verklärt. Sein Name ziert Denkmäler, Gebäude, Münzen, Briefmarken, Kriegsschiffe und sein Porträt prangt auf dem Mount-Rushmore-Nationaldenkmal. Landkreise in siebzehn Staaten tragen seinen Namen. Die amerikanischen Freiwilligen, die im spanischen Bürgerkrieg kämpften, nannten sich „Abraham Lincoln Brigade“.
Formell beendete der Bürgerkrieg die Sklaverei in den Vereinigten Staaten. Aber der Kampf der Versklavten um ihre Bürgerrechte war lang, blutig und hart. Die Zeit der "Reconstruction" brachte gesetzliche Rassentrennung und gnadenlose Diskriminierung der Schwarzen. Rasse und Hautfarbe prägten weiterhin das amerikanische Leben.
Trotz der Lynchmorde und der Gewalt beteiligten sich Afroamerikaner unermüdlich an den nationalen Kriegsbemühungen in den beiden Weltkriegen. Die von Marcus Garvey gegründete „Universal Negro Improvement Association“ entwickelte sich zur größten politischen Vereinigung der damaligen Zeit. Die Harlem Renaissance brachte hervorragende literarische und künstlerische Talente hervor. W. E. B. Dubois, Carter G. Woodson und Booker T. Washington gründeten Organisationen, die unerschütterlich gegen die in Gesetzen und Bräuchen zum Ausdruck kommende Auffassung kämpften, dass Weiße von Natur aus überlegen und Nicht-Weiße minderwertig seien. Als Barack Obama Anfang der 60er Jahre geboren wurde, nahmen solche Ansichten bereits deutlich ab. In den 50er Jahren hatte die starke Bürgerrechtsbewegung mit Anführern wie Rosa Parks, Martin Luther King Jr., Adam Clayton Powell Jr. und Thurgood Marshall dafür gesorgt, dass dem institutionalisierten Rassismus die gesetzliche Basis entzogen wurde. Auf diese Weise konnte die politische Koalition zustande kommen, die Abraham Lincoln vorausgesehen hatte und die Barack Obama so geschickt zusammenrief, um die Präsidentschaftswahlen zu gewinnen.
Während seines langen und erfolgreichen politischen Wahlkampfs brachte Obama Lincolns Größe durch direkte Zitate und symbolische Handlungen wieder in Erinnerung.Im Jahr 2000 setzte der Kongress eine Kommission zur Vorbereitung der Zweihundertjahrfeier von Abraham Lincoln ein, die seine Bedeutung wieder ins allgemeine Bewusstsein rufen soll. Am 12. Februar 2008 fand die erste der zahlreichen Veranstaltungen statt, die bis 2010 geplant sind. Während seines langen und erfolgreichen politischen Wahlkampfs brachte Obama Lincolns Größe durch direkte Zitate und symbolische Handlungen wieder in Erinnerung. Dennoch stehen viele Amerikaner, in den Südstaaten und auch in anderen Teilen der USA, den Idealen dieser amerikanischen Ikone gleichgültig oder gar ablehnend gegenüber. Die Konflikte und Einstellungen aus den Zeiten des Bürgerkriegs sind zwar nicht mehr so extrem wie damals, sie sind jedoch noch nicht vollständig ausgelöscht. Amerika aber hat seit Lincolns Tagen eine große Entwicklung hinter sich.
Franklin W. Knight







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