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KurzSchluss

"KurzSchluss - Das Magazin" zeigt die neuesten Kurzfilme aus aller Welt - und wirft einen Blick hinter die Kulissen: mit Porträts, Drehberichten, aktuellen Festival- und Filmtipps und vielen spannenden Interviews.

> 16. März > Walerian Borowczyk

Mittwoch 16. März 2005 um 01.25 Uhr - 13/03/05

Walerian Borowczyk

Walerian Borowczyk wird am 2. September 1923 in Kwilicz, Polen, geboren. Nach dem Studium an der Kunstakademie arbeitet er als Lithograf und entwirft u.a. Filmplakate. 1946 wendet er sich dem Film zu.

Nach einigen sehr persönlich gehaltenen Kurzfilmen realisiert er gemeinsam mit dem berühmten polnischen Trickfilmer Jan Lenica Animationsfilme; darunter Byl Sobie Raz (1954), Jour d’éducation und Dom (1958).

Nach dem Erfolg von Dom lässt sich Borowczyk endgültig in Paris nieder und dreht dort 1959 seinen ersten französischen Film Les astronautes. Chris Marker ist am Film beteiligt, und unter einem extravaganten Hut erkennt man auch Ligia Borowczyk, die Frau und Lieblingsschauspielerin von Borowczyk.

Bereits Ende der 50er Jahre gilt Borowczyk als einer der besten europäischen Animationsfilmer. Jan Svankmajer, die Brüder Quay oder auch Terry Gilliam lassen sich von seinen Filmen beeinflussen. Der trickfilmtechnisch innovative Borowczyk geht mit ganz unterschiedlichen Materialen (Fotos, Gegenständen, Zeichnungen, Bildern) spielerisch um und verwendet verschiedene Techniken gleichzeitig. So entstehen seine surrealistischen Filme voll schwarzen Humors.

In den 60ern dreht Borowczyk zwei Filme, die als Meisterwerke des Animationsfilms gelten: Renaissance (1963) und Les jeux des anges (1964). 1967 entsteht sein erster langer Trickfilm Le théâtre de Monsieur et Madame Kabal.

1967 kehrt er dem Animationsfilm den Rücken und beschäftigt sich mit dem Realfilm. Es entstehen Gavotte (1967) und Dyptique (1967), dann zwei Spielfilme Goto, l’île d’amour (1968) und Blanche (1971), die in der Karriere von Borowczyk einen Wendepunkt darstellen. Die beiden Filme sind in dem Sinne richtunggebend, da Sexualität direkt thematisiert wird und ihre filmische Darstellung im Mittelpunkt der Handlung steht. In „Blanche“ geht Borowczyk mit nackten weiblichen Körpern noch recht sparsam um; in den folgenden Filmen ändert sich dies grundlegend. Anfang der 70er Jahre öffnet sich der französische Film erotischen Bildern. Durch seinen Produzenten Anatole Dauman ermutigt, lässt Borowczyk mit dem Spielfilm Contes immoraux (dt: Unmoralische Geschichten) die Hüllen fallen. Der Langfilm besteht aus vier Geschichten über eine bestimmte tabuisierte sexuelle Praxis. Dieser Episodenfilm steht am Anfang eines langen Zyklus, in dem Borowczyk Entstehung und Formen der Begierde in einer in sich geschlossenen autarken Welt mit ihren eigenen Ritualen und Fetischen darstellt. Eine Welt, in der Lust alles rechtfertigt und bestimmt.

Filmographie

1946
Mois d’août (Kurzfilm)

1953
Glowa (Kurzfilm)

1954
Photographies vivantes (Kurzfilm)
L’atelier de Fernand Léger (Kurzfilm)

•1955
Jesien (Automne) (7 Min..)
Le modeste photographe (Kurzfilm)

•1957
Byl Sobie Raz (Es war einmal) gemeinsam mit Jan Lenica, 11 Min.
Nasgrodzone Uczucia (Le sentiment récompensé) gemeinsam mit Jan Lenica, 10 Min.
Strip-Tease gemeinsam mit Jan Lenica, 1 Min.
Dni Oswiaty (Jours d’éducation) gemeinsam mit Jan Lenica (Kurzfilm)
Sztandar Mlodych (L’étendard des jeunes) gemeinsam mit Jan Lenica (Kurzfilm)

•1958
Szkola (Die Schule) (9 Min.)
Dom gemeinsam mit Jan Lenica, (14 Min.)

•1959
Les astronautes gemeinsam mit Chris Marker (14 Min.)
Terra incognita (2 Min. 30)
Le magicien (Kurzfilm)
La tête (Kurzfilm)
La foule (Kurzfilm)
La boîte à musique (Kurzfilm)
Solitude (Kurzfilm)

•1962
Le concert (6 Min.)

•1963
Holy Smoke (57 Min.)
L’encyclopédie de Grand-maman (7 Min.)
Renaissance (8 Min. 45)
Les stroboscopes (Kurzfilm)
Magasins du 19è siècle (Kurzfilm)
Les bibliothèques (Kurzfilm)
Les écoles (Kurzfilm)
La fille sage (Kurzfilm)
L’écriture (Kurzfilm)
Gancia (Kurzfilm)
Le petit poucet (Kurzfilm)

•1964
Les jeux des anges (11 Min. 30)
Le musée (Kurzfilm)

•1965
Le dictionnaire de Joachim (9 Min.)

•1966
Rosalie (14 Min. 45)

•1967
Le théâtre de Monsieur et Madame Kabal (80 Min.)
Gavotte (10 Min.)
Diptyque (Kurzfilm)

•1968
Goto, l'île d'amour (89 Min.)

•1969
Le phonographe (6 Min.)

•1971
Blanche (92 Min.)

•1973
Une collection particulière (14 Min.)

•1974
Contes immoraux (99 Min.)

•1975
Dzieje Grzechu (Histoire d’un pêché, 128 Min.)
La bête (94 Min.)
Brief von Paris (Dokumentation, 45 Min.)
Escargot de Venus (5 Min.)

•1976
La marge (95 Min.)

•1977
L’interno di un convento (Intérieur d’un couvent, 95 Min.)

•1979
Les héroïnes du mal (115 Min.)
Zootrope (Kurzfilm)
Armoire (50 Min.)
L’amour monstre de tous les temps (10 Min.)

•1980
Lulu (85 Min.)
Hyper Auto Erotic Art- Hayashi (Dokumentation, 75 Min.)

•1981
Le cas étrange de Docteur Jekyll et Miss Osbourne (Docteur Jekyll et les femmes) (95 Min.)

•1985
Ars amandi (Die Kunst der Liebe, 92 Min.)
Scherzo infernal (5 Min.)

•1987
Emmanuelle V (85 Min.)

•1988
Cérémonie d'amour (100 Min.)

•1991
L’almanach (8. Episode der „Série rose“, Kurzfilm)

•1992
L’expert Halima (Episode der „Série rose“, Kurzfilm)
Un traitement justifié (Episode der „Série rose“, Kurzfilm)

•1993
Lotus d'or (11.Episode der „Série rose“, Kurzfilm)

Die Filme

Contes immoraux
Goto, l’île d’amour
La bête
Une collection particulière
Les astronautes
Renaissance
Rosalie
Scherzo infernal
und „Les jeux des anges
sind bei Arte France Vidéo auf DVD erschienen.

Weblinks

Website der Ausstellung „Boro“ im Museum von Annecy
Walerian Borowczyk, simple pornographe ou artiste véritable?
Interview mit Walerian Borowczyk (auf Deutsch)
Filmkritik „La bête“
Zum Thema „Regards sur le cinéma d’animation polonais au centre Pompidou“ (Der polnische Trickfilm im Centre Pompidou)

Buchtipps

L’anatomie du diable“ von Walerian Borowczyk, Verlag Pierre Belfond, Paris, 1992.
Moje polskie lata“ (Meine polnischen Jahre) von Walerian Borowczyk, Verlag Hypnos Media, Paris, 2001.

Erstellt: 06-03-05
Letzte Änderung: 13-03-05