Montag, 1. Dezember 2008 um 22.30 Uhr
Wiederholungen:
12.12.2008 um 05:00
13.12.2008 um 03:50
Aids - Die vergessene Krankheit?
(Deutschland, 2008, 52mn)
ZDF
Regie: Sabine Goette
Produzent: Berlin Telekult GmbH
In Westeuropa führen Aids-Patienten heute ganz unterschiedliche Leben. Da gibt es die medikamentös gut eingestellten HIV-Infizierten, die einer regelmäßigen Arbeit nachgehen, aber auch diejenigen, die unter den Folgen von Infektion und Krankheit leiden. Womit sie alle noch häufig konfrontiert sind, sind mangelnde Solidarität, Vorurteile und irrationale Ängste - auch heute noch, 25 Jahre nach Entdeckung des Virus und umfassenden Präventionskampagnen.
25 Jahre ist es her, dass Prof. Luc Montagnier das HIV-Virus identifizierte. In Westeuropa hat die Krankheit, die weltweit schätzungsweise 25 Millionen Menschen das Leben kostete, heute ihre unmittelbaren Schrecken verloren. Seit Einführung der antiretroviralen Kombinationstherapien Mitte der 90er Jahre hat sich das Leben mit HIV stark verändert. Aids bedeutet nicht mehr den sicheren Tod, Lebenserwartung und Lebensqualität HIV-infizierter Menschen haben sich deutlich erhöht. Von vielen Menschen wird eine HIV-Infektion deshalb nicht mehr als unmittelbare Bedrohung wahrgenommen.
Wie leben die Menschen in Europa heute mit HIV? Wird Aids in Europa zur vergessenen Krankheit? Welche Herausforderungen haben sich seit der EU-Erweiterung entlang der alten und neuen EU-Grenzen ergeben und wie wird darauf reagiert? Und: Welche Strategien werden in der Forschung verfolgt, um die weltweite Epidemie zu stoppen? Die neuen Medikamente scheinen heute ein nahezu normales Leben zu ermöglichen, doch längst nicht allen Patienten geht es dabei gut. Denn auch die Kombinationstherapien haben belastende Nebenwirkungen oder verursachen zusätzliche Erkrankungen. Hinzu kommt, dass auch gegen die neuen Medikamente Resistenzen auftreten. Auch geheilt werden kann die Krankheit bislang nicht. Viele Menschen vergessen zudem, dass allein in Deutschland immer noch rund 700 Personen pro Jahr an Aids sterben.
Im Jahr 2006 wurden in Deutschland 2.700 neue Erkrankungen registriert, in Frankreich waren es 5.700. Im Zuge der EU-Erweiterung haben sich zudem neue Herausforderungen entlang der alten und neuen EU-Grenzen ergeben. Grenzüberschreitende Netzwerke für Aufklärung, Therapie und Diagnostik von HIV und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten werden aufgebaut. Ein Beispiel ist die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Polen. Seit drei Jahren ist das Mobile Aufklärungsteam beiderseits der Grenzen unterwegs, um die Aufklärung zu stärken und einer Zunahme der Infektionen vorzubeugen.
Ist die weltweite Ausbreitung von Aids zu stoppen? Seit den 80er Jahren forschen Wissenschaftler an einem Impfstoff. Um die Erfolgschancen zu erhöhen, hält es Prof. Yves Lévy in Paris, einer der führenden Aidsforscher in Europa, für notwendig, parallel verschiedene Ansätze bei der Entwicklung von Impfstoffen zu verfolgen, die sich möglicherweise kombinieren lassen. Doch bislang ist keine Lösung in Sicht. Das Virus ist mutationsfreudig und deshalb schwer zu bekämpfen.
Dr. Frank Buchholz vom Max-Planck-Institut Dresden und Prof. Joachim Hauber vom Heinrich-Pette-Institut Hamburg beschreiten einen neuen Weg in der Aids-Bekämpfung. Sie haben ein biotechnologisches Verfahren entwickelt, mit dem das HIV-Genom wieder aus den infizierten Zellen "herausgeschnitten" werden kann. Gelänge dies nicht nur in Zellkulturen, sondern auch im Menschen, wäre es ein erster Schritt in Richtung einer möglichen Heilung. Bis ein Impfstoff oder Heilmethoden entwickelt sind, bleibt jedoch nach wie vor nur eine Strategie wirksam: die Verhinderung neuer Ansteckungen durch Prävention.