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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

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Ein Magazin von Claire Doutriaux

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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Sendung vom 23. Mai 2004 - 23/05/04

das Wort: der Hamburger

der Hamburger


Waltraud Legros, unsere österreichische Linguistin, denkt heute über den Ursprung des Wortes "Hamburger" nach.


Wer hätte gedacht, dass der Hamburger, dieser zweifelhafte Segen aus den Vereinigten Staaten, eines Tages die Welt erobern würde? Dass er eines Tages zum Symbol fortschrittlicher Esskultur-wenn nicht der Kultur überhaupt !-avancieren würde? Spass beiseite: Gibt es denn einen Zusammenhang zwischen dem fast-foot "Hamburger" und der nordeutschen Stadt Hamburg? Leider ja! Rein sprachlich gesehen war da zuerst der "Berg" mit seiner "Burg" obendrauf und den "Bürgern" – wörtlich den "burg-wehren" – die innerhalb der Schutzwälle für Sicherheit und Ordnung sorgten. Die deutschen Vokabeln "BURG" und "BÜRGER" hatten internationalen Erfolg: die Italiener haben ihren "borgo" und die "borghesia", die Franzosen ihren "bourg", den Marktflecken, ihren "bourgeois" und die ganze "bourgeoisie", die Holländer ihren "bourgmestre"... und nach und nach wurde "Burg" Bestandteil unzähliger Ortsnamen. Cherbourg, Göteborg, Salesbury, ... oder eben Hamburg.

Ein besonderes oder besonders zubereitetes Rindfleischstück war offenbar eine Spezialität der Hamburger. Dieses sogenannte "Hamburger STÜCK" überquerte mit irgendwelchen Auswanderern den Atlantik und wurde in der Neuen Welt ganz generell zum "STEAK". Irgendwann degenerierte dieses "steak" dann zu einer Scheibe Hackfleisch, und um sich jeder Verantwortung zu entziehen, nannte man dieses neue Produkt zunächst "Hamburger steak" und schließlich kurz "Hamburger", oder noch kürzer "Burger". Aufgepeppt mit reichlich Ketchup und eingeklemmt zwischen zwei schwammige Weissbrotscheiben trat dann dieser "Hamburger" seine Rücküberquerung des Atlantik an. Doch bis dahin hat die Sprache keinerlei Recht, Einspruch zu erheben.

Nur: dass sich die Sprache auch den "CHEESburger" gefallen lässt, der so tut, als hätte "HAMburger" mit "ham", also mit Schinken zu tun, kann man nur so erklären: die Sprache hat es aufgegeben, in Sachen "fast-food" mitzureden. Sie weiss nämlich besser als wir, dass dieser importierte Schnellimbiss ja doch nur "fast" mit Nahrung zu tun hat und sieht unberührt zu, wie wir uns den Magen – und die Figur – verderben.


Erstellt: 21-05-04
Letzte Änderung: 18-03-11


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