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Stummfilm

Filmstudie eines verblendeten, korrupten Arbeiterfunktionärs, gedreht von Meisterregisseur Jaques Feyder.

Stummfilm

19/01/05

Zum Film

Der Film von Jacques Feyder basiert auf dem Ausgangsstoff, der Novelle von Prosper Mérimée. Damit nahm der Regisseur bewusst in Kauf, das breite Publikum, das die Geschichte um die temperamentvolle Zigeunerin nur aus der komischen Oper kannte, zu enttäuschen, womit er auch ein kommerzielles Risiko einging. Für die Hauptrolle wählte er mit Raquel Meller einen Star und noch dazu eine Spaniern aus. Vielleicht kam ihm die Idee zu dieser Carmen-Verfilmung ja sogar, weil die Rolle Raquel Meller wie auf den Leib geschrieben schien.
Sie war anziehend, einzigartig, und man vergaß wohl, dass sie stets sanfte und zurückhaltende Rollen interpretierte, weit entfernt von der wilden, provozierenden Carmen. Und wie viele Schauspieler wollte Raquel Meller nur sympathische Heldinnen spielen. Zwar konnte Carmens zerstörerisches Tun auf schicksalhafte Beweggründe zurückgeführt werden, doch Raquel, die über jeden Verdacht erhabene Frauengestalten bevorzugte, war vom unmoralischen Verhalten und den Koketterien der Zigeunerin abgestoßen. Sie verweigerte jeden Kuss auf den Mund als schändlich und trieb den Regisseur mit ihrer Förmlichkeit schier zur Verzweiflung. Denn Feyder hatte sich die Geliebte von Schmugglern, Soldaten und Toreros sehr viel heißblütiger vorgestellt. So verliefen die Dreharbeiten alles andere als friedlich, und die Zusammenarbeit dieser beiden herausragenden Künstler war nicht von Erfolg gekrönt.
Ein weiteres Problem war die Filmmusik. Man hatte es zunächst für eine ausgezeichnete Idee gehalten, die Partitur bei Ernesto Halffter Escriche, einem hochbegabten spanischen Komponisten und Schüler von Manuel de Falla, in Auftrag zu geben. Doch die Kinobetreiber durchkreuzten diese künstlerische Absicht und spielten die Musik, die ihnen gefiel. Glücklicherweise fand Halffters Musik bei Sinfoniekonzerten mehr Anklang.
Henri FESCOURT
La Foi & Les Montagnes ou Le 7e Art au Passé
© Publications Photo-Cinéma Paul Montel, Paris, 1959(S. 259-262)

Erstellt: 19-01-05
Letzte Änderung: 19-01-05