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Produktpiraterie

Der Themenabend analysiert die Folgen der Produktpiraterie. Ein Thema, das auch beim G8-Gipfel Anfang Juni in Heiligendamm ganz oben auf der Tagesordnung steht.

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Produktpiraterie - 17/09/08

Zahlen - interaktive Karte

Spätestens seit der Drohung der USA, bei der Welthandelsorganisation Beschwerde gegen China einzuleiten, ist das Thema ins öffentliche Bewusstsein getreten: Produktpiraterie. Weltweit werden Milliarden von Lacoste-Hemden, Nike-Turnschuhen, Gucci-Sonnenbrillen und Louis-Vuitton-Taschen, aber auch Getränke, CDs, Elektrogeräte, Flugzeug- und Autoteile und Medikamente illegal kopiert. Es gibt eigentlich nichts, was nicht kopiert wird. Das bringt nicht nur einen Steuerausfall in Milliardenhöhe mit sich, sondern bedroht auch zehntausende Arbeitsplätze.

Laut einer OECD-Studie machen Fälschungen bisher etwa zwei Prozent des Welthandels aus, das entspricht immerhin einem Handelsvolumen von 135 Mrd. Euro. Andere Schätzungen gehen sogar von 5 bis 9% des Welthandels und einem volkswirtschaftlichen Schaden von 250 bis 300 Mrd. € weltweit aus. Die Gefahren für den wissentlichen oder unwissentlichen Käufer von Plagiaten reichen von allergischen Reaktionen auf giftige Färbe- und Gerbemittel, Stromschlag, Verletzungen aller Art über Vergiftung bis zum Tod durch Inhaltsstoffe von gepanschten Nahrungsmitteln und Medikamenten.

Mehr Informationen darüber, aus welchen Ländern die Plagiate haupt- sächlich kommen, welche Produkte am häufigsten gefälscht werden und welche Auswirkungen die Produktpiraterie in Europa hat, finden Sie in unserer interaktiven Karte.
Der Anteil gefälschter Waren im Handel nimmt zu. 1998 wurden auf dem europäischen Markt 10 Mio. gefälschte Artikel sichergestellt. Zwei Jahre später waren es schon 67,7 Mio. und 2003 schließlich 92,2 Mio. Hauptursprungsregion der Fälschungen ist Südostasien, 2006 kamen 60% aller konfiszierten Güter aus China. Aber die EU ist nicht nur Ziel von Markenpiraten, sondern auch Hersteller gefälschter Produkte. So kamen 2004 z.B. 19% aller beschlagnahmten Parfums aus EU-Mitgliedsstaaten. Nicht vergessen werden darf auch die Rolle europäischer Unternehmen, die im Ausland Fälschungen in Auftrag geben, um sie dann auf dem heimischen oder internationalen Markt zu verkaufen.

Um sich den gut organisierten Fälscherbanden erfolgreich widersetzen zu können, koordinieren die europäischen Zollbehörden gemeinsame Aktionen an Häfen und Flughäfen und bauen vor allem die Zusammenarbeit der Institutionen, aber auch der Wirtschaft aus. Inzwischen kommen vielfach Hinweise auf Ladungen mit Fälschungen auch von den Unternehmen, die die Rechte am Originalprodukt besitzen. In Stichprobenkontrollen werden Zollbeamte misstrauisch, wenn z.B. Papiere unvollständig sind. Im Hamburger Hafen hatten Zollbeamte im letzten Sommer innerhalb weniger Wochen 117 Container aufgespürt, in denen gefälschte Waren im Wert von 383 Mio. € lagerten.

Text: Christiane Wächter

Erstellt: 24-05-07
Letzte Änderung: 17-09-08