Sendung vom 1. März 2009 - 01/03/09
das Wort: die Arbeit
Waltraud Legros hat wohl vergessen, dass Karambolage SONNTAGS läuft, denn sie interessiert sich heute für die Ursprünge des Wortes "Arbeit" und seines französischen Pendants "travail".
Weitere Artikel zum Thema
Wenn ich Ihnen heute die Geschichte der Wörter "TRAVAILLER" und ARBEITEN erzähle, kann es passieren, dass Sie Ihren betriebsamen Alltag mit anderen Augen sehen!
Das französische Wort "TRAVAIL", also Arbeit, wurde im 11. Jahrhundert vom Vulgärlatein "tripalium" übernommen, und das bedeutete Folter und Qual. Das Verb "tripaliare" hiess leiden und Leid antun. Konkret war ein "tripalium" ein Gestell aus drei Pfosten (tri + palus), an dem man Ochsen oder Pferde zum Beschlagen anseilte.
Die Geschichte des deutschen Wortes Arbeit ist kaum erfreulicher. Die indoeuropäische Wurzel orbho bezeichnete das Waisenkind, das sich zu harter körperlicher Arbeit verdingen musste.
Das Wort verschwand dann aus dem deutschen Wortschatz. In den slawischen Sprachen jedoch ergab es "robu", "rob" und "robot", jeweils Knecht, Sklave und schuften. Dieser slawische "robot" kommt als "arabeit", dann "arebeit", schließlich "Arbeit" in die deutsche Sprache zurück. Das slawische Wort "robot" wird im 20. Jahrhundert der Name für den Maschinenmenschen "Roboter".
Bis ins 16. Jahrhundert wird das Wort "Arbeit" mit Folter und Leiden verbunden. Das ändert sich mit Martin Luther, der Arbeit als moralische Pflicht nicht nur des Adels, sondern jedes Menschen betrachtet. Arbeit, meint Luther, ist ein moralischer Wert; sie ist die Berufung des Menschen. Von dieser Berufung kommt unser heutiges Wort Beruf. "Arbeiten" bedeutet nunmehr eine Tätigkeit ausüben (so heißt etwa "Teig kneten" auf französisch "travailler la pâte") - und schon ab dem 17. Jahrhundert arbeitet auch das Geld! Im 19. Jahrhundert wird Arbeit zur geregelten und bezahlten Tätigkeit. Marx und Engels fordern das Recht auf Arbeit.
Eine Arbeit, die nicht nur unseren Lebensunterhalt, sondern auch unsere persönliche Entfaltung garantieren soll. Wir wissen, wie grausam diese Forderung während des Nationalsozialismus verhöhnt wurde, wo über dem Eingang der Konzentrationbslager zu lesen war: "Arbeit macht frei"!
Text: Waltraud Legros
Bild: Maud Remy
das Wort: die Arbeit finden Sie auf der
DVD 7
Erstellt: 25-02-09
Letzte Änderung: 16-05-12