Herausragend: Saul Friedländer hat in die Historiographie die Stimme der Opfer eingebracht, er lässt sie in bisher nicht gekannter Weise zu Wort kommen. Aus statistischen Figuren hat er humane Figuren werden lassen, in dem er ihre Zeugnisse, ihre Tagebücher, Erinnerungen und Briefe mit in seine historische Abhandlung hineingenommen hat.
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| © arte |
| Saul Friedländer zu Gast bei ARTE |
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Dieser Ansatz hat ihm nicht nur Lob eingebracht. Er sah sich schon früh dem Vorwurf ausgesetzt, als Holocaustüberlebender zu belastet zu sein, um diese Zeit objektiv darstellen zu können. Friedländers Gegenargument: Alle sind irgendwie subjektiv involviert. Es geht darum diese Subjektivität zu kontrollieren. Außerdem kann sie ein Plus sein: Als Zeitzeuge und Betroffener – er überlebte das Dritte Reich unter falschem Namen in Frankreich - kann er zwischen den Zeilen lesen und gerade darauf kommt es bei der Analyse von Tagebüchern und persönlichen Briefen an.
Meisterhaft: Saul Friedländer erweitert die Perspektive in geographischer Hinsicht. Er nimmt die Verfolgungsgeschichte in ganz Europa unter die Lupe und wählt dabei eine Methode, die vom Kino her bekannt ist. Mit seiner Schnitttechnik kann er die Richtungen beliebig ändern und eine Gesamtschau präsentieren.
Mehr zu Saul Friedländer und den beiden anderen Preisträgern Ingo Schulze und Swetlana Geier in der Aufzeichung der Veranstaltung am ARTE-Stand:
Martin Lüdke (Juryvorsitzender) im Gespräch mit den aktuellen Preisträgern(Real Video)