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Ein Magazin von Claire Doutriaux

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Sendung vom 28. Septembre 2008 - 28/09/08

das Ritual: die Bibel

die Bibel


Corinne Delvaux schlägt uns vor, in einem deutschen und in einem französischen Hotel zu übernachten. Sie werden sehen, es gibt da einen kleinen Unterschied.

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Das ist ein deutscher Tourist in Frankreich. Er öffnet die Schublade seines Nachttisches in seinem Hotelzimmer. Sie sehen, sie ist leer. Das ist ein französischer Tourist in Deutschland. Er öffnet die Schublade seines Nachttisches in seinem Hotelzimmer. Er findet darin ein Buch. Doch nicht irgendein Buch, nein, es ist die Bibel! Eine Bibel findet man in mehr als 80% der deutschen Hotelzimmer. Interessant, oder? Schauen wir uns das einmal näher an. In Frankreich ist eines der Grundprinzipien der Verfassung der "Laizismus", also die Trennung von Religion und Staat. Deshalb werden Sie dort nur ganz selten eine Bibel in einem Hotelzimmer finden. Oder man müsste, um alle Religionen gleich zu behandeln, den Hotelgästen auch den Koran zur Verfügung stellen, und die Torah, usw, usw.

In Deutschland wird die Einmischung der Religion in die Gesellschaft besser toleriert. Und der Protestantismus, der wie man weiß in Deutschland sehr verbreitet ist, räumt der Heiligen Schrift großen Raum ein. Gut, gibt es aber ein Gesetz, das vorschreibt, dass in deutschen Hotelzimmern eine Bibel liegen muss? Nein, es gibt kein Gesetz. Es gibt auch kein stillschweigendes Abkommen unter Hotelbesitzern. Nein, die Bibeln kommen vom Internationalen Gideonbund. Seit seiner Gründung hat dieser an die 18 Millionen Bibeln in Deutschland verteilt.

Der Internationale Gideonbund ist der älteste christliche Verein der Vereinigten Staaten. Er wird 1899 in Boscobel im Wisconsin gegründet, als ein Zusammenschluß leitender Angestellter und Geschäftsleute, der die Bevölkerung zum evangelischen Glauben bekehren soll, indem er kostenlose Bibeln in Hotels, Krankenhäusern, Gefängnissen, Schulen, Universitäten und Kasernen verteilt. Nach dem zweiten Weltkrieg breitet sich die Vereinigung dann in der ganzen Welt aus. Der deutsche Ableger blüht besonders auf und zählt heute ungefähr 3900 Mitglieder. Das sind hauptsächlich Geschäftsleute, Freiberufler und Akademiker. In Frankreich gibt es sehr viel weniger Gideons. Sie werden in der Bevölkerung weniger gut akzeptiert und manchmal sogar für eine Sekte gehalten. Außerdem werden sie trotz ihrer Bemühungen permanent von den französischen Hotelketten abgewiesen.

Was ist nun aber mit den französischen Hotelketten, die es in Deutschland gibt, wie die ACCOR-Gruppe, der die Novotels, Mercure - und Ibishotels gehören? Nun, eine Dienstmitteilung schreibt vor, dass jedes Hotel, in Frankreich sowie im Ausland, 10 Bibeln für die Hotelgäste bereit halten muß, aber an der Rezeption und auf keinen Fall in den Zimmern. Eine Ausnahme bilden die USA, wo ACCOR in jedes Zimmer eine Bibel legt. Man passt sich an… Die amerikanischen Hotelketten in Frankreich, wie Marriot zum Beispiel, scheren sich nicht um die französischen Sitten und legen Bibeln in ihre Zimmer. Was die deutschen Hotelketten machen, die sich in Frankreich etabliert haben? Tja, das können wir Ihnen nicht sagen, denn es gibt keine.

Text: Corinne Delvaux
Bild: Gilles Roqueplo

Erstellt: 26-09-08
Letzte Änderung: 10-09-09


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