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Cannes 2009

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Cannes 2009 - Offizieller Wettbewerb - 22/05/09

Taking Woodstock

Ein Film von Ang Lee


( Arte Bewertung: 3 ) DAS Hippie-Event - mal aus einer ganz anderen Perspektive.

  • Interview : Ang Lee und James Schamus

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Synopsis: Elliot Tiber versucht das heruntergekommene, verschuldete Motel „El Monaco“ seiner Eltern wieder auf Trab zu bringen. Um eine Einnahmequelle für die Raten der Hypothek zu kreieren, kommt er auf die Idee, ein geplantes Musikfestival auf dem Gelände des örtlichen Großgrundbesitzers stattfinden zu lassen und mitzuorganisieren. Dass wenige Wochen später eine halbe Million Menschen in White Lake einfallen würden, das konnte er nicht ahnen.

Kritik: "Taking Woodstock" beruht auf den Memoiren von Elliot Tiber. Klugerweise hat sich Ang Lee dafür entschieden, in seinem Film das eigentliche Konzert komplett auszusparen, denn das wäre nur ein weiterer Film über das legendäre Festival geworden. Kein einziges Mal zeigt der oscarprämierte Regisseur die Bühne oder die weltberühmten Musiker und kreiert damit einen Film, der jenseits und doch vom Mythos "Woodstock" lebt. Besonders auffällig ist die dominierende, gute Laune die alle Beteiligten - bis auf Elliots Mutter - haben. Sowohl die Organisatoren des Festivals um Michael Lang als auch die Festivalgäste selbst nehmen auch widrige Unannehmlichkeiten in Kauf und lassen sich nicht aus ihrer friedvollen Ruhe aufschrecken. So will der Nachbar, der sein Grundstück für das Festival verleiht auf einmal 75.000 Dollar Miete dafür und die Kleinstädter verkaufen an die Festivalgäste selbst Leitungswasser nur gegen harte Dollar.

Taking Woodstock
USA 2009, 120 Min.
Regie: Ang Lee
Mit Demetri Martin, Dan Fogler, Imelda Staunton, Emile Hirsch
Offizieller Wettbewerbsbeitrag
"Taking Woodstock" ist ein Film, der viele Anspielungen auf andere Filme der Zeit in sich trägt. Wer sich damit ein wenig auskennt, der wird belohnt werden. So sieht etwa der Organisator Michael Lang mit seinen prachtvollen Locken wie ein Doppelgänger von Berger aus, aus Milos Formans großartigem Hippie-Film "Hair" (1979). Emile Hirsch spielt einen jungen Vietnam-Veteranen, er ist eine der wenigen Charaktere, die nicht Elliots Memoiren sondern dem Gehirn des Drehbuchautoren und Produzenten James Schamus entstammen. Traumatisiert versteckt er sich in den Büschen und kommt mit der Realität gar nicht mehr klar. Ein weiterer, ganz wunderbarer Nebencharakter ist Vilma (grandios gespielt von Liev Schreiber), die sich als Bodyguard anbietet. Es ist nicht ganz klar, ob sie sich als Mann oder Frau sieht und das spielt auch weiter keine Rolle, denn Vilma ist Bodyguard und hat damit eine klar definierte Aufgabe. Sonia Teichberg ist die Mutter von Elliot, gespielt wird sie ganz grossartig von Imelda Staunton. Sie ist eine sehr energische Frau, die ein ernsthaftes Geldproblem hat und damit fast die Existenz ihrer ganzen Familie aufs Spiel setzt.

Ausgehend von diesen Figuren - und natürlich aus der Sicht von Elliot - erzählt Ang Lee seine Geschichte um das legendäre Festival. Von den ersten Hubschraubern die landen, bis zu den Müllbergen, die die Menschen hinterlassen haben. Auch wenn er dabei einige der Figuren - etwa die Mutter - etwas überzeichnet, so versucht er doch stets freundlich zu sein und eine Komödie "ganz ohne Zynismus" zu erzählen. Somit ist "Taking Woodstock" so etwas geworden wie der freundliche Vorbote seines entlarvenden und sezierenden eiskalten Dramas "Der Eissturm", den Ang Lee 1993 gedreht hat und der zeitlich ebenfalls in den 70ern angesiedelt ist.

Nana A.T. Rebhan

Erstellt: 06-05-09
Letzte Änderung: 22-05-09