ARTE en Français

Schriftgröße: + -
Home > Film erleben > CANNES 2009

Cannes 2009

Verfolgen Sie auf ARTE und arte.tv das Geschehen rund um das weltweit bedeutendste und glamouröseste Filmfestival! Ab 13. Mai 2009

> Die Preisträger 2009 > Oben

Cannes 2009

Verfolgen Sie auf ARTE und arte.tv das Geschehen rund um das weltweit bedeutendste und glamouröseste Filmfestival! Ab 13. Mai 2009

Cannes 2009

Cannes 2009 - Eröffnungsfilm - 21/05/09

Oben

Ein Film von Pete Docter und Bob Peterson


( Arte Bewertung: 5 ) „Oben“ ist das neue Meisterwerk aus den Pixar Studios, das voller Gefühl und witzigem Charme die himmlische Odyssee eines bärbeißigen Alten und eines jungen Pfadfinders (sowie ihrer zwei Begleiter in Gestalt eines riesigen Vogels und eines sprechenden Hundes) erzählt.

  • Interview arte.tv: Pete Docter und Jonas Rivera
  • ARTE Kultur vom 13.05. - Up

Previous videoNext video

Previous imageNext image
Synopsis: Carl ist ein alter Brummbär, der sein ganzes Leben lang Luftballons verkauft hat. Nun droht er sein kleines Haus zu verlieren, das er damals mit seiner Frau gebaut hat. Erfindungsreich und wenig gewillt, sich das gefallen zu lassen, lässt er sein Haus von Tausenden Ballons davon tragen. Endlich wird Carl die Abenteuer erleben, von denen er immer geträumt hat. Nicht geplant war allerdings, dass Russell, ein Junge, der sich auf seinem Balkon versteckt hat, ihn auf seiner Fahrt begleitet. Carl und Russell erleben eine Überraschung nach der anderen und entdecken in Südamerika ein unbekanntes Reich. Es ist für sie an der Zeit, die weite Welt zu entdecken und dabei auch ihr eigenes Ich.

Oben
Animationsfilm von Pete Docter und Bob Peterson
Disney Studios - Pixar
Eröffnungsfilm des Festivals von Cannes – Außer Konkurrenz
Kritik: Ausgangspunkt von „Oben“ ist eine schöne, einfache und poetische Idee: ein Haus wird von Luftballons in die Luft getragen. Wie ein Sesam-öffne-dich aus Kinderträumen findet sich dieser magische Flug in der gesamten Geschichte des Animationskinos wieder – von „Dumbo der Elefant“ (1941) bis zu „Peter Pan“ (1953) und nicht zu vergessen in den wunderbaren Märchen von Hayao Miyazaki („Porco Rosso“, „Das wandelnde Schloss“ u. a.), die sich alle um das Thema Himmel drehen. In dieser Geschichte steht vor allem die Zweierkonstellation im Vordergrund: zunächst in Form der rührenden Romanze zwischen Carl und seiner Frau Elly, dann mit der ungewöhnlichen Freundschaft zwischen dem knurrigen Alten und Russell, dem pummeligen, ungeschickten und naiven Jungen – man könnte auch sagen, zwischen dem Bär und dem Pfadfinder. In der Tat ist das „ungleiche Paar“ eines der wirkungsvollsten Mittel der Komödie überhaupt: Man denke an den Schweigsamen und die Nervensäge („Die Filzlaus“, „Der Hornochse und sein Zugpferd“), den Wissenschaftler und die Verrückte („Leoparden küsst man nicht“) oder den Journalisten und die Erbin („Es geschah in einer Nacht“). Und auch hier funktioniert es wunderbar. Das minutiös und sorgfältig ausgearbeitete Drehbuch stammt aus der Feder der Crème von Pixars Drehbuchautoren (Ronnie del Carmen und insbesondere Bob Peterson, der auch Koregisseur des Films ist, für „Nemo“ mit dem Oscar ausgezeichnet wurde und außerdem dem Hund Dug seine Stimme geliehen hat), die ihm ein unglaublich präzises Timing, perfekt ausgearbeitete Charaktere, spritzige Dialoge und eine virtuose Animation zugrunde gelegt haben. Obwohl Pixar 2006 von Disney aufgekauft wurde, ist dieser Film doch ganz klar ein reines Pixar-Produkt, das sich einfügt in die Reihe der besten Filme der Studios („Toy Story“, „1001 Dalmatiner“, „Findet Nemo“, „Die Unglaublichen“, „Wall E – Der Letzte räumt die Erde auf“ oder „Ratatouille“). Der 3D-Effekt mit einer in den Action-Szenen erweiterten und in den gefühlvolleren Einstellungen eher kurzen Bildtiefe passt sich gut in die spektakuläre, aber nie übertriebene Regie ein. Mit einer Tendenz zum Comicartigen stilisiert der runde und weiche Zeichenstil die Figuren, die aber dank der ungeheuren Liebe zum Detail bei Mimik, Haltung und den kleinen Gesten etwas sehr Menschliches haben. So erinnern Carls grobe Gesichtszüge (und seine Brille!) an Spencer Tracy in „Rat mal, wer zum Essen kommt“ von Stanley Kramer und seine Bärbeißigkeit an Walter Matthau. Und das i-Tüpfelchen? Dug und Kevin, der sprechende Schoßhund mit einem Faible für Eichhörnchen, und ein riesiger, schokoladesüchtiger Paradiesvogel, die beiden „Maskottchen“ des Films, die für so manchen Lacher sorgen. Was schließlich die Stärke, das Herz und die Konsistenz des Films ausmacht, ist die unbeschreibliche Sehnsucht nach der vergangenen Zeit, nach einer verlorenen Liebe und die Nostalgie am Ende eines Lebensweges. Und so legt sich wie in Frank Capras „Ist das Leben nicht schön?“ gelegentlich der leise Schatten einer zarten Melancholie auf diese ansonsten so heitere Komödie.

Delphine Valloire

Erstellt: 06-05-09
Letzte Änderung: 21-05-09