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Ein Magazin von Claire Doutriaux

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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

Ein Magazin von Claire Doutriaux

Sendung vom 19. Februar 2006 - 19/02/05

das Wort: die Lamperien

die Lamperien


Clara Wasser erzählt uns jetzt von einem kleinen Missgeschick, das einem ihrer französischen Freunde in Deutschland widerfahren ist.


Dies ist eine wahre Geschichte. Es ist die Geschichte eines jungen französischen Malers, der seit kurzem in Deutschland wohnt. Da er leider noch nicht von seiner Kunst leben kann, putzt er abends in einer Arztpraxis, um sich über Wasser zu halten. Eines Abends findet er bei seiner Ankunft einen Zettel der Arzthelferin: Bitte vergessen sie die Lamperien nicht! So so, hat er also die Lamperien vergessen. Das Problem ist nur, dass unser junger Franzose, auch wenn er ganz ordentliches Deutsch spricht, keine Ahnung hat, was Lamperien sind.

Er ist jedoch nicht auf den Kopf gefallen und sagt sich: Lamperien klingt wie Lampe, es handelt sich also sicher um Lampen oder Lampenschirme. Er staubt deshalb mit ganz besonderer Sorgfalt sämtliche Lampen ab. Als er am folgenden Abend wiederkommt, findet er erneut einen Zettel der Arzthelferin. Zu seinem großen Erstaunen steht da: "Sie haben schon wieder die Lamperien vergessen!" Die breite, nervöse Schrift lässt dieses Mal eine gewisse Gereiztheit durchscheinen. Er sucht deshalb eilig im deutschen Wörterbuch hinter dem Schreibtisch des Arztes, dem Wahrig, nach dem Wort "Lamperie". Gibt es nicht.

Wahrig hin oder her, er bürstet und putzt einfach die Lampen, Lampenschirme und Wandlampen noch gründlicher, und ist überzeugt, diesmal ausgezeichnete Arbeit geleistet zu haben. Ein Anruf am nächsten Tag beraubt ihn seiner Illusionen: Die Lamperien sind immer noch schmutzig und die Arzthelferin ist sauer. Es ging nämlich überhaupt nicht um Lampen oder Lampenschirme, nein, nein, es ging  um was ganz anderes, es ging nämlich um die Fußleisten, welche man auf Französisch plinthes nennt.

Lamperie ist ein umgangssprachlicher Ausdruck, manchmal sagt man auch Lambrie oder Lamberi. Die Franzosen hören hier sofort "lambris" heraus. Ein Lambris ist eine Verblendung aus Holz, Marmor oder anderem Material an einer Wand. Das deutsche Wort dafür ist Vertäfelung. Die Vertäfelungen und ihre Bezeichnung "lambris" wurden vermutlich im 18. Jahrhundert nach Deutschland gebracht, als Friedrich der Große das Potsdamer Schloss  Sans-Souci nach Versailler Vorbild bauen ließ. Zur gleichen Zeit taucht das Wort in Wien auf: Franz der Erste Stephan, Herzog von Lothringen und Gatte der Kaiserin Maria-Theresia war französischer Abstammung und umgab sich gern mit französischen Handwerkern. Heute sind die noblen Vertäfelungen zusammengeschrumpft. Übrig geblieben sind die armseligen Lamperien-Fußleisten, die wie jeder weiß und inzwischen insbesondere unser junger Maler, schreckliche Staubfänger sind.

Erstellt: 16-02-06
Letzte Änderung: 18-03-11


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