Gebürtig aus dem siebenbürgischen Hermannstadt, demnächst auch europäische Kulturhauptstadt, lebte Oskar Pastior seit 1968 in Berlin; schrieb Lyrik, kurze Prosa und nahm Weltliteratur beim Wort, indem er sie übersetzte: Petrarca, Baudelaire, Chlebnikow, Gertrude Stein. Seine Texte sind hochartifizielle, exzentrische Sprachkunststücke in kondensierter Form, formstreng und verspielt zugleich. Dem Wortwitz Lichtenbergs, Carrolls und Queneaus gleichermaßen verwandt, gehörte er als einziger deutschsprachiger Schriftsteller zu OULIPO, der berühmt-berüchtigten Werkstatt für Potentielle Literatur, zu der u.a. auch George Perec, Italo Calvino oder Jaques Roubaud gezählt werden. Pastiors Lyrik lässt sich in keine Schublade zwängen. Er war gleichermaßen experimentierfreudiger Avantgardist und formenbewußter Traditionsbewahrer: jedes Mittel war ihm recht, so lange sich damit die Sprache beim Wort nehmen läßt. Nicht mehr fertigstellen konnte Oskar Pastior seinen zusammen mit Herta Müller geplanten fiktionalen Text über die Deportation von Rumäniendeutschen in die Ukraine. Nun wird ihn Herta Müller alleine zu Ende bringen
Sehen Sie hier ein Porträt des Schriftstellers von Thomas Rautenberg. Es handelt sich um einen Beitrag des HR aus dem ARTE-Kulturmagazin Metropolis vom 30.9.2006, der kurz vor Oskar Pastiors Tod gedreht wurde.
Video- 6'45'': Oskar Pastior: „Das Ei als Bücherei“ Oskar Pastior wurde 1927 in Siebenbürgen/Rumänien geboren, studierte in Bukarest Germanistik und arbeitete anschließend beim Rumänischen Rundfunk. Seit 1968 lebt er als freier Autor und Übersetzer in Berlin. Von Oskar Pastior erschienen u.a. „Das Hören des Genitivs“ (1997); „O du roher Jasmin“ (2002); „Jetzt kann man schreiben was man will“ (2003). Er wurde für sein lyrisches Schaffen mit vielen Preisen und Stipendien ausgezeichnet: Erich-Fried-Preis, Peter-Huchel-Preis, Walter-Hasenclever-Preis, Preis für Europäische Literatur, Büchner-Preis.







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