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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

Ein Magazin von Claire Doutriaux

Sendung vom 28. Oktober 2007 - 28/10/07

das Wort: Belletristik

Belletristik


Corinne Delvaux stellt uns jetzt ein deutsches Wort vor, das sie als Französin immer wieder entzückt: Belletristik.


Nehmen wir einmal ein deutsches Magazin, zum Beispiel den Spiegel. Im Kulturteil findet man hier jede Woche eine Hitparade der meist verkauften Bücher. In dieser Hitparade gibt es zwei Kategorien. Beginnen wir mit der zweiten Kategorie, den Sachbüchern. Wie der Name schon sagt, geht es im Sachbuch um eine Sache, also ein ganz bestimmtes Sachthema.


So findet man unter den Spitzenreitern meist einen Psychoratgeber wie "Innere Ruhe durch Fernsehen", ein Geschichtsbuch im Sinne von "Die Memoiren von Willy Brandts Chauffeur" und ein Rezeptbuch "Rucola und Parmesan, von der Vorspeise bis zum Dessert". Die Deutschen haben sich daran immer noch nicht sattgegessen. Die andere Kategorie trägt einen Namen, der für französische Ohren ganz köstlich klingt: Belletristik.

Ich erinnere noch, wie ich, erst vor kurzem in Deutschland angekommen, von allen möglichen schnell aufzunehmenden Informationen bombardiert wurde, und wie dieses Wort lange für auf einer geheimnisumwobenen Wolke schwebte. Belletristik. Belle, schön, triste, traurig, ein Wort das von Leichtigkeit und Schwermut zugleich kündet.

Und mit diesem tik am Ende bekommt es auch noch einen wissenschaftlichen Beiklang, wie Publizistik, Germanistik oder Informatik. Die Belletristik kommt von den französischen belles lettres, "schöne Literatur" importiert von den deutschen Frankreichverehrern des 18ten Jahrhunderts.

So spricht der Schriftsteller Adolph Freiherr Knigge 1792 von den "belletters", und Goethe lässt in den "Leiden des jungen Werther" über einen Höfling sagen: "doch an gründlicher Gelehrsamkeit mangle es ihm, wie allen Belletristen", das heißt die Leute, die nur Zerstreuung suchen, anstatt sich gelehrten Werken zu widmen, die den Geist bereichern. Damals schon wird Belletristik negativ definiert, alles was weder Sachbuch ist, noch konzeptuelle Schrift, noch wissenschaftliche Abhandlung. Und dieser negative Beigeschmack ist bis heute geblieben.

Wenn man von Belletristik spricht, denkt man nicht an literarische Meisterwerke, sondern eher an die Bestseller von Heinz-Günther Konsalik oder Johannes Mario Simmel in Deutschland, oder Alexandre Jardin und Paul-Loup Sulitzer in Frankreich. Und deswegen benutzt man vermutlich auch das Wort Belletristik anstelle von Literatur für die Verkaufshitparaden, denn es kommt ja höchst selten vor, wie man weiss, dass es ein literarisches Werk auf die Bestsellerlisten schafft…Von den belles lettres zur Belletristik – ein trauriger Abstieg: tja, das kann schon einmal vorkommen, wenn ein Wort allzu reiselustig ist.



Erstellt: 24-10-07
Letzte Änderung: 18-03-11


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