Sie unterwerfen sich den Regeln des Jingi, einer Tradition des chinesischen Konfuzianismus (Jin = Menschlichkeit, Gi = Gerechtigkeit).
Dies mag die Bedeutung der Yakuza nicht nur in der Legendenbildung, sondern auch ihren nach wie vor großen Einfluss in der japanischen Gesellschaft erklären.
- Das Toei-Filmstudio, Hochburg der Yakuza-Filme
Das Toei-Studio war die erste große japanische Filmfirma, die in die Massenproduktion der Yakuza-Streifen, der „ninkyo eiga“ (jap. „Ritterfilme“) einstieg – und sich gleich den Vorwurf gefallen lassen musste, Verbrechen und kriminellen Abschaum zu glorifizieren. Das Studio war allerdings mit seinen Oyabun (Paten) und Chinpira (Lehrlingen) selbst hierarchisch strukturiert wie eine Mafiaorganisation.
In den 1950er Jahren übernahm Koji Shindo die Leitung des Studios, eine schillernde Persönlichkeit mit besten Kontakten zur Unterwelt und hervorragendem Einblick in die interne Struktur der Yakuza-Banden.
Koji Shindo übernahm selbst die Überwachung der Produktion hunderter Filme, für die er Leute aus dem kriminellen Milieu anheuerte, die Hand in Hand mit Profis der Filmindustrie arbeiteten.
An der Seite von Ando Noburo spielten junge Nachwuchstalente wie Ken Takakura (ein Absolvent der renommierten Meiji-Universität, der auch als Widersacher von Robert Mitchum für Sidney Pollack in dessen Film Yakuza spielte, einem der raren Versuche des Hollywood-Kinos, sich dem Genre des japanischen Gangsterfilms anzunähern) oder Koji Tsuruta (ein ehemaliger Pilot der kaiserlichen Luftwaffe, selbst gezeichnet von seinen in Auseinandersetzungen mit Straßengangs erlittenen Blessuren), die zu Idolen der von diesen Leinwandgaunern faszinierten jungen männlichen Kinobesucher in Japan wurden. - Die 1970er Jahre und der nihilistische No-Future-Stil
Die Handlung zahlreicher Yakuza-Filme, die in den 1970ern gedreht wurden, ist in den Nachkriegsjahren angesiedelt. Ihre Helden sind von der militärischen Niederlage zermürbte Kriegsveteranen, die gegen jede Form von Autorität aufbegehren. Ein kritischer Unterton dieser Filme gilt der ungerechten Verteilung des durch den wirtschaftlichen Aufschwung erreichten Wohlstandes.
Tatsächlich waren es vor allem einfachere Schichten der Gesellschaft, die für das japanische Wirtschaftswunder den Rücken krumm machen mussten. Die neuen Filme zeigen die Bandenkriege auf der Leinwand als eine Parabel auf den erbarmungslosen wirtschaftlichen Kampf, den sich Industriebosse und Arbeiterschaft liefern. Die „Salarymen“ verteidigen mit Zähnen und Klauen ihre Unternehmen wie die Yakuza ihre Territorien!
Kinji Fukasaku, der Grandseigneur des Yakuza-Films, verkörpert nahezu allein diese Entwicklung des Genres. Seine Gangsterfilme dienten ihm als Hintergrund für die Darstellung der Lebensumstände der Ärmsten der Armen im Japan der Nachkriegszeit.
Diese in Cinemascope-Technik gedrehten Filme verdeutlichen besser als alle Historienschinken und Kinodramen die sozialen Verwerfungen der damaligen japanischen Gesellschaft.
Die Anti-Helden der Fukasaku-Filme mit ihrem blindwütigen, verzweifelten Nihilismus sind vielfach echte Gangster aus dem Milieu, die vor die Kamera geholt wurden.
Es sind Filme, die in bewundernswerter Weise den Stil des „Cinémá vérité“ mit der tragischen Stimmung des „Film noir“ kombinieren.
Battles Without Honour and Humanity (Jingi Naki Tatakai, 1973), ein großer Fukasaku-Erfolg des Toei-Studios, basiert auf der Lebensgeschichte des Bandenchefs Kozo Mino und den Ereignissen des sogenannten Kure-Krieges, einer der brutalsten Auseinandersetzungen zwischen verfeindeten Yakuza-Banden Anfang der 1970er Jahre in Hiroshima.
Ein anderer Kultregisseur dieser Epoche, Seijun Suzuki, spielt dagegen meisterhaft mit der Negation der Konventionen dieses Genres. Der Film-Anarcho mit dem schlampig wirkenden Stil hat seine Helden am liebsten als einsame, asoziale Zyniker.
Eingestreut in die Handlungen der Filme finden sich antiamerikanische Äußerungen oder Kritik an der amerikanischen Vorgehensweise im Vietnamkrieg, wie etwa in Gate of Flesh (Nikotai no mon). Die Gewaltszenen der Filme Suzukis, die vom anderen großen Filmstudio Nikkatsu produziert wurden, sind sehr stark durchchoreografiert und muten in ihrer leicht abstrahierten Ästhetik fast barock an.
Jim Jarmush hat diesem Kultregisseur übrigens ein Denkmal gesetzt, indem er eine von dessen Mordszenen - eine der innovativsten der Kinogeschichte – als Zitat in seinen Film Ghost Dog eingebaut hat. - Niedergang und Wiedergeburt eines Genres
Nach einer Phase, in der das Interesse an Yakuza-Kinofilmen in den 1980er Jahren wegen der zunehmenden Konkurrenz durch TV-Serien und Videofilme stark nachgelassen hatte, kam das Genre Anfang der 1990er Jahre dank neuer Autoren quasi runderneuert wieder zurück.
Die neue Riege der Yakuza-Filmemacher beruft sich auf Einflüsse der Filme Tarantinos und spickt das nunmehr seines Mythos beraubte Genre mit Comedy-Elementen und einem guten Schuss Parodie.
Zum Teil sind daran wohl auch zwei Gesetze schuld, die Schlag auf Schlag das kriminelle Treiben der Yakuza in der Gesellschaft zunehmend ächten und deren Beziehungen zu den Behörden belasten: das Gesetz gegen Bandenkriminalität von 1992 und das Geldwäschegesetz von 1993.
Mit einem Mal hat das verklärte Bild der Yakuza Risse bekommen, und auch in manchen Filmen zögert man nicht mehr, sie an den Pranger zu stellen.
Juzo Itami liefert mit The Gentle Art of Japanese Extortion (Minbo no onna, 1992) eine bissige Komödie über die Yakuza ab, in der eine Rechtsanwältin, ausdrucksvoll gespielt von Itamis Frau Nobuko Miyamoto, eine Gruppe von Yakuza-Mitgliedern unter den Hotelgästen nach Strich und Faden lächerlich macht.
Das Porträt der mafiosen Gemeinschaft, das hier gezeichnet wird, ist wenig schmeichelhaft und platzt wie eine Bombe in eine Landschaft von bis dahin das Yakuza-Image verherrlichenden Filmen: Itamis Yakuza-Gangster sind peinlich schlecht gekleidete Tölpel, die nur unartikuliert schreiend miteinander kommunizieren.
Der Regisseur legt in diesem Film den Finger auf eine ganze Reihe kleiner wunder Punkte der japanischen Gesellschaft – und das ist nicht ganz ungefährlich für ihn…
Wie realistisch er die Verhältnisse offenbar dargestellt hat, zeigt ein Messerattentat, das Mitglieder einer kriminellen Gang nach dem Start des Films auf ihn verüben. Zwar kommt er – durch die Verletzungen schwer entstellt – knapp mit dem Leben davon, aber fortan sieht er sich ständigen Pressionen der Yakuza ausgesetzt. Auch bei seinem Selbstmord unter mysteriösen Umständen ein paar Jahre später sind sie möglicherweise nicht ganz unbeteiligt gewesen. - Ab der Mitte der 1990er Jahre sind es dann Takeshi Kitano und Takashi Miike, die dem Yakuza-Genre wieder neues Leben einhauchen.
Kitano ist von Anfang an daran gelegen, den Yakuza-Filmen einen neuen Stil zu geben.
In Sonatine (1993) zeigt er die Banden als eine Gemeinschaft trauriger Aussteiger, die, in grellbunte Hawaii-Hemden gekleidet, ein paar Badeorte unsicher machen.
Mit seinem unverkennbaren Stil, geprägt durch die Kombination unberechenbarer Gewaltausbrüche mit pantomimischen Einlagen à la Buster Keaton, setzt er in gewisser Weise die Tradition des Kabuki-Theaters fort. Auch dort sind die Dialoge auf ein Minimum reduziert, ebenso wie alle sichtbaren Emotionen.
Wie bei Eastwood erzählen auch Kitanos Filme von einer düster-melancholischen Welt, von der Orientierungslosigkeit der Menschen in der neuen japanischen High-Tech-Gesellschaft.
Deren Protagonisten werden von ihren Depressionen bis zum Selbstmord getrieben, unfähig, der metaphysischen Verunsicherung in dieser neuartigen Welt zu begegnen.
Bei Takashi Miike sind die Yakuza zumeist ein Haufen gestörter Psychopathen.
Sein Stil lässt sich am besten wohl als eine Mischung aus Brutalo-Manga und Cyberpunk-Kultur beschreiben.
Miike lotet die Grenzen von Moral und Kultur aus.
Seine Yakuza lehnen sich gegen ihre Chefs auf, tollwütigen Hunden gleich agieren sie ohne Regeln und Gesetze, isoliert von ihren Gangs und der Gesellschaft.
Der Einfluss Tarantinos in Bildern und Erzählstil ist in Miikes drastisch-obszönen Werken spürbar.
Kitano und Miike setzen sich damit ganz bewusst in Gegensatz zu dem romantisch-verklärenden Stil des Genres und dem halbdokumentarischen Charakter der Filme Fukasakus. Gleichzeitig etablieren sie so neue narrative und visuelle Codes.






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