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Text von Jens Hauser - 02/09/08

YOKOMONO – eine kurzwellig/kurzweilige Sound-Installation von Geert-Jan Hobijn und Carsten Stabenow, alias "Staalplaat"

Ob als Live-Performer oder mit ihrer Klanginstallation – die Soundkünstler Geert-Jan Hobijn und Carsten Stabenow sind mit ihrer radikal-subversiven Vinyl-Ästhetik ein Geheimtip der diesjährigen Ars Electronica. Sie verkörpern subtil den Esprit einer konzeptuellen Komplexität, die sich in einer Einfachheit des Materials ausdrückt.

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Kurioser Umstand bei einer Ars Electronica, die sich "simplicity" auf die Fahnen geschrieben hat, ist eine technologiekritische und selbstironische Retro-Atmosphäre. So geschieht es, dass Staalplat in der augenscheinlich nunmehr obsoleten Kategorie "Digital-Musik" ausgezeichnet wurde, für ihre "Mono Erosive Surround Sound Installation", die demonstrativ auf der progressiven und kreativen Zerstörung analoger Klangträger beruht: Hier fahren sogenannte "Vinyl-Killer" – das sind Tonabnehmer mit unfeiner Nadel und in Form von Volkswagen-Modellautos – über weisse Schallplatten aus weichem Vinyl, immer in der gleichen Rille, und bringen rhythmisch die Abnutzungsgeräusche zu Gehör. Diese werden via FM-Sender an unzählige Radiorecorder übertragen, die ringsherum die Galleriewände bedecken.

"Die Platten können die Installationsdauer unmöglich überleben", sagt Geert-Jan Hobijn. Ein wenig hämischer Stolz scheint da mitzuklingen. "Schon nach einer Minute Laufzeit wäre eine solche Platte auf keinem Hifi-System mehr spielbar", freut sich auch Carsten Stabenow ob der massiven Erosionseffekte. "Es rauscht ja eigentlich nur noch". Während ein DJ vermeiden wird, seine Platten abzunutzen, fräsen sich Staalplat's "Vinyl-Killer" absichtlich bei jeder Umdrehung immer tiefer in immer die gleiche Rille. Die Loops sind nur 1,8 Sekunden lang. Es ist ein eigentümlicher Beat, denn die vier Plattenteller und die Streuung der sich langsam dekonstruierenden und verfremdenden Schabgeräusche entwickeln über die resultierende Phasenverschiebung eine faszinierende, dichte und rhythmische Klangmasse, die sich durch die Bewegung des Besuchers im Raum zusätzlich noch verändert.

Ähnlich vergeblichen Versuchen aus Opa's Radiozeit, eine Antenne auf rauschfreien Empfang auszurichten, ist auch hier die FM-Übertragung ein absichtlich instabiles System. Darüberhinaus ist die gesamte Installation ein System, das sich mit sich selbst beschäftigt – eine Metapher auf Medien, die von ihren mutmasslichen Nutzniessern nur selten hinterfragt werden. Nur die Batterien der "Vinyl-Killer" sind zu wechseln, und das jeden Ausstellungstag zwei mal, wobei die fahrenden Tonabnehmer stets langsamer werden.

YOKOMONO, das klingt nicht ganz umsonst nicht nur nach "mono", sondern auch etwas japanisch nach "Yoko Ono": ein Fingerzeig auf die asiatisch inspirierte Fluxus-Tradition der 60er Jahre, mit ihren Happenings und Performances. Sie findet sich auch in der wahl des klanglichen Ausgangsmaterial der Installation: Stille! Erst durch die aufaddierten technischen Interferenzen, Störgeräusche, Übertragungsfehler und Abnutzungserscheinungen entsteht eine klangliche Form. So wird letzten Endes der Klang gleichzeitig aus dem Nichts heraus durch das technische Dispositif erst generiert, und dann materiell wieder zerstört und gelöscht.
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  • Links
>> Staalplaat

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  • Das Festival
Ars Electronica 2006
Simplicity
vom 31. August bis zum 05. September 2006
in Linz - Österreich
>> Offizielle Website

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Kultur Digital
September 2006
Text von Jens Hauser
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Erstellt: 04-09-06
Letzte Änderung: 02-09-08


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