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Cannes 2007 - Offizieller Wettbewerb - 11/09/08

Zodiac

Ein Film von David Fincher


Requiem eines Thrillers

USA 2007, 156 Min.
Mit Jake Gyllenhaal, Mark Ruffalo, Robert Downey Jr., Chloë Savigny

 
Synopsis: Zwischen Dezember 1968 und Oktober 1969 brachte ein Serienkiller im Raum San Francisco fünf Menschen um. Er selbst behauptet, es seien 37 Morde gewesen. Der Täter gab sich selbst den Namen Zodiac und schickte diverse Briefe an Lokalzeitungen. Jahrelang wurde er polizeilich gesucht, doch der Fall ist bis heute nicht aufgeklärt worden.
 
Kritik: Auf den ersten Blick ist es überraschend, dass ein Regisseur wie David Fincher, der mit seinen Filmen SEVEN, FIGHT CLUB und THE GAME seinen extrem stark ausgeprägten Stilwillen unter Beweis stellte, nun eine geradezu langsame, suspensearme Kriminalgeschichte inszeniert hat. Sehr bedachtsam, mit Blick noch für das kleinste Detail verfolgt er chronologisch die Ereignisse rund um die Morde, die im Dezember 1968 begannen und die auf den tagebuchartigen Aufzeichnungen von Robert Graysmith basieren. Mit dokumentarischer Genauigkeit und angemessener Langsamkeit rekonstruiert Fincher die Begebenheiten, die stattfanden, als er selbst gerade einmal sechs Jahre alt war. Das mag der Grund dafür sein, dass der im Serienkiller-Genre bewanderte Regisseur bereits vor einigen Jahren einer Inszenierung des Falls zustimmte. Was für James Ellroy die Schwarze Dahlie, ist für Fincher der Zodiac Killer. Eine mythisch anmutende Figur, die ihn schon als kleinen Jungen zugleich faszinierte und abstieß. Ein gefährlicher Killer, der bis heute nicht gefasst wurde. Mit seinen kryptischen Rätseln beschäftigte Zodiac eine ganze Generation, und doch sind einige bis heute nicht gelöst worden. Da Kindheitserlebnisse sehr prägend sind, verwundert es dann doch nicht so sehr, dass sich Fincher des Zodiac-Killers angenommen hat.
 
ZODIAC ist ein Requiem eines Thriller. Er erinnert in seiner feinfühligen Spurensuche an die Truman-Capote-Verfilmung KALTBLÜTIG. Fincher gelingt es, die Atmosphäre der 60er Jahre aufleben zu lassen, durch stimmige Drehorte, zeitgerechte Kostüme und ein hervorragendes Casting. Vorangetrieben wird die Spurensuche durch Jake Gyllenhaal, dessen Rolle als sensibler Cowboy in BROKEBACK MOUNTAIN noch gut in Erinnerung ist. In ZODIAC treibt er als  kauziger Comic-Zeichner Robert Graysmith des San Francisco Chronicle die Ermittlungen voran. Der Fall fasziniert ihn, und die verrätselten Botschaften, die der Mörder an seine Tageszeitung schickt, fesseln sein Interesse. Er versucht einen guten Kontakt zu Starreporter Paul Avery (mit arroganter Ironie von Robert Downey Jr. gespielt) aufzubauen, um näher an dem Fall zu sein, was ihm nur teilweise gelingt. 
 
ZODIAC ist ein eleganter und sehr cooler Film, der sich nur langsam entwickelt. Fincher setzt sich ganz bewusst von seinen vorhergehenden Werken ab, für die er viel Aufmerksamkeit bekommen hat und in denen sein innovativer Kamerastil und Schnitt sehr prägend waren. Bei ZODIAC ist es ihm wichtig, der Wahrheit des Falls ein Stück näher zu kommen und dabei nicht die Geschichte für Genre-Konventionen zu opfern. Seine Fans werden sich an den 156  dialoglastigen Minuten sicher scheiden.
 
Nana A.T. Rebhan

Erstellt: 18-05-07
Letzte Änderung: 11-09-08