Kritik: Im gut zehnminütigen Interview erklärt Regisseur Erwin Wagenhöfer, wie er überhaupt auf die Idee zu seinem neuen Film kam. Angefangen hat alles damit, dass er einen Film über den Wiener Naschmarkt drehen und dabei dem Markt "unter den Rock sehen wollte." Er wollte also herausfinden, wo etwa die Tomaten dort eigentlich herkommen, und warum sie eine Reise von mehreren Tausend Kilometern zurücklegen, bevor sie auf dem Markt landen. Wo doch Tomaten eigentlich auch hervorragend im eigenen Land wachsen würden. Bei seinen Recherchen in Österreich stieß er auf viele Schwierigkeiten, denn die Bauern, die er befragte, hatten große Angst davor, sich ehrlich zu äußern. Wagenhöfer musste viel Geduld haben und auf seine "vertrauensbildenden Maßnahmen" setzen. Damit ist gemeint, dass man als Filmemacher viel Zeit mit seinen Protagonisten verbringt, sie oft ohne Kamera besucht, bis diese einem schließlich vertrauen.

We Feed the Word – Essen Global
Österreich 2005, 105 Min.
Buch und Regie: Erwin Wagenhöfer
Mit Karl Otrok, Jean Ziegler, Peter Brabeck uvm.

Das Making Of dieser DVD ist so etwas wie eine Anleitung zum guten Dokumentarfilm und sollte am besten von allen interessierten Dokumentarfilmanwärtern gesehen werden. Als Wagenhöfer etwa Peter Brabeck, den Chef des Nestle-Konzerns vor sich sitzen hatte, wusste er, dass dieser Mensch mit allen Wassern gewaschen ist und wahrscheinlich hunderte Rhetorikseminare hinter sich hatte. So fuhr er ganz einfach die Strategie, ihn so lange reden zu lassen, bis er etwas Persönliches sagt. Und siehe da, es funktionierte.
Im elfminütigen Bonus "Gedanken von Jean Ziegler" bekommt dieser Gelegenheit, ganz in Ruhe seine Gedanken zu äußern. In seiner Funktion als Sonderberichterstatter der UNO für das Menschenrecht auf Nahrung plädiert er für Wasser als ein öffentliches Gut und Schuldenerlass für die ärmsten Staaten. Jean Ziegler und Erwin Wagenhöfer verstanden sich so gut, dass sie im Anschluss an die gemeinsamen Dreharbeiten zum Privathaus von Jean Ziegler fuhren, wo ihnen Frau Ziegler Essen zubereitete und sie dazu Wein eines algerischen Botschafters tranken. Als Wagenhöfer ihm schließlich sein Material mit Peter Brabeck zeigte, konnte er dies gar nicht glauben und hielt es für Fake. Doch Brabeck selbst war und ist zufrieden, schließlich macht sich der Film ja nicht über ihn lustig, sondern präsentiert nur seine Meinung als Opposition zu anderen Meinungen, etwa der von Jean Ziegler.
Das Booklet zum Film enthält das transkribierte Interview in Auszügen, das Bestandteil der Bonus-Tracks ist, und eine Filmografie von Erwin Wagenhöfer.
Nana A.T. RebhanSprache: diverse Sprachen mit deutschen Untertiteln
Extras: - Booklet mit Informationen zum Film
- Making Of - "Die Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners"
- Interview mit Erwin Wagenhöfer
- Gedanken von Jean Ziegler
- Trailer