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Donnerstag, 27. Juli 2006 um 20.40 Uhr - 07/07/06

Zwei ritten zusammen

("Two Rode Together")


Der korrupte Marshall Guthrie McCabe (James Stewart) wird zusammen mit dem engagierten Leutnant Jim Gary (Richard Widmark) beauftragt, eine von Indianern gefangen genommene Gruppe Weißer zu befreien. Doch diese Aufgabe entpuppt sich als schwieriger als erwartet...

Guthrie McCabe, ein zynischer, desillusionierter US-Marshall, lebt gut in seiner kleinen texanischen Stadt: Die Geschäftsleute des Örtchens müssen zehn Prozent ihrer Einkünfte für seine Dienste an ihn abtreten. Deshalb passt es ihm zunächst gar nicht ins Konzept, dass der idealistische Leutnant Jim Gary ihn ins 40 Meilen entfernte Armee-Fort beordert. Wegen seiner guten Beziehungen zum Indianer-Häuptling Quanah Parker soll sich McCabe ins Stammesgebiet der Komantschen begeben, um eine Gruppe von Weißen zu suchen, die dort seit knapp einem Jahrzehnt verschollen ist. Zunächst versucht McCabe, den Hinterbliebenen den Plan auszureden: Nach zehn Jahren bei den Indianern seien die verschollenen Kinder und Frauen keine echten Weißen mehr. Doch als eine fürstliche Belohnung in Aussicht gestellt wird, reiten er und Leutnant Gary los. Am Ende ihres blutigen Weges müssen sie feststellen, dass nicht alle Gefangenen bereit sind, in die Zivilisation zurückzukehren und dass sich die weißen Siedler den Rückkehrern gegenüber nicht weniger barbarisch verhalten als zuvor die Indianer.

"Zwei ritten zusammen" ist oft als eine Art Fortsetzung von John Fords ungleich bekannterem Film "Der schwarze Falke" gesehen worden. Beide Filme behandeln das Thema, wie durch Vorurteile, Rassismus und mangelndes Interesse für die andere Lebensweise ein Graben zwischen Indianern und weißen Siedlern entsteht, der nicht mehr zu schließen ist. Fords Sicht auf den Westen - die ignoranten Siedler und den zynischen, geldgierigen Marshall - ist dabei deutlich düsterer als in seinen früheren Western. James Stewart arbeitete bei "Zwei ritten zusammen" zum ersten Mal mit Ford, der ihn gegen sein sonstiges Saubermann-Image besetzte und ihm die Möglichkeit gab, alle Register seines schauspielerischen Könnens zu ziehen. In dem desillusionierten, unsentimentalen Marshall kann man das Alter Ego des späten John Ford erahnen, der mit immer bitterer werdendem Blick seine Filmreihe über die Konstitution und die Entwicklung des amerikanischen Gemeinwesens fortschrieb.
Zwei Besetzungsentscheidungen sind im Kontext von Fords Kritik an der Selbstgerechtigkeit und Ignoranz der amerikanischen Gesellschaft bemerkenswert: Der schwarze Schauspieler Woody Strode spielt den Indianerhäuptling Stone Calf, dessen Regime barbarisch aber im Grunde weniger grausam ist, als das der überheblichen Siedler. Und die Stummfilm-Diva Mae Marsh, die in D.W. Griffiths "Birth of a Nation" (1915) und "Intolerance" (1916) Hauptrollen inne hatte, gibt hier in einer kleinen Nebenrolle eine alte Gefangene, die nicht mehr in die Zivilisation zurückkehren will und ihre wehmütige Erinnerung der realen Gesellschaft der weißen Siedler vorzieht.
Ford gibt ihr Recht, wenn er als zweiten Schwerpunkt des Films die Rückkehr der Verschleppten aus der indianischen Gefangenschaft inszeniert. Selten ist die so genannte Zivilisation, die mit den Siedlern Einzug hält, im klassischen amerikanischen Western so negativ beurteilt worden. Zwei Verschleppte - einen wilden Buben und eine junge Mexikanerin - bringen McCabe und Leutnant Gary von den Indianern zurück: Der Junge wird vom Mob gelyncht und die Mexikanerin gnadenlos geächtet, weil sie als Frau eines Indianers gelebt und damit in den Augen der Siedler ihre Ehre verloren hat. Für einen Regisseur wie Ford, dessen Filme das Vorrücken der Zivilisation im Westen immer auch mythisch überhöht haben, ist es ein bezeichnendes Schlussbild, wenn McCabe und Elena de la Madriaga gemeinsam vor der Bigotterie der Siedler weiter in den Westen fliehen.


Zwei ritten zusammen
(Two Rode Together)
Spielfilm, USA 1960, Synchronfassung, 105 Min.
Regie: John Ford
Drehbuch: Frank S. Nugent
Kamera: Charles Lawton Jr.
Musik: George Duning
Schnitt: Jack Murray
Produktion: Columbia Pictures Corporation
Produzent: John Ford, Stanley Shpetner
Mit: James Stewart (Marshall Guthrie McCabe), Richard Widmark (Leutnant Jim Gary), Shirley Jones (Marty Purcell), Linda Cristal (Elena de la Madriaga), John McIntire (Major Frazer), Andy Devine (Sergeant Darius P. Posey), Woody Strode (Stone Calf), Henry Brandon (Chief Quanah Parker), Harry Carey Jr. (Ortho Clegg), Olive Carey (Mrs. Abby Frazer), Ken Curtis (Greeley Clegg)
ARTE/ZDF

Erstellt: 05-07-06
Letzte Änderung: 07-07-06