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Kino-News

Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Kinostart 17. Juli 2008 - 15/07/08

Red Road

Ein Film von Andrea Arnold


Eine Frau sieht rot

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Großbritannien 2005, 113 Min.
Mit Kate Dickie, Tony Curran, Martin Compston, Natalie Press

Synopsis: Jackie arbeitet vor den Monitoren der Überwachungskameras Glasgows. Eines Tages sieht sie einen Mann auf einem ihrer Monitore, den sie nie wieder sehen wollte - Clyde. Ihre Vergangenheit holt sie ein. Erst beobachtet sie ihn auf den Monitoren, dann folgt sie ihm in einen Pub und schlieβlich landet sie mit ihm im Bett. Doch was genau hat sie vor?

Im Gespräch mit Andrea Arnold und Kate Dickie


Kritik: Die Rache einer Frau kann grenzenlos gemein sein, das lernen wir in Red Road. Nach und nach erfahren wir, dass der Mann, den Jackie auf dem Bildschirm gesehen hat, ihren Mann und ihre Tochter auf dem Gewissen hat. Jackie will Rache, nur wie, das weiβ sie noch nicht. Von ihrem Mann, mit dem sie angeblich sehr glücklich war - Fotos zeigen das - ist allerdings nie die Rede. In Red Road geht es immer nur um die tote Tochter und um die Rache einer Mutter. Erst beschließt Jackie, den Fremden mit einer Glasscherbe umzubringen. Doch sie sieht ein, dass dies keine gute Idee ist, denn er befindet sich in einem Pub. Dann schleicht sie sich auf seiner Party ein, lernt seinen Mitbewohner Stevie und dessen Freundin kennen. Clyde fühlt sich sofort zu Jackie hingezogen, er tanzt mit ihr, sehr eng. Plötzlich rennt sie weg und übergibt sich im Aufzug. Eine sehr heftige Reaktion, bedenkt man, dass sie kurze Zeit später sogar freiwillig mit Clyde Sex haben wird - den sie ihren Geräuschen zufolge sogar sehr genieβt. Im Nachhinein jedoch zeigt sie ihn an und behauptet, von ihm vergewaltigt worden zu sein. Das wirkt sehr unglaubwürdig.

Andrea Arnold behauptet in ihrem Debütfilm zu viel. Das ist sehr schade, denn ihr Film hätte sehr gut werden können. Ihre direkte Inszenierungsweise erinnert an den britischen Altmeister Ken Loach und seinen Kollegen Mike Leigh. Auch atmet die 45-jährige Newcomerin Andrea Arnold die raue Luft des sozialen Realismus genauso wie ihre erfahrenen Kollegen. Für ihren 23-minütigen Kurzfilm WASP – in dem eine arbeitslose Mutter versucht, ihre hungrigen Kinder durchzubringen – hat sie im vergangenen Jahr sogar einen Oscar erhalten. Andrea Arnold bleibt stets sehr nah an ihrer Hauptprotagonistin Jackie dran. In ungeschönten Grossaufnahmen legt sie deren emotionalen Gemütszustand offen.

Doch zuviel in Red Road wirkt behauptet. Die „Pay Offs“ ihrer kleinen Nebenhandlungen sind ebenfalls zu einfach gestrickt. Da beobachtet sie etwa auf ihrem Überwachungsmonitor einen Mann mit einem alten Hund, der kaum mehr laufen kann. Am Ende des Films hat dieser einen jungen Hund an der Leine. Sie spricht den Mann sogar noch an, und lobt dessen jungen Hund. Diese „Das Leben geht weiter“-Metapher ist schon ein wenig plump ausgefallen. Wäre die Handlung des Films glaubhafter, hätte der Film eine schonungslose Charakterstudie einer Frau werden können, die nicht anders kann als sich mit ihrer verdrängten Vergangenheit auseinander zu setzen. Red Road hätte das Potential gehabt, ein aufrichtiger, kritischer Film zu werden.

Nana A.T. Rebhan

Erstellt: 15-07-08
Letzte Änderung: 15-07-08