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In Zusammenarbeit mit der Robert Bosch Stiftung - 11/10/06

Vorsicht Comic!

Jugendliche zeichnen Comics. Ein Werkstattprojekt des Literaturhauses Stuttgart

Mord und Totschlag am ARTE-Stand auf der Buchmesse: Stefan Dinter und sieben Jugendliche aus Stuttgart präsentierten selbst-gezeichnete Comics, die furchterregende Geschichten aus der Historie Stuttgarts erzählen, wie etwa die des Mörders und Brandstifters Ernst Wagner aus Degerloch, der 1910 seine Familie umbrachte, einen Vorort Stuttgarts in Brand setzte und später in der Psychatrie zum Musterpatienten wurde.

Moritz Fuhrmann: Wagners Vision (1910)Die Schüler hatten mit ihrer Klasse an einem mehrmona-tigen Workshop des Stutt-garter Literaturhauses teilgenommen. Neu an dem Konzept war, dass dieses Projekt in den regulären Unterricht integriert worden war: in einen Seminarkurs wurde notenrelevant für das Abitur ein Comic gestaltet. Allein schon der Ortswechsel zum Literaturhaus als Lernort war für die Schüler reizvoll, aber vor allem auch die Zusammenarbeit mit einem professionellen Comiczeichner. Stefan Dinter hatte den 17jährigen den Auftrag erteilt, einen Comic aus der Geschichte Stuttgarts zu zeichnen. Nichts fanden die nach 1989 Geborenen im ersten Moment langweiliger, als Geschichten auszu-graben, die vor ihrer Zeit passiert waren. Aber dann entdeckten sie im Internet und verschiedenen Archiven durchaus Spannendes und Comictaugliches.

Moritz Fuhrmann: Wagners Vision (1910)Passend zum Genre Comic erzählen die meisten Schüler Sensationsgeschichten. Aber gerade diese tatsächlichen Fälle von Brutalität in der Geschichte Stuttgarts führten zu einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt und dessen Umsetzung in Bilder. Auffallend, dass viele Schüler mehr am Motiv des Täters interessiert waren als an der Tat selber – so auch Moritz Fuhrmann, der die Geschichte vom Brandstifter aus Degerloch „Wagners Vision“ nennt und nachzuzeichnen versucht, was in dem Kopf dieses Menschen vorgegangen sein musste. Er taucht in die düstere Gedankenwelt des Psychopathen ein und kommt dabei mit wenigen Farben und Details aus.

Wagners Vision, ein Comic von Moritz Fuhrmann

Das breite Spektrum der in Frankfurt präsentierten Comics zeigte, dass auch ein historisches Thema durchaus dazu angetan sein kann, sehr persönliche Geschichten zu erzählen – in Wortwahl und Gewichtung sowie Zeichenstil entwickelten die Schüler jeweils eine ganz eigene Note.

“Es war manchmal auch ganz schön langweilig und harte Arbeit, aber es war toll, dass dabei etwas Richtiges herausgekommen ist.“ bilanzierte einer der Schüler. Und es ist in der Tat Beachtliches dabei herausgekommen ist, das auch in Buchform erscheinen wird. Einen ersten Eindruck vermittelt das Heft „Literaturmachen“, das das Stuttgarter Literaturhaus herausgegeben hat.

von Angelika Schindler

Zur Website von Literaturmachen.de
Comic von Moritz Fuhrmann: „Wagners Vision“


Mitgemacht haben:
Claudio Calandri: Das faule Ei (ca. 1530)
Sebastian Eisenhardt: Der Geist im Forchenwald (16. Jh)
Fabian Walz: Der Lindwurm (16. Jh)
Robin Lang: Das Vehmgericht (17. Jh)
Dominic Hautmann: Der kopflose Reiter (ca. 1810)
Anna Jäkle: Pferde im Neckar (1880)
Philipp Dyga: The Legend of the Hörnleshase (1880)
Gerrit Müller: Keine Zeit (1910)
Moritz Fuhrmann: Wagners Vision (1910)
Philipp Merkt: Häftling Nr.1 (ca. 1920)
Francisca Glavas: Das Schweigen der Beobachter (1960)
Markus Fieltsch: Der Professor und der See (ca. 1960)
Marcel Leichsenring: Der Killer vom Killesberg (ca. 1970)

Erstellt: 07-10-06
Letzte Änderung: 11-10-06