
zentrum
Appellhofplatz 23-25
50667 Köln
Tel. 0221/22126332
Öffnungszeiten:
Di, Mi, Fr 10-16 Uhr
Do 10-18 Uhr
Sa, So 11-16 Uhr

Der Kaiser auf Christbaumkugeln
Während des Ersten Weltkriegs sollte hauptsächlich der Patriotismus beschworen, Front und Heimat eng zusammengeschweißt werden. Zu dieser Zeit entwickelte sich auch der Brauch, einen Weihnachtsbaum in der „guten Stube“ eines jeden Hauses aufzustellen. Vorher war dies nur in gutbürgerlichen Familien üblich. An der Front sollten die Bäume heimatliche und weihnachtliche Gefühle bei den im Ausland stationierten Soldaten wecken. Als Schmuck waren im Idealfall Eiserne Kreuze, Glanzbilder des Kaisers auf Christbaumkugeln oder bunte Fähnchen in den kaiserlichen Farben rot, weiß und schwarz erwünscht. Daneben entdeckte Deutschland ein noch relativ junges Medium für seine Kriegspropaganda: die Farbpostkarte. Sie konnte portofrei zwischen Front und Heimat verschickt werden und zeigte zumeist ein fröhliches Weihnachtsfest unter Soldaten, die Briefe lasen und Geschenke auspackten. Aus der Heimat fanden eher moralisch unterstützende Karten ihren Weg an die Front. Auf ihnen wurde das "deutsche Herz" glorifiziert und für den Vater, Ehemann oder Sohn betende Familienmitglieder abgebildet. In einigen Fällen waren die Karten auch deutlicher und zeigten in voller Kriegsmontur spielende Kinder, geschmückte 42-Zentimeter-Geschosse oder verunglimpfende Bilder des Feindes.
"Schimmelreiter" statt Nikolaus
Der größte Teil der Ausstellung ist jedoch dem Thema "Weihnachten im Nationalsozialismus" gewidmet. Die NS-Machthaber bemühten sich, das christliche Fest zur „Sonnenwendfeier“ umzufunktionieren. Eine völlige Abschaffung des Brauchtums war unmöglich, weshalb die Nazis versuchten, bestehende Symbole ihrer Ideologie entsprechend umzudeuten und ihnen einen angeblich germanischen Ursprung zu verschaffen. So wurden zum Beispiel der Nikolaus zum „Schimmelreiter“ und die Geburt Christi in einen „Mutter-Kind-Kult“ umgewandelt. Daneben musste der „lebensgrüne Weihnachtsbaum“ fortan „artgerecht“ zur Weltanschauung passen; er sollte deshalb mit germanischen Sinnbildern geschmückt werden. Ein weiterer Aspekt der Schau widmet sich der Darstellung des Winterhilfswerks, das bereits ab 1933 staatliche Wohlfahrt propagierte, in Wahrheit aber deren Verlagerung auf die Gesellschaft bedeutete. Während des Zweiten Weltkrieges verschärfte sich die Lage weiter – gab es doch kaum noch Lebensmittel, mit denen das Fest gestaltet werden konnte. Daher wurden Broschüren verteilt, die Anleitungen gaben, wie man aus alten Sachen neues Spielzeug für die Kinder bauen oder auch mit geringen Vorräten backen konnte.
Neben den beiden Hauptkomplexen gibt die Kölner Ausstellung weiterhin Ausblicke auf Weihnachten im Kalten Krieg und während der DDR-Zeit. Sie endet mit einem Verweis auf die rechtsextremistische Szene, die sich gerne des alten Propagandamaterials bedient. Es wird dabei deutlich, dass das Grundthema noch heute aktuell ist.
Simone Heinz
In Kooperation mit dem Magazin DAMALS







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