Heute leben etwa 6,6 Milliarden Menschen auf der Erde. Schon in sechs Jahren wird diese Zahl voraussichtlich die Sieben-Milliarden-Marke erreicht haben. Zwischen 2030 und 2050 wird die Menschheit zum ersten Mal in ihrer Geschichte aufhören zu wachsen und sich bei geschätzten acht oder neun Milliarden Individuen einpendeln. Die Erde wäre voll. Die neue demographische und wirtschaftliche Situation wirft schnell die Frage auf: Wie wird es acht Milliarden Menschen – fünfmal so vielen wie zu Beginn des 20. Jahrhunderts - gelingen, auf dieser Erde zusammen zu leben?
Die Antworten der Zukunftsforscher sind erschreckend : Bevölkerungsexplosion und Wirtschaftwachstum lassen Flüsse und Seen austrocknen, die Wasserknappheit führt zu Hungersnöten und Aufständen, fünf Milliarden Menschen werden aufgrund der Wasserverschmutzung an Krankheiten leiden. Weltweit wird jeder Zweite unterhalb der Armutsgrenze leben, 30 bis 50 % der Tier- und Pflanzenarten werden ausgestorben sein. Fast überall auf der Welt schlagen Wissenschaftler und Philosophen Alarm.
Hugues de Jouvenel
Generaldirektor "Futuribles"
"Alles hängt davon ab, wie wir leben. Der Energieverbrauch eines Amerikaners ist anders als der eines Japaners. Und der eines Senegalesen ist ein ganz anderer als der eines Franzosen. Die Frage ist, wie unsere Gesellschaften organisiert sind."
"Unsere Zeitgenossen tragen eine gewaltige Verantwortung gegenüber den jungen Menschen, der Zukunft des Planeten und anderen Ländern. Besonders, wenn man in Europa damit prahlt, Inhaber großartiger Werte zu sein. Doch sie widersetzen sich jeder Art von Veränderung und lehnen es ab, Altes zu beseitigen und neu anzufangen.""Das Epizentrum der Welt liegt in Asien. Der Pazifik ist zum Mittelpunkt des Planeten geworden, aus demographischer Sicht lebt dort der Großteil der Weltbevölkerung. Diese Menschen wollen Fortschritt, sich entwickeln, etwas unternehmen. "
Hubert Reeves
Astrophysiker
"Es gibt diese unglaubliche Fähigkeit zu handeln, Einfluss zu nehmen und leistungsstarke Technologien zu entwickeln, um mit Entwaldung, Überfischung und dem CO2-Ausstoß fertig zu werden. Das alles hat ja großen Einfluss auf unsere Biosphäre und das zukünftige Leben auf der Erde. Wenn wir kein Erdöl mehr haben, können wir auf andere Energiequellen zurückgreifen. Ich bin nicht für die Kernenergie, aber man kann sie nutzen… oder regenerative Energien. Aber beim Wasser haben wir keine Wahl. Ich bin kein Prophet, ich weiß nicht, was 2030 sein wird, aber Wasser wird ein großes Problem sein."
Lester Brown
Gründer von Worldwatch und des "Earth Policy Institute"
"Wenn in China im Jahre 2030 auf drei Menschen vier Autos kämen wie heute bei uns, wären das 1,1 Milliarden Autos. Die gesamte Weltflotte liegt derzeit bei 800 Millionen. China würde dann täglich 99 Millionen Barrel Öl verbrauchen, heute liegt die Weltproduktion bei 84 Millionen täglich, und das lässt sich nicht wesentlich steigern. Das zeigt uns eines ganz deutlich: Das westliche Modell einer "ölabhängigen, autozentrierten Wegwerfgesellschaft" funktioniert dort nicht. Es funktioniert auch nicht für Indien, wo bald vielleicht sogar noch mehr Menschen leben - und nicht für die drei Milliarden Menschen in den Entwicklungsländern, die ebenfalls den amerikanischen Traum träumen. "
"Wir müssen die Weltwirtschaft restrukturieren. Und das Spannende ist, dass wir jetzt erkennen, wie diese neue Ökonomie aussehen wird: sie basiert vorwiegend auf erneuerbaren Energien und nutzt unterschiedliche Transportsysteme. Wir werden immer noch Autos haben, aber sie werden nicht mehr so dominant sein. Und wir werden alles recyceln. Wir können heute sehen, wie die neue Ökonomie entsteht. Windparks in Westeuropa, Solardächer in Japan, eine wachsende Flotte von Hybrid-Autos in den USA. Wir sehen Wiederaufforstungsprogramme in Südkorea, fahrradfreundliche Städte wie Amsterdam und Kopenhagen. Die Herausforderung besteht darin, diese neue Ökonomie zu schaffen, bevor die Zeit knapp wird."
Alain ParantDemograf beim französischen Demografie-Institut INED
"Wir haben das Jahr 2030 gewählt, weil die erste Generation des Babybooms 1946 geboren wurde und folglich zwischen 2026 und 2036 ihren 80., bzw. 90. Geburtstag feiert. In diesem Zeitraum müssen also die meisten Alten versorgt werden. Wir haben noch 25, 30 Jahre, um uns darauf vorzubereiten. Und ich weiß nicht, ob wir auf dem richtigen Weg sind."

- Kollaps. Warum Gesellschaften überleben oder untergehen
von Jared Diamond
Fischer (Tb.) 2006
ISBN-10: 3596167302
ISBN-13: 978-3596167302
Diamond zeichnet in seiner ebenso faszinierenden wie hochaktuellen Studie die Muster nach, die dem Untergang von Gesellschaften zugrunde liegen, und zeigt, was wir für unsere Zukunft daraus lernen können.

Jean-Joseph BOILLOTProfessor für Sozialwissenschaften
"Ich glaube nicht, dass wir diesen Weg weitergehen können. Die afrikanische Jugend wird immer lauter an die Türen Europas klopfen. Mehr noch: Sie wird sie aufstoßen! Einschlagen! Europa wird gezwungen sein, echte Lösungen zu finden."
"Dieses kleine, zersplitterte Europa ... Wie könnte es von sich behaupten, die Zukunft gestalten zu können? Die Europäer können höchstens versuchen, Europa zu gestalten, sonst nichts."
Catherine de WendenWissenschaftliche Leiterin am "Conservatoire national de la recherche scientifique"
"Identität ist nichts Starres. Identität entwickelt sich, verändert sich mit den Neuankömmlingen, mit neuen Generationen. Man kann eine Identität nicht einfach ein Museum stecken und sagen: Bitte sehr, da ist sie. Länder, die keinen Nutzen aus dieser Entwicklung ziehen, werden die Verlierer sein. Diejenigen aber, die die Zuwanderer aufnehmen, sie integrieren, ihnen Möglichkeiten bieten, die ihre Kultur dank der Neuankömmlinge bereichern, werden gewinnen."
Hubert VédrineEhemaliger französischer Außenminister
"Wir im Westen sind es gewohnt, Dinge zu steuern. Seit fast 1000 Jahren hat die westliche Welt sich eingemischt und den Lauf der Dinge bestimmt. Aber wenn man an die Schwellenländer denkt, an die Situation Islam/ Abendland, an multinationale chinesische und indische Unternehmen, wird erkennbar, dass sie sich bei uns einmischen wollen. Der Westen wird sein Monopol zur Führung der Welt verlieren."








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