Michael Gebhard ist 63 Jahre alt und leitet die Personalverwaltung des SWR in Baden-Baden. Er ist seit 30 Jahren in seinem Beruf und seit 26 Jahren beim SWR tätig, wo Realschüler und Abiturienten ausgebildet werden.
Edmond Platz, Marisa Spies und Vanessa Hirsch haben ihn befragt:
Herr Gebhard, bei Ihnen bewerben sich viele junge Menschen nach ihrem Schulabschluss. Welche Kompetenzen, außer der fachlichen Qualifikation, sind Ihnen wichtig?
Es kommt auf die Ausbildungsberufe an. Die Zeugnisse sind natürlich eine Grundlage für uns, das ist die erste Vorauswahl. Einer, der nur vierer hat, wird gleich zur Seite gelegt. Die Zeugnisse sind nicht alles, aber sie sind doch ein ganz wichtiges Kriterium bei der Vorauswahl.
Und dann kommt es auf die Bewerbungsunterlagen an. Meistens liegt ja auch ein Bewerbungsschreiben dabei, und da versuchen wir zu erkennen, wo die Interessen des Bewerbers liegen.
Wenn sich jemand schon recht früh für PCs oder anderes interessiert hat, kann man schon erkennen, wo vielleicht mal die Berufsrichtung hingehen kann. Wenn sich einer für eine kaufmännische Berufsausbildung interessiert und von PCs keine Ahnung hat, dann hat das wenig Sinn.
Das sind die ersten Kriterien, nach denen wir die Bewerber aussuchen.
Welche Rolle spielt das Alter dabei?
Die Jugendlichen, die sich bei uns bewerben, sind alle etwa im gleichen Alter, deswegen prüfen wir das Alter gar nicht. Es kommt selten vor, dass ein Schüler mal etwas älter ist. Die mit Abitur und Realschulabschluss sind immer dieselben Altersgruppen.
Sind Ihnen Frauen oder Männer lieber?
(Lacht) Das spielt überhaupt keine Rolle. Wir sind da völlig offen.
Gibt es Fächer im Zeugnis, auf die Sie besonders achten?
Gerade bei Bürokaufleuten ist das Fach Deutsch wichtig. Es sollte schon eine drei sein, besser eine zwei. Allgemeinbildung und Gemeinschaftskunde ist uns wichtig. Und auf die Hauptfächer legen wir wert, dass sie einigermaßen ein Niveau haben.
Wo stellen Sie Defizite bei ihren Bewerbern fest?
Gerade in den Deutschnoten, die sehr schlecht sind. Leider muss man feststellen, dass viele eine drei oder eine vier haben. Auch in den Mathematiknoten gibt es Defizite.
Auf was achten Sie bei Bewerbungsgesprächen besonders?
Wir bilden erst eine Vorauswahl, bei Bürokaufleuten bewerben sich achtzig bis hundert Menschen. Davon laden wir so ca. zehn bis fünfzehn Bewerber ein, der Rest fällt schon einmal flach. Wir haben ca. vier bis fünf Ausbildungsplätze im Jahr zu vergeben. Dann folgt ein Bewerbungsgespräch mit mehreren Leuten von unserer Seite, die Bewerber sind eine Gruppe von vier bis fünf. Da kommt es auch sehr darauf an, wie sich einer im Gespräch gibt. Das Äußere spielt eine weniger große Rolle. Da gibt es heute keine Vorschriften mehr, ob jemand im Anzug kommt oder nicht, bei uns im Betrieb geht es sehr liberal zu. Aber es kommt auch darauf an, dass der Bewerber von sich aus etwas sagt oder ob man immer nachfragen muss. Die Gespräche dauern insgesamt alle ca. eine Stunde, das heißt pro Person eine Viertel Stunde, aber da kann man einen Menschen schon sehr gut kennen lernen. Wir sehen schon viel an den Unterlagen. Das ist die Basis, und dann versuchen wir uns einen persönlichen Eindruck zu schaffen.
Wie haben sich die Qualifikationen im Laufe der Zeit verändert?
Von der Tendenz her sind sie schlechter geworden, das muss man deutlich sagen. Wir suchen lieber weniger aus, die entsprechend qualifiziert sind. Früher hatten wir ein viel breiteres Angebot. Die Ausbildungssituation wird sehr einseitig von der Presse dargestellt. Wenn viele keine Ausbildungsplätze finden, liegt es oftmals nicht an den Unternehmen, sondern an der Qualifikation der Bewerber. Doch dafür werden häufig die Unternehmen verantwortlich gemacht. Der Betrieb sucht mit Hinblick auf eine anschließende Beschäftigung aus. Wir machen ja nicht nur für den Arbeitsmarkt die Ausbildung, sondern wollen die Leute später in unserem Betrieb beschäftigen. Deshalb achten wir schon sehr auf die Qualifikationen.
Sind die Bewerber motivierter als früher?
Nein, motivierter kann man nicht sagen. Was uns bei den Vorstellungsgesprächen oft erschreckt, ist, dass es die Jugendlichen nicht interessiert, wo sie sich bewerben. Wir fragen die Bewerber häufig, warum sie sich bei uns bewerben. Dann sagen sie meistens nur: „Och ja, ich hab mich halt mal so beworben...“ Bei ihnen spielt der Betrieb keine große Rolle. Das ist eigentlich auch traurig. Man sollte sich vorher einmal mit dem Betrieb beschäftigt haben, bevor man sich bewirbt. Heute gibt es u.a. durch das Internet viele Möglichkeiten, sich zu informieren. Es fällt sehr positiv auf, wenn der Bewerber schon Kenntnisse über unser Haus hat. Diese Person hat immer einen Vorzug vor anderen.
Was wäre ihr Wunschzettel an die Schulen?
Wir würden uns wünschen, dass die Schulen mehr auf den Beruf vorbereiten. Wir müssen immer wieder feststellen, dass zwischen Schule und Beruf zwei Welten liegen. Und da wäre unser Wunsch, diese zwei Welten näher zusammenzuführen. Eine gute Methode sind die Schulpraktika, wobei die Schüler einmal sehen, wie es in einem Betrieb aussieht. Ich meine, eine Woche ist nicht viel, aber jeder bekommt einmal einen Eindruck. Und ich habe viele danach getroffen, die es gut fanden. In dieser Richtung müsste noch mehr gemacht werden.
Das Interview führten Edmond Platz, Marisa Spies und Vanessa Hirsch, Klasse 10b, Pädagogium Baden-Baden.






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