Noël - Weihnachten: Es liegt nahe, dass unsere Linguistin Waltraud Legros uns heute dazu einlädt, über den Ursprung dieser beiden Wörter nachzudenken.

Die französische Vokabel NOËL, eine Raffung des lateinischen natalis, weist darauf hin, dass an diesem Tag, dem 25. Dezember, die Geburt Christi gefeiert wird. Ebenso bei dem Italienischen Natale und dem Spanischen Navidad. Die Deutschen hingegen feiern "WEIHNACHTEN", was wörtlich bedeutet: "in den gesegneten Nächten". Erstaunlich ist dabei der alte Plural. Ursprünglich feierte man nämlich die alten germanischen "Raunächte", die “rauen” Nächte. Die "Raunächte" waren im hohen Norden die Nächte um die Wintersonnenwende, wo tagelang, ja wochenlang die Sonne nicht aufgeht. In dieser "rauen", dunklen Zeit wartete man auf das wiederkehrende Sonnenlicht, das man durch eine zunehmende Zahl von Kerzen zu ersetzen suchte. Der Adventkranz wie auch der kerzenhelle Tannenbaum sind also ursprünglich heidnische Bräuche.

Erst im 12. Jahrhundert wurden die alten germanischen "Raunächte" gesegnet, also christianisiert. Weihnachten. Das Fest der Geburt Christi als Symbol des Lichtes der Welt, nahm in Datum und Bräuchen die Stelle eines alten germanischen Festes ein. In den skandnavischen Sprachen heisst Weihnachten "Jul", ein Wort, das vom altisländischen "jöl" kommt und "dunkel" bedeutet. Während der Jahre des Nationalsozialismus bestand übrigens Hitler darauf, das christliche "Weihnachtsfest" durch das germanisch- heidnische "Julfeier" zu ersetzen. Die nordischen Raunächte verbrachte man mit langen geselligen Abenden in den nachbarlichen Bauernhöfen und es war Brauch, dass jeder Gast sein Holzscheit für das Herdfeuer mitbrachte. Der jeweilige Gastgeber bot das sogenannte Julbrot an, das die Form einer Sonne, eines Sterns oder einer Mondsichel hatte und sicher der Vorläufer der typisch deutschen oder österreichischen Weihnachtsplätzchen ist.

Dass aber ausgerechnet die Franzosen die "bûche de Noël", also das "Weihnachtsholzscheit" zur obligaten Nachspeise ihres Weihnachtsessens gemacht haben, ist verwunderlich. Wissen sie denn, dass ihre reich verzierte Kalorienbombe namens "bûche" aus alten Zeiten im lichtlosen rauhen Norden kommt? Nun, jetzt wissen sie es.