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Dienstag, den 05. Juni 2007, ab 21.45 Uhr - Themenabend - 01/06/07

Welcome in Greece Mr. Marshall

Dokumentation von Angelos Abazoglou


Griechenland war das erste Land, das nach dem Zweiten Weltkrieg in den Genuss des wichtigsten Wiederaufbauprogramms der USA, der so genannten Marshallhilfe kam. Anhand von Archivmaterial aus der Nachkriegszeit und des Kalten Krieges schildern griechische, englische und amerikanische Historiker informativ und packend die Hintergründe dieser wichtigen Periode. Dabei wird deutlich, dass die amerikanische Hilfe in keiner Weise uneigennützig war, denn die Annahme von US-Geldern verpflichtete Europa zum gleichzeitigem Import von amerikanischen Kulturgütern und somit auch von amerikanischer Weltanschauung.

Frankreich / Griechenland 2007
55 Minuten, Erstausstrahlung
Wiederholung: 06.06.2007 um 15:15 Uhr

1947 organisierten zwei Abgeordnete des amerikanischen Kongresses, Herter und Lindsey, die Reise eines amerikanischen Ausschusses nach Florina in Nordgriechenland, nahe der jugoslawischen Grenze. Der Ausschuss, dem unter anderem der junge Richard Nixon angehörte, hatte den Auftrag zu erkunden, wie weit der kommunistische Einfluss dort inzwischen vorgedrungen war. Mit der Griechenland-Mission hofften Herter und Lindsey, den mehrheitlich isolationisischen US-Kongress von der unbedingten Notwendigkeit einer Wirtschaftshilfe für Europa zu überzeugen, das vom Zweiten Weltkrieg zerstört und im Kampf gegen die kommunistische Bedrohung begriffen war.

Die Griechenland-Mission hatte Erfolg: Die Vereinigten Staaten beschlossen die Einführung des «European Recovery Program», bekannter unter dem Namen «Marshall-Plan». Die Regierungen diesseits und jenseits des Atlantiks setzten große Hoffnungen auf diesen wirtschaftlichen und politischen Aufbauplan zur Wiederbelebung Europas. Griechenland gehörte als einziges Balkanland nicht zum sowjetischen Lager. Aufgrund seiner großen strategischen Bedeutung für die USA erhielt es als erstes umfangreiche Hilfe.

Daniel Cohn-Bendit
© Seppia/Neon Rouge
Daniel Cohn-Bendit
Die Wirtschaftshilfe wurde von kulturellen Maßnahmen flankiert. «Wenn ihr unsere Dollars nehmt, müsst ihr auch unsere Filme nehmen», erklärte John Foster Dulles (1888-1959), sicherlich der aggressivste Außenminister der Nachkriegsjahre. Er verstand den Kulturexport als einen Hauptbestandteil der amerikanischen Außenpolitik. Die US-Regierung betrachtete Kultur und Kommunikation als industriell und politisch entscheidende Bereiche. Um den «American way of life» in Europa zu fördern, erarbeitete sie eine Kommunikations- und Politikmarketing-Strategie großen Ausmaßes, und die Bewilligung des Marshall-Fonds durch das amerikanische Außenministerium wurde an genaue Vertragsklauseln gebunden.

© Seppia/Neon Rouge
US-Außenminister George C. Marshall: Am 5. Juni 1947 kündigt er den nach ihm benannten "Marshall-Plan" an - ökonomisch, politisch und kulturell das größte Investitionsprojekt, das die Welt bis dahin gesehen hatte.
Die 13,3 Milliarden Dollar (heutiger Wert: 120 Milliarden US Dollar), die von den USA zwischen 1948 und 1951 in Europa investiert wurden, waren vom Export heute allseits bekannter Spielfilme begleitet. Hinzu kamen Hunderte von Kino-Wochenschauen und Werbefilmen, die auf jedes Nutzerland der Marshallhilfe zugeschnitten waren und von diesem obligatorisch vertrieben werden mussten.
In amerikanischen Forschungsbüros und europäischen Regionalzentren untersuchten Hunderte von Kommunikationsspezialisten, wie man die Völker Europas gefühls- und mentalitätsmäßig am Besten auf die amerikanische Weltanschauung einschwören könne und wie ihre Gewohnheiten und Erwartungen mit denen der Helfer in Übereinstimmung zu bringen seien.

Gestützt auf Umfragen und Untersuchungen, wurden die Denk- und Anschauungsweisen der Europäer in großem Maßstab umgemodelt, vor allem mit Hilfe des Films. Denn die Amerikaner hatten die Bedeutung des Bildes für die Übermittlung einfacher, allgemein verständlicher Botschaften im Dienste des Kapitalismus wohl verstanden.

Erstellt: 31-05-07
Letzte Änderung: 01-06-07