Zwei aktuelle Ausstellungen in Straßburg dokumentieren, welche Medienflut die Propaganda des ersten Weltkrieges ausgelöst hat. Zum ersten Mal in der Geschichte greifen Massenmedien wie Flugblätter, Plakate und Zeitungen in den Verlauf eines Krieges ein.
Vor dem ersten Weltkrieg sprach noch keiner von Massenmedien. Dies änderte sich, als sowohl die damaligen Regierungen als auch die Widerstandsgruppen die Medien für ihre Propagandazwecke entdeckten. Vor allem mit Hilfe von Zeitungen, Flugblättern und Plakaten gelang es den verschiedenen Gruppen, die Bürger über die vermeintlich richtige Sache zu informieren, Anhänger für sich zu finden, zu polarisieren.
Die Ausstellung der Bibliothèque nationale universitaire „Orages de papier / In Papiergewittern“ ist komplett zweisprachig aufgebaut und wird ab dem 12. November bis zum 31. Januar 2009 in Straßburg, danach in Stuttgart und Paris gastieren. „In Papiergewittern“ zeigt unter anderem Plakate, Feld- und Schützengrabenzeitungen, Tagebücher, Briefe, Postkarten, Medaillen und Chansons. Mithilfe dieser sehr unterschiedlichen Quellen ist es den Historikern heutzutage möglich, den Verlauf des Krieges zu verfolgen und ein sehr genaues Stimmungsbild der damaligen Gesellschaft zu zeichnen.
Zur Foto-Galerie "In Papiergewittern"mit Dokumenten aus der Straßburger Ausstellung
Die zweite Ausstellung „A l’affiche / Plakate aus dem ersten Weltkrieg“ ist von den Archives municipales de Strasbourg zusammengestellt worden und dort noch bis zum 12. Dezember zu sehen. Sie widmet sich ausschließlich den damaligen Plakaten, von denen sie aus einer Sammlung von über 20.000 Originalstücken die besten und wichtigsten zeigen kann. Die sieben Teile der Ausstellung sind am historischen Zeitgeschehen, aber auch an spezifischen Themen ausgerichtet. So besteht beispielsweise der erste Teil „Août 1914, la guerre!“ aus Plakaten, die zum Krieg aufrufen, der vierte Teil „L’arrière“ aus Plakaten, die die Heimatfront zur moralischen und wirtschaftlichen Unterstützung der Armee aufrufen. Das Besondere an den Plakaten ist, dass sie von der deutschen und der französischen Seite stammen und somit nicht nur die jeweilige Propaganda der beiden Länder verglichen werden kann, sondern auch die unterschiedlichen Grafikstile der eingesetzten Plakate.