Jeanne Desto erzählt uns heute eine hübsche kleine Geschichte und lädt uns ein, ein Bilderrätsel zu knacken. Sind sie soweit?
Sie kennen Voltaire, den französischen Philosophen des 18ten Jahrhunderts, der gegen religiöse, politische und moralische Unterdrückung kämpfte und dessen Schriften, die philosophischen Erzählungen, zur Philosophie der Aufklärung gerechnet werden, einer auf Vernunft und Freiheit basierenden Bewegung, die großen Einfluß auf die französische Revolution hatte.
Er war ein großer Denker, aber auch ein temperamentvoller Mensch, der sich regelmäßig mit seinen Zeitgenossen überwarf. Und weil seine Texte auch noch subversiv waren, fiel er in Ungnade. 1750 muß er ins Exil und kommt beim König von Preußen, Friedrich dem II. , in Potsdam unter.
Die Franzosen sagen Frédéric II zu diesem König, den die Deutschen auch Friedrich den Grossen oder den alten Fritz nennen. Er ist ein sogenannter “aufgeklärter Monarch”, ein Literatur - und Kunstliebhaber, der sich die Ideale der Aufklärung zu eigen gemacht hat.
Als junger Prinz schreibt er den “Anti-Machiavel”, ein Buch, in dem er seine Auffassung von einer konstitutionellen Monarchie ausführt, die um das Wohl ihrer Bürger besorgt ist. Das Manuskript wird von Voltaire korrigiert. Der Prinz und spätere König unterhält nämlich seit langem einen regen Briefwechsel mit Voltaire.
Der König empfängt also Voltaire in Sanssouci, seinem wunderschönen Schloß in Potsdam bei Berlin, das so gar nicht der schwerfälligen Architektur der damaligen Zeit entspricht. Gut, diese ganze Einleitung nur, um Ihnen eine hübsche kleine Geschichte zu erzählen : Wir sind also in Sanssouci.
Eines Tages schickt Friedrich seinem Schützling eine Nachricht. Und zwar eine verschlüsselte. Hier :
P a 6
_______ ____
6 heures 100
Es versteht sich von selbst, daß man am Hof von Friedrich dem II. französisch spricht… Mysteriös, oder? Lassen wir die Franzosen ein paar Sekunden darüber nachdenken, denn ich denke, dass es für die Deutschen ohnehin ganz schön schwer zu entschlüsseln ist. Einen Tip ? Zur Erinnerung, wir sind im Schloss Sanssouci Sans-sou-ci…
Und wie sagt man hundert auf französisch ? Na, wie denn ? Ach, Sie geben schon auf ? Gut, dann erkläre ich ihnen dieses Rätsel. Passen Sie gut auf. Was lesen wir hier:
six heures, also 6 Uhr
Unter P, auf französich sous P, souper, Abendessen
A, in
Hundert, cent, unter sous, sechs, six : cent, sous, six : Sanssouci. Das ergibt :
6 heures, souper à Sanssouci…
6 Uhr Abendessen in Sanssouci… Hübsch, oder?
Und was hat unser Freund Voltaire geantwortet, der das Ganze natürlich viel schneller entschlüsselt hat als Sie ? Er hat das hier geantwortet :
G. a.
Na los, strengen Sie sich ein bisschen an! Also? Was liest man ? Immer noch auf französisch: G grand, G gross, a petit, a klein : Also G grand a petit : J’ai grand appétit. Ich habe großen Appetit… Sie finden das amüsanter, als die Abkürzungen der SMS-Sprache ? Ich auch.