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Ein Magazin von Claire Doutriaux

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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Sendung vom 16. Mai 2004 - 16/05/06

das Wort: der "vésigondin"

der "vésigondin"


Nikola Obermann ist eine deutsche Journalistin, die seit über 10 Jahren in Frankreich lebt. Dort ist sie ein paar seltsamen Wörtern begegnet. Gehen wir mit ihr auf die Reise.


Wie nennt man die Bewohner einer Stadt? In Deutschland ist das ganz einfach:
Berlin …. der Berliner
Hamburg …. der Hamburger
Stuttgart… der Stuttgarter.

Abgesehen von ein paar unwesentlichen Ausnahmen aus phonetischen Gründen: Die Bewohner von München sind Münchner, das "e" fällt weg. Und weil Hannover schon mit "er" endet , hat man für den Hannoveraner ein kleines "a" hinzugefügt. Und jetzt zum Französischen: Der Pariser ist ein "Parisien".

Die selbe Regel auf Marseille übertragen, ergäbe "Marseillien". Aber so geht das nicht: der Marseiller ist ein "Marseillais", der Lyoner ein "Lyonnais". Aber in Lille ist man "Lillois", in Grenoble "Grenoblois". Es gibt also im Französischen eine Reihe von Nachsilben: ien , ais ,ois. Weibliche Form: ienne, aise, oise. Aber: jetzt wird’s richtig kompliziert: Neuf Château - Néocastrien. Um das nachzuvollziehen, braucht man ein wenig Lateinkenntnisse: neo ist neu auf Lateinisch, castrum, das Schloss, ergo: Néocastrien. Saint-Etienne ….Stéphanois. Weil "Stephanus" die lateinische Form von Etienne ist. Wussten Sie das etwa nicht?

Manchmal muss man bis zu den Alten Griechen zurückgehen. Beispiel: der Bewohner des Pariser Vorortes Saint-Denis ist ein Dyonisien, weil Denis vom griechischen Dyonisos kommt. Manchmal gehen die Namen auf Gallierstämme zurück: Die Leute in Evreux heissen Ébroïciens, weil Evreux die Hauptstadt von Aulerci Eburovices war. Raten Sie mal wie wohl die Bewohner von La Rochfoucauld heissen? Rupificaldiens! Im Jahre 980 hatte ein gewisser Fucaldus ein befestigtes Lager auf einem Felsen - lateinisch  "Rupe" - errichtet. Die Leute, die auf dem Felsen von Fucaldus  - französich Foucauld - Zuflucht suchten, waren also "Rupificaldioner". Und die Bewohner von Saint-Omer? Sage und schreibe: Audomarois. Audomar hat die Stadt im 6. Jahrhundert gegründet, Audomar ist im Flämischen: Omer. Also Omer, Audomar, Audomarois.

Und jetzt sind Sie dran:


Bourg la Reine? Reginaburgien
Vimoutiers? schlicht und einfach Vimonastérien
Bobigny? Balbynien
Bourg Madame? Guinguettois
Bayeux? Bajocasse
Lisieux? Lexovien
Béziers? Biterrois

Während der Name von Ortsbewohnern in Deutschland nur eine Frage der Grammatik ist, erzählt er in Frankreich Geschichten. Mal liegt sein Ursprung in der Geographie, mal in der Geschichte, im Zufall oder in der Phantasie, oder wo auch immer. So können z. B. die Bewohner von Le Vésinet nicht sagen, warum man sie  "Vésigondins" nennt. Keiner weiß es. Es ist halt so.


Erstellt: 14-05-04
Letzte Änderung: 18-03-11


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