Sendung vom 19. Oktober 2008 - 19/10/08
das Porträt: der "dahu"
Isabelle Foucrier ist Französin und hat mehrere Jahre in Deutschland gelebt. Sie stellt uns jetzt ein ganz eindeutig französisches Tier vor.
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Vielleicht, liebe deutsche Freunde, haben Sie eines Tages Lust, eine Wanderung in die französischen Berge zu unternehmen. Ganz gleich, ob sie die Vogesen, die Pyrenäen, das Jura oder die Alpen ersteigen, Sie werden möglicherweise einem seltsamen Wesen begegnen. Wem? Einem sehr französischen Tier: dem "dahu".
Ein "dahu" hat das Erscheinungsbild einer Gämse, die Hörner eines Bocks, den Schwanz einer Kuh und die Ohren eines Bernhardiners. Soweit, so gut. Seine eigentliche Besonderheit ist, dass seine Beine auf einer Seite kürzer sind als auf der anderen. Genau! Der "dahu" lebt am Berghang. Also hat er sich angepasst, und braucht die Knie nicht zu beugen, wenn er um den Berg herumspaziert. Sein Cousin, die Gämse, platzt vor Neid über die bewundernswerte Anpassung des "dahu" an seinen Lebensraum. Leider hat seine Gewandtheit in der Schräge aber nicht nur Vorteile. Dadurch, dass sie immer dieselbe Strecke ablaufen müssen, sind die "dahus" sehr einsame Wesen.
Darüberhinaus unterscheidet man zwei Familien: Es gibt den dahus dexterus, dessen rechte Beine kürzer sind als die linken Beine. Dieser geht so herum. Und dann gibt es noch den dahus senestrus, bei ihm sind die linken Beine kürzer als die rechten Beine. Dieser geht in diese Richtung. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein dahus dexterus auf einen dahus senestrus trifft, ist gering. Und sogar wenn diese Begegnung stattfinden sollte, hätten die beiden Spezies es wahrscheinlich schwer, sich fortzupflanzen, ohne ins Tal zu stürzen. Kreuzungen sind daher selten. Das ist vielleicht auch besser so.
Sehen Sie nur, welches triste Dasein dieser hybride dahu führt, dessen Beine asymmetrisch sind, diesmal aber leider diagonal… Experten zufolge hat der dahu trotz allem ein friedliches, geselliges Temperament und keine Angst vor Menschen.
Obwohl in Dorfgemeinschaften die Jagd auf den dahu ein uralter Brauch ist. Traditionell ist es eine Treibjagd. Sobald die Dorfbewohner das Tier ausfindig gemacht haben, verteilen sie die Aufgaben: Die Erfahrensten sind Treiber, das heißt, sie bewegen sich in einer geschlossenen Reihe auf das Tier zu und treiben es in die Enge. Von nun an hängt alles von einem einzigen Mann ab, einem Neuling, meist ein Fremder aus der Stadt, dem die Dorfbewohner das Abenteuer seines Lebens versprochen haben.
Seine Aufgabe ist ganz einfach. Ausgestattet mit einer Trillerpfeife und einem großen Sack soll er den oft sehr ungenauen Wegbeschreibungen der Treiber folgen und sich dem Tier nähern und dabei immer unterhalb des Dahus bleiben. Ein Pfiff… Der dahu, froh, dass man sich für ihn interessiert, dreht sich um, verliert das Gleichgewicht und stürzt. Wenn der Neuling geschickt ist, muss er ihn nur noch mit dem Sack auffangen. Ansonsten, und das ist meistens der Fall, steigt er unverrichteter Dinge wieder ins Dorf hinunter. Dort warten dann die feixenden Treiber schon in der Kneipe auf ihn.
Und hier eine Meldung für Leichtgläubige: Aus Sorge um die Artenerhaltung wurde die Jagdsaison des dahu stark beschränkt: Auf den 29. Februar und den 1. April.
Text: Isabelle Fourcrier
Bild: Juliette Baily
das Portät: der "dahu" finden Sie auf der
DVD 6
Erstellt: 17-10-08
Letzte Änderung: 16-05-12