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Geschichte aktuell - 04/12/09

Von wegen Heilige Nacht!

Weihnachten in der politischen Propaganda. Eine Ausstellung in Köln


Weihnachten ist ein besinnliches Fest, ein Fest des Friedens - denken wir heute. In Zeiten des Krieges jedoch missbrauchten die Machthaber Weihnachten oft für ihre politischen Zwecke.

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„Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen“, singt der Chor der Engel in der biblischen Überlieferung (Lukas 2,14). Doch ob ein friedliches Weihnachten gefeiert werden konnte, hing im Laufe der deutschen Geschichte oft von den politischen Begleitumständen ab. Die Sonderausstellung „Von wegen Heilige Nacht! Weihnachten in der politischen Propaganda“ zeigt, dass Weihnachten oft zur Verfolgung politischer Ziele missbraucht wurde. Im Kölner NS-Dokumentationszentrum sind Christbaumschmuck in Form von Handgranaten oder U-Booten, Hakenkreuze als Kerzenhalter und andere kuriose Gegenstände zu sehen. Noch bis zum 17. Januar 2010 kann man eine Auswahl dieser Fundstücke anschauen. Sie machen deutlich, wie sehr die politische Propaganda Einfluss auf das Privatleben nehmen konnte, manchmal noch bis heute.

NS-Dokumentations-
zentrum
Appellhofplatz 23-25
50667 Köln
Tel. 0221/22126332
Öffnungszeiten:
Di, Mi, Fr 10-16 Uhr
Do 10-18 Uhr
Sa, So 11-16 Uhr

Der Kaiser auf Christbaumkugeln

Während des Ersten Weltkriegs sollte hauptsächlich der Patriotismus beschworen, Front und Heimat eng zusammengeschweißt werden. Zu dieser Zeit entwickelte sich auch der Brauch, einen Weihnachtsbaum in der „guten Stube“ eines jeden Hauses aufzustellen. Vorher war dies nur in gutbürgerlichen Familien üblich. An der Front sollten die Bäume heimatliche und weihnachtliche Gefühle bei den im Ausland stationierten Soldaten wecken. Als Schmuck waren im Idealfall Eiserne Kreuze, Glanzbilder des Kaisers auf Christbaumkugeln oder bunte Fähnchen in den kaiserlichen Farben rot, weiß und schwarz erwünscht. Daneben entdeckte Deutschland ein noch relativ junges Medium für seine Kriegspropaganda: die Farbpostkarte. Sie konnte portofrei zwischen Front und Heimat verschickt werden und zeigte zumeist ein fröhliches Weihnachtsfest unter Soldaten, die Briefe lasen und Geschenke auspackten. Aus der Heimat fanden eher moralisch unterstützende Karten ihren Weg an die Front. Auf ihnen wurde das "deutsche Herz" glorifiziert und für den Vater, Ehemann oder Sohn betende Familienmitglieder abgebildet. In einigen Fällen waren die Karten auch deutlicher und zeigten in voller Kriegsmontur spielende Kinder, geschmückte 42-Zentimeter-Geschosse oder verunglimpfende Bilder des Feindes.

Der Begleitband zur Ausstellung ist im Verlag an der Ruhr erschienen.
"Schimmelreiter" statt Nikolaus

Der größte Teil der Ausstellung ist jedoch dem Thema "Weihnachten im Nationalsozialismus" gewidmet. Die NS-Machthaber bemühten sich, das christliche Fest zur „Sonnenwendfeier“ umzufunktionieren. Eine völlige Abschaffung des Brauchtums war unmöglich, weshalb die Nazis versuchten, bestehende Symbole ihrer Ideologie entsprechend umzudeuten und ihnen einen angeblich germanischen Ursprung zu verschaffen. So wurden zum Beispiel der Nikolaus zum „Schimmelreiter“ und die Geburt Christi in einen „Mutter-Kind-Kult“ umgewandelt. Daneben musste der „lebensgrüne Weihnachtsbaum“ fortan „artgerecht“ zur Weltanschauung passen; er sollte deshalb mit germanischen Sinnbildern geschmückt werden. Ein weiterer Aspekt der Schau widmet sich der Darstellung des Winterhilfswerks, das bereits ab 1933 staatliche Wohlfahrt propagierte, in Wahrheit aber deren Verlagerung auf die Gesellschaft bedeutete. Während des Zweiten Weltkrieges verschärfte sich die Lage weiter – gab es doch kaum noch Lebensmittel, mit denen das Fest gestaltet werden konnte. Daher wurden Broschüren verteilt, die Anleitungen gaben, wie man aus alten Sachen neues Spielzeug für die Kinder bauen oder auch mit geringen Vorräten backen konnte.
Neben den beiden Hauptkomplexen gibt die Kölner Ausstellung weiterhin Ausblicke auf Weihnachten im Kalten Krieg und während der DDR-Zeit. Sie endet mit einem Verweis auf die rechtsextremistische Szene, die sich gerne des alten Propagandamaterials bedient. Es wird dabei deutlich, dass das Grundthema noch heute aktuell ist.

Simone Heinz

In Kooperation mit dem Magazin DAMALS

Erstellt: 09-11-09
Letzte Änderung: 04-12-09