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Ein Magazin von Claire Doutriaux

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Sendung vom 16. Dezember 2007 - 16/12/07

der Ausdruck: die "trêve des confiseurs"

die "trêve des confiseurs"


Es ist Mitte Dezember, höchste Zeit für Clara Wasser, eine hübsche französische Redewendung genauer zu betrachten: "la trêve des confiseurs".


In Frankreich nennt man die Zeit zwischen den Jahren, d.h. die Woche zwischen Weihnachten und Silvester, "la trêve des confiseurs", den Waffenstillstand der Zuckerbäcker. Doch Vorsicht! Das bedeutet nicht, dass die Zuckerbäcker aufhören zu arbeiten. Im Gegenteil: Alle anderen hören auf zu arbeiten, damit die Zuckerbäcker arbeiten und mit dem Verkauf ihrer Süßigkeiten Geld verdienen. Der Brauch will, dass die Politiker in dieser Zeit ihre privaten Machtkämpfe ruhen lassen und die Diplomaten quasi alle Tätigkeiten einstellen. Und die Unternehmen regeln besonders heikle Angelegenheiten erst nach der "trêve des confiseurs".

Den Waffenstillstand der Zuckerbäcker gibt es seit 1874. Wie es ein Auszug aus den Memoiren des Herzogs von Broglie, einem Politiker der damaligen Zeit, belegt. Zitat: "Wir beschlossen, den Dezember vergehen zu lassen, um mit unseren Debatten nicht die Wiederaufnahme der Geschäfte zu behindern, die dem Jahreswechsel stets vorausgehen. Man lachte ein wenig über diesen Waffenstillstand und Witzbolde nannten ihn "trêve des confiseurs"."

Es gibt eine Erklärung dafür, weshalb diese Maßnahme notwendig erschien: Der deutsch-französische Krieg von 1870-71 und die blutige Pariser Kommune von März bis Mai 1871 haben Frankreich und besonders Paris sehr geschwächt. Das Land erholt sich nur schwer von den erlittenen Schlägen. Auf der politischen Bühne bekämpfen sich Republikaner, Bonapartisten, Monarchisten und Revolutionäre mit allen Mitteln, um an die Macht zu kommen.

Trotz der Heftigkeit ihrer politischen Auseinandersetzungen, beschließen sie Ende 1874, ihre Streitereien und Debatten auszusetzen, unter dem Vorwand "das Volk solle sich auf die Feste am Jahresende konzentrieren können." Doch Vorsicht, diese Fürsorglichkeit dient weder dem Seelenfrieden des Volkes noch ist dies Aufforderung zum Feiern, nein, schon damals sollten die, die es sich leisten können, mehr konsumieren. Man will einfach die Wirtschaft ankurbeln. Kein Wunder also, dass die Zuckerbäcker und Süßwarenfabrikanten davon den größten Nutzen haben. Aus heutiger Sicht könnte man denken, dass ein solche Maßnahme nur einen geringen Einfluss auf die damalige Wirtschaftskrise gehabt hat. Anscheinend hat der Waffenstillstand der Zuckerbäcker die Verkaufszahlen aber tatsächlich angehoben und den vom Konkurs bedrohten Kaufleuten zum Aufatmen verholfen.

Auch die Tatsache, dass der Ausdruck bald in aller Munde ist, unterstützt diese Vermutung. Manche Volkswirtschaftler - die wissen, dass oft die Theorie der Praxis vorausgeht -  behaupten sogar, dass die Politiker der Dritten Republik damit unwissend eine Methode ausprobiert haben, die erst 1930 von dem berühmten englischen Ökonomen John Maynard Keynes formuliert wurde: wirtschaftlichen Aufschwung erreicht man durch mehr Konsum. Eines ist auf jeden Fall sicher: auch heute noch gibt man das meiste Geld in der Weihnachtszeit aus.
Text: Corinne Delvaux
Bild: Gilles Roqueplo

Erstellt: 12-12-07
Letzte Änderung: 02-10-09


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