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Cannes 2007 - Offizieller Wettbewerb - 11/09/08

We Own The Night

Ein Film von James Gray


Drogenkrimi im New York der achtziger Jahre, mit zu vielen „family values“ und zu wenig psychologischer Differenzierung

(USA, 105’)
Mit: Joaquin Phoenix (Bobby Green), Mark Wahlberg (Joseph Grusinsky), Eva Mendes (Amada), Robert Duvall (Burt Grusinsky)

Im Gespräch mit James Gray


Synopsis: Im fiebrig-pulsierenden New Yorker Nachtleben Ende der achtziger Jahre führt Bobby Green erfolgreich einen der großen Disco-Tempel. Mit seiner schönen Geliebten Amada genießt Bobby den Erfolg in jeder Hinsicht in vollen Zügen. Der russische Eigentümer behandelt Bobby wie einen Sohn und hat noch größeres mit ihm vor, da Bobby seinen Nachnamen geändert hat, weiß er allerdings nicht, dass Bobbies Vater Burt und sein Bruder Joseph hochrangige New Yorker Polizisten sind. Die russische Mafia will den explodierenden Drogenmarkt mit allen Mitteln unter ihre Kontrolle bringen, die Großdealer gehen auch in Bobbies Diskothek ein und aus. Als sein Bruder beinahe ermordet wird, muss Bobby sich entscheiden, auf welcher Seite er steht.

Kritik: Nach seinem Überraschungserfolg „Little Odessa“ (1994), einem psychologisch differenzierten „film noir“ über einen skrupulösen Profikiller aus der russischen Immigrantenszene, hat James Gray in seinem neuen Film die Seite gewechselt. Der heroische Kampf der Polizistenfamilie Grusinsky wird dabei allerdings sehr plakativ inszeniert, inklusive des üblichen Vater-Sohn-Konfliktschemas, in dem der Vater erst sterben muss, damit der verlorene Sohn auf den richtigen Weg zurück kehrt.

Der Film vermittelt die „rauschhafte“ Atmosphäre der Zeit intensiv und kraftvoll, die Rollen sind großartig besetzt, und er hat mit Drogenkrieg, Verfolgungsfahrten, Liebe und Verrat alle Zutaten für einen guten, spannenden Polizeithriller. Er funktioniert aber nur auf dieser ganz oberflächlichen Ebene, weil den Figuren, ihren Handlungen und ihren Beziehungen untereinander jede psychologische Glaubwürdigkeit fehlt, auch wenn James Gray natürlich intelligent genug ist, ihnen auch schwache, zweifelnde Züge zu geben. Aber gerade Bobbies Wandlung zum engagierten Polizisten wird einfach nur behauptet, nicht entwickelt, und der klischeehafte Showdown am Ende unterstützt einmal mehr die These, dass amerikanische Krimis eigentlich immer naive Western sind. Auch in „Little Odessa“ ist die Familie schon ein zentrales Thema gewesen, aber war dort Maximilian Schell als Vater selbst ein in sich gebrochener, mühsam aufrechter Charakter, so ist Robert Duvalls Vaterrolle hier völlig eindimensional als Kämpfer für die gute Sache angelegt. Wie überhaupt die ganze Polizei mit blitzsauberen Uniformen als Hort des Rechts und der Moral gezeigt wird. Allerdings agieren sie dann bei Zugriffen und Verfolgungen auch wieder reichlich tollpatschig und unprofessionell. Das ist schade, denn die handwerklichen Qualitäten des Films stehen außer Frage und sind für einen unterhaltsamen und leidlich spannenden Kinoabend auch genug. Für einen guten Festivalfilm reicht das aber nicht.

Thomas Neuhauser

Erstellt: 25-05-07
Letzte Änderung: 11-09-08