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01/09/04

„Defizite gibt es im schulischen Bereich vor allem in den Bereichen Mathe und Deutsch“

Interview mit Herrn Kern und Frau Benicke.

Heinz Kern ist 1945 geboren, seit 42 Jahren bei der Stadtsparkasse tätig und seit 18 Jahren Personalchef der Baden-Badener Stadtsparkasse.

Sabine Benicke ist 1962 geboren und seit 20 Jahren bei der Stadtsparkasse tätig und für Ausbildungsfragen zuständig.


Hören Sie hier das Interview.

Kai Lappan, Felix Brauchle und David Zimmer haben sie befragt:

Herr Kern und Frau Benicke, bei Ihnen bewerben sich bestimmt viele junge Menschen. Welche Kompetenzen, außer den fachlich guten Noten setzen Sie voraus?
Herr Kern: Da der Beruf des Bankkaufmanns ins Verkäuferische geht, sollten die Auszubildenden keine Angst vor den Leuten haben, offen sein, ein freundliches Wesen haben und auch die Scheu überwinden können, auf Leute zuzugehen, sei es persönlich im Gespräch oder am Telefon.

Kai: Welche Rolle spielt das Alter des Azubis?
Herr Kern: Das Alter spielt keine Rolle. Wenn man aber mit 25 noch eine Ausbildung anfängt, könnte es kritisch werden.

Kai: Bilden sie lieber Frauen oder Männer aus?
Herr Kern: [Lacht] Es kommt nur auf die Qualifikationen an.

Kai: Wie sieht für sie der perfekte Azubi aus?
Herr Kern: Sie meinen ja bestimmt nicht das Äußere!

Kai: Nein, natürlich nicht!!!
Herr Kern: Er sollte ansprechende Schulnoten haben. Im eigenen Interesse gerade auch in so bedeutenden Fächern wie Deutsch (da klemmt es oft) und Mathematik. Wenn es bei einem Kunden z.B. um eine Anlage geht, sollte man schon rechnen können.
Ein offenes, natürliches Äußeres erwarten wir natürlich auch. Nehmen Sie mal Baden-Baden, wo ein, sagen wir einmal, etwas gehobeneres Niveau herrscht, schauen ältere Leute auch auf das Äußere, Kleidung und Frisur.

Felix: Wo stellen Sie die Defizite bei ihren Bewerbern fest?
Frau Benicke: Defizite gibt es im schulischen Bereich vor allem in den Bereichen Mathe und Deutsch. Beim kaufmännischen Rechnen stellen wir oft fest, dass manche Grundrechenarten für die Schüler schwierig sind und dass sie da auch große Unterstützung brauchen. Ohne Taschenrechner geht gar nichts. Defizite gibt es manchmal auch, was die soziale Kompetenz betrifft. Wenn Schüler z.B. etwas ruhiger und introvertierter sind und nicht unbedingt auf andere Menschen zugehen oder sich in einem Team einbringen können, dann sind sie noch nicht so weit
Herr Kern: Vielleicht hapert es manchmal auch im Punkt Allgemeinbildung. Denn als Bankkaufleute wollen wir nicht unbedingt nur unsere Produkte verkaufen. Gerade die Kunden oder auch alleinstehende ältere Leute suchen oftmals einen Gesprächspartner und hierfür sollte man auch ein gewisses Niveau mitbringen.

Felix: Und auf was achten sie denn da bei einem Bewerbungsgespräch?
Herr Kern: Auf die Ausdrucksfähigkeit. Man sollte vor allen Dingen eine gute Auffassungsgabe haben. Bei Fragen sollte erkannt werden, was gemeint ist.
Frau Benicke: Wir achten auch darauf, ob Interesse an der Ausbildung besteht und ob der Schüler von sich aus fragt. Im Gespräch hat er die Chance, Fragen zu stellen. Und da interessiert uns natürlich auch, welche Fragen kommen und ob er sich auch schon mit dem Beruf oder dem Berufsleben auseinander gesetzt hat.

David: Wie haben sich die Qualifikationen im Laufe der Zeit verändert, d.h. welche Veränderungen sind Ihnen besonders aufgefallen?
Herr Kern: Leider müssen wir feststellen, dass die Qualifikation nachlässt! In wie weit die Schule darauf vorbereitet? Durch das einwöchige Schulpraktikum und die Schnupperwochen versuchen sie die Schüler darauf vorzubereiten, aber da müsste noch einiges getan werden, auch an den Gymnasien.

Kai: Was wäre denn Ihr Wunschzettel an die Schulen, an bestimmte Fächer?
Frau Bennicke: Inzwischen gibt es Arbeitsgemeinschaften oder sogar Schulfächer, in denen die jungen Leute lernen müssen zu präsentieren, zu reden, vorzutragen, frei zu sprechen und in der Gruppe zu arbeiten, was bei uns auch gefordert ist. Teamwork kommt so langsam ins Rollen und klappt auch schon gut. Manche Schulen machen auch Projekte zu Themen wie diesem hier. Da sind die Schüler gefordert, eigenständig Material zu sammeln, auf Firmen zuzugehen und zu fragen, ob sie bei einer Auswertung oder einem Interview helfen können. Und das ist es, was ich mir für jede Schule wünschen würde, dass sie auf diese Dinge mehr vorbereitet. Es kommt den Schülern in der Ausbildung von Anfang an zugute, weil sie selbstständiger sind, sich auch einmal trauen, frei zu sprechen oder etwas zu präsentieren oder auf Kunden zuzugehen.

Kai: Macht Schule fit für den Beruf? Was meinen Sie dazu?
Herr Kern: Sie macht fit mit den hier genannten Einschränkungen.
Aber gehen wir mal davon aus, dass die Schulen auf einem guten Weg sind. Auch die Lehrer werden gezwungen sein, sich selber weiter zu entwickeln. Und zwar gewaltig, auch wegen der Globalisierung. Es wird nicht mehr reichen Bankkaufmann/ -frau zu lernen und dann 20 bis 30 Jahre nichts mehr zu tun. Der Zug ist abgefahren. Lehrern wird es genauso gehen: sich systematisch weiterbilden und entwickeln, um neues Wissen weiterzugeben. Sie müssen davon ausgehen, dass sie sich unter Umständen in ihrer 30- bis 40-jährigen Berufszeit vielleicht zwei- bis dreimal verändern müssen, nicht nur räumlich, sondern vielleicht auch in einem ganz anderen Berufszweig.

Das Interview führten Kai Lappan, Felix Brauchle und David Zimmer, Klasse 10b, Pädagogium Baden-Baden.

Erstellt: 01-09-04
Letzte Änderung: 01-09-04