Dübel, Druckknopf, Düsentrieb!Wo ständen wir heute? Ohne Thomas Alva Edison zumindest im Dunklen, jede volle Stunde würde Omis Kuckucksuhr von der Wand wegfliegen und die geschäftige Welt würde auf viereckigen Rädern durch die Gegend hetzen. Soviel steht fest, ohne die kühnen Gedankenjonglagen der Tüfftlerkunst wäre hienieden ein noch jämmerlicheres Jammertal. Aber apropos Glühbirne: Was hat der Erfinder im Comic zu suchen? Fragen über Fragen. Was war zuerst? Huhn oder Ei? Bei Gearloose war es Gott-Entenvater Carl Barks, die deutsche Alliteration Daniel Düsentrieb hat die kongeniale Übersetzerin Fuchs ersponnen und das kleine Glühbirnenmännlein „Helferlein“ hat sich die Erfindung selbst erfunden. Das zur Düsentrieb’schen Evolutionsgeschichte und trotzdem liegt der Stein der Weisen (lat. lapis philosophorum) woanders begraben. Es gibt einen anderen Entwicklungsstrang. Verkürzt könnte man ihn etwa so zusammenfassen: Höhlenmalerei, Trajansäule, Max und Moritz, La Famille Fenouillard, The Yellow Kid und fertig ist das Comic-Heft und da der Wunsch nach Zertreuung durch Bildergeschichten nie zu versiegen scheint, bedienen sich die einfallshungrigen Geschichtenerfinder emsig an der Schatzkiste des Märchen-ABC’s und deshalb dürfen Zauberer, Magier und Hexen da natürlich nicht ausbleiben. Für uns bedeutet das, dass zwei Seiten später Miraculix, Gargamel und die böse Hexe Ursula auf den Plan treten. Die Story funktioniert dann meistens wie im Film. Q (Desmond Llweelyn) der hemdsärmelige Erfinder seiner Majestät auf der einen Seite, ihm gegenüber der gleißende Held „Mein Name ist Bond, James Bond.“ Mythisch gesehen ist Q der Magier, die Figur, die den Helden mit nützlichem Unsinn versorgt, welchem irgendein Zauber innewohnt. Faustformel: Q ist Merlin, James ist Arthus. Nur das Q nicht das Schlachtross behuft, sondern den Austin Martin mit neuen Messer-Felgen versieht.
Sag’ mir, was du erfindest und ich sage dir, wer du bist.
Klar, logo, Haifischboot! Gleiches Spiel bei Tim und Struppi, hier muss Merlin nur auf den wohlklingenden Doppelkonsonaten verzichten und heißt Professor Bienlein und Gaston Lagaffe ist auch mit von der Partie. Spok würde jetzt „faszinierend“ sagen. Faszinierend ist aber nur der Umstand, dass wir die Rechnung ohne den Wirt gemacht haben, denn der akademische Grad ist eigentlich das Todesurteil für jede Comicfigur. Man denke nur an Dr. Octopus (Spiderman) und Mister Freeze (Superman) und die übrige Phalanx an „mad scientists“, allesamt zum Bösen verdammt. Erfindertechnisch gelangen wir damit an einen Scheidepfad, denn wir vermengen im Comicreagenzglas den kitteltragenden Erfinder und postatombombigen Wissenschaftler („Entschuldigung Dr. Zarkov (Flash Gordon) früher war ihre Zunft natürlich per se gut!“) . Selbstredend, die Ausnahme bestätigt die Regel, Dr. Reed Richards (Fantastic Four) ist ein Spitzenkerl, Dr. Bruce Banner (Hulk) werkelt nur am Rande der Gesellschaft und Prof. Xavier (X-Men) ist primär ein Mutant, aber die Rede ist von Stereotypen, trivialisierten Archetypen und Typen, die aus dem Comic-Kosmos einfach nicht mehr wegzudenken sind. Deshalb hier – losgelöst von der banalen Erkenntnis, dass der Wissenschaftler den Magier ersetzt hat – der Versuch einer relativen Comic-Erfinder-Theorie: entweder ziehst du als Tüfftler Everybody’s Darling die Reifen auf den Superheldenschlitten oder willst die Welt in Schutt und Asche legen. Punktum und selbst wenn ein Herr Düsentrieb Donald alias Phantomias die Sprungfedern nachzieht, bleibt der Erfinder entweder der ewige Adlatus oder ist lediglich als Antipode das Salz in der Suppe des Superhelden-Comics. Nur hat man als harmloser Irrer einen entscheidenden Vorteil auf dem Comic-Olymp, denn als plumpe Nebenfigur kann man sich die schönsten Ausrutscher leisten und mit ein bisschen Fortune sogar noch beliebter werden als die Hauptperson. Ungezügelte Fresslust (Obelix) und latente Saufbereitschaft (Kapitän Haddock) können also mitunter zum Vorteil gereichen, es sei denn der Held ist bereits mit einer gigantischen Maske an Problemen beladen (Spiderman) und lässt für andersgeartetes Freaktum keinen Platz mehr.
Es hilft der Mensch solang er strebt“.
Helferlein ist Helfers Helfer und solange Daniel Düsentrieb nicht vom inbrünstigen Verlangen beseelt wird, Entenhausen in die Luft zu jagen, wird er noch lange Geräte zum Weiten von Briefkästen aushecken müssen, bis er endlich die Hüpfstelze an den Nagel hängen kann. Letztendlich aber bleibt der Versuch untauglich, fiktive Comicfiguren zu analysieren, als wären sie reale Personen. Und der Erfinder in der erfundenen Bildergeschichte eine geniale Erfindung.
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