Synopsis: Um 1818 entwickelt sich im ländlichen Hampstead, nicht weit von London, eine zarte Liebesbeziehung zwischen dem jungen, noch wenig bekannten Dichter John Keats, und der in der Nachbarschaft bei ihrer Mutter wohnenden Fanny Brawne. Keats wird auf Fanny aufmerksam, als sie sich um seinen todkranken Bruder kümmert und besonders durch ihr selbstbewusstes Auftreten gegenüber seinem Freund Samuel Brown, der den mittellosen Dichter bei sich wohnen läßt, sich in Gesellschaft aber zynisch gibt und Fanny mit spitzer Zunge gern provoziert. Auf ihren Wunsch hin gibt Keats Fanny privaten Unterricht in Poesie, besorgt beobachtet von ihrer gütigen Mutter, die ahnt, dass eine Beziehung mit diesem empfindsamen, aber armen Poeten kein glückliches Ende nehmen wird. Aber die Gefühle und die Seelenverwandtschaft zwischen beiden sind stärker, als Keats erkrankt, darf Fanny ihn im Haus aufnehmen und versorgen – entgegen ihrer Überzeugung, willigt die Mutter schließlich sogar in eine künftige Heirat ein. Keats muss jedoch zunächst zur Erholung nach Süden, ans Meer, in England würde er den nächsten Winter nicht überleben. Er verspricht der tief unglücklichen Fanny zurück zu kommen, schreibt ihr wunderbare Liebesbriefe, aber ein halbes Jahr später stirbt Keats im Alter von 25 Jahren in Rom.

Bright Star
Ein Film von Jane Campion (UK / Australien 2009, 119 Min.)
Mit: Ben Wishaw (John Keats), Abbie Cornish (Fanny Brawne), Kerry Fox (Mrs. Brawne, Fanny’s Mother), Paul Schneider (Mr. Brown).

Kritik: Eine so große Liebesgeschichte – in allem größer als das Leben – kann wahrscheinlich nur im frühen 19. Jahrhundert spielen, als die Gefühlwelt noch mit Empfindsamkeit und einer langsamen Entwicklung einherging, fern von Reizüberflutung und Zeitmanagement. Jane Campion erzählt sichtlich gern aus solchen Zeiten, auch „Das Piano“, mit dem sie 1993 als bisher einzige Frau die Goldene Palme in Cannes gewann, lebt von dieser vorsichtigen, ebenso zarten wie unausweichlichen Annäherung über äußere Hindernisse hinweg. Und sie erzählt auch hier in „Bright Star“ eine starke, poetische Liebesgeschichte mit so viel Feingefühl und atmosphärischer Genauigkeit, dass man die üblichen Abwehrreflexe gegen die allzu hohe und reine Liebe schnell vergisst, und man ganz in diese romantische Gefühlswelt eintauchen kann – wenn man es noch kann. Anders als beispielweise zuletzt Stephen Frears in „Chérie“ (Berlinale 2009) will Jane Campion keinerlei Distanz zu den dramatischen Emotionen wahren: man lässt sich entweder darauf ein, oder man bleibt draußen und fragt sich, warum dieser hohe Ton der großen Gefühle von so weit her kommt, dass er nicht immer einfach nachzuvollziehen ist. Das ist aber gerade das Besondere und Bewundernswerte an diesem Film, dass er nicht die übliche historische Erzählperspektive einnimmt, auch nicht wertet oder analysiert, sondern es vielmehr gelingt, fast vergessen zu lassen, dass diese Liebesgeschichte vor zweihundert Jahren spielt. Das vermittelt nicht nur die Empfindung, dass seither offenbar einiges verloren gegangen ist, sondern gibt dem Film auch eine tröstliche Ebene, so dass selbst Keats Tod kein tragisches Ende ist, sondern nur ein konsequentes – und man darin sogar den Glauben an die Kraft der Liebe wiederfinden kann.
Thomas Neuhauser