Dass in einem Orchester Musiker aus unterschiedlichen Nationen sitzen, ist nichts Besonderes. Aber wenn sich ein syrischer und ein israelischer Jugendlicher in einem Orchester ein Notenpult teilen und außerdem noch ägyptische, palästinensische, jordanische und libanesische Jugendliche mitspielen, dann ist das eine Sensation. Es ist das Ergebnis der kontinuierlichen Arbeit von Daniel Barenboim und dem Schriftsteller Edward Said. Sie haben 1999 für ein Projekt der damaligen Kulturhauptstadt Weimar das "West-Eastern Divan Orchestra" gegründet und seitdem dieses Projekt beharrlich fortgeführt. Es umfasst Jugendliche aus unterschiedlichen Ländern des Nahen Ostens, die mittlerweile auf hohem künstlerischem Niveau zusammenspielen. Nach den jeweiligen Probenphasen und Konzertreisen kehren die Jugendlichen in eine Welt zurück, die geprägt ist von Bombenanschlägen und militärischen Übergriffen und in der die Menschen aus den jeweils anderen Ländern meist als Feinde gelten. Es sind große Anspannungen, die sie bei ihrer Arbeit aushalten müssen, denn die politisch verfahrene Situation ist immer präsent und prägt die Diskussionen abseits der Proben. Aber das gemeinsame Ziel schafft eine ganz eigene Form des Dialogs jenseits aller ideologischen Grenzen. Mittlerweile hat das Orchester in Sevilla seine feste Sommerresidenz gefunden.Als das West Eastern Divan Orchestra im letzten Sommer ein Konzert in Jordanien plante, wollte ARTE dieses Vorhaben unterstützen und begleiten. Das Konzert konnte schließlich nicht stattfinden, doch aus dieser Vorbereitungszeit ist das eindrucksvolle filmische Porträt entstanden. Die Dokumentation hat das Orchester von seiner Gründungsphase in Weimar an begleitet und zeigt in sehr persönlichen Bildern eine Gruppe junger Menschen, die getragen von ihrer gemeinsamen Begeisterung für die Musik mehr und mehr zusammenfindet. Dies zeigt sich in den Ausschnitten aus verschiedenen Arbeitsphasen und Konzertauftritten von Weimar über Sevilla bis hin zur Staatsoper in Berlin. Die Kamera ist natürlich auch dabei, wenn die Jugendlichen zusammen ihre Freizeit verbringen und immer wieder über ihre jeweils unterschiedliche Sicht der politischen Situation diskutieren. Wie angespannt die Situation ist, wird deutlich, wenn einer der Jugendlichen aufgebracht von einem Interview kommt und erst beim Musizieren wieder zu sich findet. Dabei thematisiert der Film auch die anderen Aktivitäten von Daniel Barenboim in Israel und Ramallah - auch wenn es dabei zum Eklat kommt, wie bei der Verleihung des Wolf-Preises an Barenboim in der israelischen Knesset. Der Film endet mit der spektakulären Frage Barenboims an das Orchester, ob es bereit sei, ein Konzert in Ramallah zu geben und mit der aufgeregten Reaktion der Orchestermusiker. ARTE überträgt das Konzert des West-Eastern Divan Orchestra unter der Leitung von Daniel Barenboim am Sonntag, dem 21. August 2005, live aus Ramallah.
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Wir können nur den Hass verringern
Samstag, den 20. August um 22.30 Uhr
Daniel Barenboim und das West-Eastern Divan Orchestra
Dokumentarfilm, Deutschland 2004, ZDF, Erstausstrahlung, 90 Min.
Regie: Paul Smaczny






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