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28/11/2006 - Dirty Blues - 28/08/08

„Eat To The Beat. The Dirtiest Of Them Dirty Blues”

V.A.


Sie handeln von der schönsten Nebensache der Welt, die Songs der Kompilation „Eat To The Beat“. Doch aufgrund ihrer eindeutig zweideutigen Texte durften die Dirty Blues’ Songs nicht überall gespielt werden.

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Crown Prince Waterford “Move Your Hand Baby” (Real Audio, 2')
Jesse Powell “The Walkin’ Blues” (Real Audio, 2')
Jackie Wilson & LaVern Baker “Think Twice” (Real Audio, 2')

Es ist etwas befremdend, die deutlich sexuellen Anspielungen des Dirty Blues zu hören, stammen die Songs doch größtenteils aus der Mitte des letzten Jahrhunderts. Mit „explicit lyrics“ verbindet man heutzutage eher Musikformen wie HipHop, bei dem die Rapper bewusst Sittenwächter auf die Barrikaden rufen, damit ihre Alben den verkaufsfördernden Warnaufkleber „parental advisory“ erhalten. Im Gegensatz dazu wurde der Blues der 40er und 50er Jahre stigmatisiert. Die in den USA praktizierte Doppelmoral führte dazu, dass die Songs zwar eingespielt und produziert wurden, doch hören konnte man sie nur in den Jukeboxes, wodurch ihnen der große kommerzielle Erfolg verwehrt wurde.

28 Dirty Blues Songs sind auf „Eat To The Beat“ versammelt, von den Anfängen am Ende des zweiten Weltkriegs bis hin zu aktuelleren Einspielungen, wie zum Beispiel Screamin’ Jay Hawkins’ „Bite It“. Bei der Umschreibung oder Andeutung von Sexualität beweisen die Sängerinnen und Sänger sehr viel Einfallsreichtum. Wie unter anderem Julia Lee, die ihren Liebhaber auffordert, sie zu besuchen, aber er solle ja nicht zu früh kommen. Was die Sängerin tatsächlich mit „Don’t Come Too Soon“ meint, blitzt hervor, wenn sie ihm mitteilt, er solle eine kalte Dusche nehmen, falls er sich nicht mehr zurückhalten könne. Crown Prince Waterford weist wiederum seine Freundin mit „Move Your Hand Baby” an, in welchem Rhythmus sie ihre Hand bewegen soll. Und das deutsche Pendant zu Jesse Powells Songtitel „Walk Right In, Walk Right Out“ wäre das umgangssprachliche „Rein- und Raus-Spiel“. Cousin Joe konterkariert wiederum das frivole Jonglieren mit Wörtern, indem er den Hörer hinter das Licht führt. In „Wedding Day Blues“ erzählt er von der Honeymoon-Nacht, als er es mit seiner Braut im Bett, auf dem Sofa und dem Fensterbrett „probiert hätte“. Erst am Ende des Songs erfährt man, dass die Frischverheirateten „versuchten“ ein schönes Foto zu machen. Grandios ist Jackie Wilsons und LaVern Bakers X-Rated-Version ihres „Think Twice“ Hits, bei dem sie sich derb gegenseitig unter der Gürtellinie provozieren. Dass ihr Dirty Blues jedoch nicht allzu ernst gemeint ist, kann man deutlich an ihrem Glucksen und Kichern zwischen den Zeilen heraushören.

„Eat To The Beat“ ist es zu verdanken, dass der zu Unrecht stigmatisierte Dirty Blues vor der Vergessenheit gerettet und als ein bisher vernachlässigter wichtiger Part der amerikanischen Sittengeschichte, der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht wird.

Matthias Schneider
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V.A.
„Eat To The Beat. The Dirtiest Of Them Dirty Blues”

Bear Family
www.bear-family.de

Erstellt: 27-11-06
Letzte Änderung: 28-08-08


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