In einem französischen Film "Der Uhrmacher von St.Paul" von 1974 gibt es eine Szene, die mir immer wieder durch den Kopf geht:
- Warum drückst du denn da drauf? Da kommt doch kein Auto!
- Ich will mich nicht strafbar machen.
- Bist wohl Schweizer!
- Nee, aber Uhrmacher schon.
Warscheinlich weil mir das Verhalten von Philippe Noiret so untypisch vorkommt. Geht nicht der Franzose grundsätzlich, wenn es halbwegs gefahrlos scheint, bei Rot über die Kreuzung? Er geht nicht nur, ja manchmal fährt er sogar bei Rot über die Kreuzung. Vor allem abends, wenn die Straßen leer sind... Die Ampel steht auf rot, langsam pirscht man sich mit dem Auto vor, und dann... wusch, ist man über die Kreuzung hinweg.
In Deutschland absolut undenkbar! Noch in grösster Einöde hält der Deutsche an und wartet geduldig, bis die rote Ampel wieder auf Grün springt. Eine rote Ampel zu überfahren, ist das Verkehrsdelikt, das am härtesten bestraft wird: vierwöchiger Führerscheinentzug, Strafpunkte in der Verkehrssünderkartei und 125 Euro Geldbuße. Okay, diese harte Regelung ist im Autoverkehr aus Sicherheitsgründen berechtigt. Doch es stellt sich die Frage, warum das Verbot genauso auch für Fußgänger gilt und dabei zu einer Weltanschauung wird. Täglich sieht man Rentnerpaare, die selbstzufrieden Grün abwarten, während andere bei Rot über die Strasse gehen. Franzosen, die in Deutschland schon einmal bei Rot über die Ampel gegangen sind und zur Zielscheibe allgemeiner Entrüstung wurden, wissen worüber ich rede.
Besonders perfide: Man erzieht Kinder zu militanten kleinen Verkehrspolizisten. Oft beobachte ich sie, wie sie ihre Eltern, die das Verbot missachten wollen, wieder zurückrufen. Aber Frankreich ist natürlich kein Fussgängerparadies. "Chacun pour soi" lautet die Devise. Es regiert der Jagdinstinkt. Im Sprint überquert man die Strassen.







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