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05/06/09

Zu Tisch in Damaskus

In der ältesten Stadt der Welt ist eine Vielzahl von Völkern, Religionen und Kulturen über die Jahrtausende ein- und ausgezogen. Diese Vielfalt blieb in der Damaszener Küche als lebendiges Zeugnis und schmackhafte Erinnerung zurück – es ist das erste Geheimnis dieser ewigen Stadt.

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Munir Rifa ist gebürtiger Damaszener. Er hat mehrere Jobs. Mit nur einem könnte er seine Familie nicht ernähren. Wie jeden Morgen arbeitet er in einem Ful-Laden am Rande von Syriens Hauptstadt. Die Saubohnen, wie Ful auch genannt werden, sind für viele noch immer das Hauptgericht. Ful ist billig und sehr nahrhaft. Die Bohnen sind eine uralte Pflanze aus dem Mittelmeerraum. Da sie nur wenig Eigengeschmack haben, werden sie mit Tomaten und Petersilie verfeinert. Zur besseren Verdauung baden sie in Olivenöl. Knoblauch, Kichererbsen, Zitronensaft, Pfeffer und Salz sind obligatorisch. Viele Kunden von Munirs Laden holen sich auch nur die gekochten Bohnen und bereiten sie zuhause zu.
Munirs Frau Imtias liebt es weniger deftig. Gemeinsam mit anderen Frauen trifft sie sich jede Woche. Sie bereiten Gerichte zu, die ihre Männer nicht mögen – zumeist Vegetarisches: Selbstgemachte Nudeln, die in Tamarindensaft gekocht und mit viel Petersilie angerichtet werden. Wenn die Frauen unter sich sind, ist es in Damaskus so wie anderswo, Tratsch und Klatsch sind mindestens genauso wichtig wie das gemeinsame Kochen.
Ihre vielköpfige Familie verwöhnt Imtias mit Ouzi: Dafür wird gekochter Reis, kleine Fleischstückchen, Erbsen, geröstete Pinienkerne und Mandeln in feine Teigblätter eingewickelt und im Backofen knusprig gebacken. Ouzi lieben vor allem ihre Kinder. Um die beiden sechzehn- und siebzehnjährigen Töchter sorgen sich die Eltern. Sie wollen noch nicht so recht in die Rolle von Hausfrauen schlüpfen und das Kochen lernen. Sie genießen lieber ihre Freizeit und gehen weiter auf die Schule, um später einmal selbständig zu sein.
Zu Tisch taucht ein in die Welt des Orients, folgt den Gerüchen des Gewürzmarktes in der Altstadt von Damaskus auf dem Souk Al-Hamidiye, den süßen Verführungen der Konditormeister, den Leckereien in der Küche von Imtias Rifa, schaut einem Sheik, in einem der ärmsten Viertel über die Schulter wie er mit seinen Ordensbrüdern einen kräftigen Brei für die Armenspeisung zubereitet, und unternimmt einen Ausflug außerhalb von Damaskus. In einer Oase erholen sich Munir, Imtias, ihre Kinder, Bekannte und Verwandte von der Hektik der Großstadt. Selbstverständlich wird auch hier gekocht – Kabse – Huhn auf einer Reistafel mit einer raffinierten Gewürzmischung zubereitet.

Erstellt: 02-06-09
Letzte Änderung: 05-06-09


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