- Synopsis
Zazie muss das Wochenende bei ihrem Onkel Gabriel in Paris bleiben, weil sich ihre Mutter mit ihrem neuen Liebhaber vergnügen will. Es macht ihr nicht so viel aus, denn Metro fahren wollte sie schon immer mal, doch ausgerechnet an diesem Wochenende streikt die Metro. Zazie sorgt deshalb auf anderem Wege für ein bewegtes Wochenende...
"Im Mittelpunkt des Films steht ein Kind, das der Verlogenheit und Verdorbenheit der Erwachsenenwelt ausgesetzt ist."
(Louis Malle)
- Der Kommentar zum Film
Philippe Collin war Regie-Assistent bei Louis Malles Film ZAZIE (1960). Gerne und gut erinnert er sich an den Dreh, der ihm im Gedächtnis geblieben ist. Louis Malle liebte es, an Originalschauplätzen und draußen zu drehen, was ohnehin eines der Kennzeichen der Nouvelle Vague war. Für seinen Film FAHRSTUHL ZUM SCHAFOTT schickte er Jeanne Moreau etwa auf die Champs-Elysées. Phillipe Collin: „Man begreift ZAZIE nur, wenn man weiß, dass William Klein daran beteiligt war. Er war künstlerischer Berater und sehr wichtig für den Film.“ Klein war Fotograf, er hatte damals bereits einen Fotoband über New York fertig gestellt. Klein war es auch, der die Idee hatte, einen großen Bretterzaun, der mit bunten, dadaistisch anmutenden Plakaten beklebt war, überallhin mitzunehmen. Der Zaun kam häufig zum Einsatz, wie einige Filmausschnitte belegen. Erstaunlich ist es, zu erfahren, wie viel Freiheiten das Filmteam damals hatte, sich in Paris zu bewegen. Bei einigen Szenen etwa fuhren sie während der Rushhour am Place de l’Etoile verkehrt zur Fahrtrichtung – ohne besondere Absperrungen. Passagen aus dem Originaldrehbuch werden mit fertigen Filmszenen verknüpft. Es ist spannend anzusehen, wie Louis Malle die oft vage gehaltenen Regieanweisungen aus dem Drehbuch letztlich umsetzte. So sehen wir „eine visionäre Verfolgungsjagd zwischen Zazie und Trouscaillon, vielleicht in Scope, vielleicht in Farbe“ anschließend als Filmausschnitt.
Ein besonderer Gimmick von ZAZIE war es, immer dieselben acht bis zehn Statisten einzusetzen, an diversen Locations, in diversen Verkleidungen. Die Statisten standen während fast der gesamten Drehzeit abrufbereit zur Verfügung. So wirken sie ein wenig surreal, fast wie Puppen. Dem Zuschauer wird es vielleicht nicht einmal bewusst, aber Louis Malle wusste, „er spürt es.“ Collin findet es „eine brillante Idee, die noch keiner nachgemacht hat.“ Spannend ist es auch zu sehen, wie frei sich das Team und die Darsteller damals auf dem Eiffelturm bewegen konnten, so etwas wäre heutzutage keinesfalls mehr möglich. Es gibt etliche Standfotos von William Klein, auf denen Louis Malle und seine Schauspieler in möglichst gefährlich aussehenden Stellungen posieren. Sie wirken wie kurz vor dem Absturz. Der Film über die Dreharbeiten zu ZAZIE ist mit nur 14 Minuten vielleicht ein wenig kurz geraten, aber er ist auf jeden Fall sehr sehenswert und informativ.
Ein 17-minütiger Dokumentarfilm von Louis Malle, Jacques Ertand, Gishlain Cloquet, Georges Delerue und Jean Bobet ES LEBE DIE TOUR DE FRANCE ergänzt die Bonus-Tracks dieser DVD. Dieser beschreibt die Tour de France aus verschiedenen Positionen, ein schöner Film, leider ohne Angabe des Entstehungsjahres.
Dennoch sind die Bonustracks dieser DVD insgesamt ein wenig dürftig ausgefallen. Eine Bio-und Filmografie von Louis Malle wäre auf jedenfalls wünschenswert gewesen.
Nana A.T. Rebhan

Zazie in der MetroFrankreich, Italien 1960
Regie: Louis Malle
Mit Philippe Noiret, Catherine Demongeot, Vittorio Caprioli, Antoine Roblot
Technische AngabenSprachen: Deutsch, Französisch
Extras:
-Zazies Paris
-Es lebe die Tour de France






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