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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

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Jeden Sonntag um 20 Uhr

Ein Magazin von Claire Doutriaux

Sendung vom 22. Januar 2006 - 22/01/06

der Brauch: die "chandeleur"

die "chandeleur"


Corinne Delvaux versucht heute, unseren deutschen Freunden einen alten französischen Brauch nahezubringen. Doch schauen Sie lieber:


In zehn Tagen ist der zweite Februar. Dann ist Mariä Lichtmess, in Frankreich la chandeleur. La chandeleur ist ein wunderbares Fest, es gibt nämlich Crepe.

Ganz viele Crepes. Unser französischer Freund gibt deshalb eine Kelle Crepeteig in seine Pfanne, so, die erste Seite bäckt goldgelb, jetzt geht es darum, den Crepe umzudrehen. Natürlich macht man das nicht einfach mit dem Pfannenwender, nein, einen Crepe wendet man in der Luft. Man nimmt also die Pfanne, prüft nach, ob der Crepe nicht festklebt und hopp… Tja, es sieht ganz so aus, als sei unser Freund seit letztem Jahr aus der Übung gekommen. Neuer Versuch… Na also, fast …

So, lassen wir unseren Freund seine Geschicklichkeit trainieren und wenden wir uns kurz der Geschichte der Chandeleur zu: Ursprünglich ist es wohl ein heidnisches Fest bei dem der Crepe die Sonne symbolisierte, die nach dem langen Winter endlich zurückkehrt. Die Bauern glaubten, wenn sie am Tag dieses Lichterfestes keine Crepes backen würden, verderbe ihr Weizen. Das Wort Chandeleur kommt von chandelle - Kerze - und geht auf die alten Römer zurück, die während des alljährlichen Parentaliafestes ihrer Toten gedachten, indem sie Kerzen und Fackeln ansteckten. Die Päpste verwandelten im fünften Jahrhundert diesen alten heidnischen Brauch in ein christliches Fest: 40 Tage nach der Geburt Jesu wurde seine Darstellung im Tempel gefeiert. In einer Prozession trug man geweihte Kerzen – chandelles - die anschließend mit nach Hause genommen werden mussten, ohne dass sie ausgingen. Man glaubte an ihre magischen Kräfte: sie vertrieben böse Geister, Unwetter, den Tod und andere Dämonen. Wie heißt es doch in dem alten Spruch: "Wer heil nach Hause bringt sein Licht, stirbt in diesem Jahre nicht."

Und was macht unser Freund? Offensichtlich klappt es jetzt besser. Es gab wohl ein paar kleine Unfälle, doch anscheinend hat er den Kniff wieder heraus, was uns erlaubt, ihnen ein paar Bräuche näher vorzustellen. Wussten Sie, dass man zur chandeleur seinen Crepe wenden muss, indem man in der rechten Hand die Pfanne und in der linken ein Goldstück hält? Er darf jedoch weder auf den Boden fallen, noch an der Decke kleben oder klumpen. Achtung... es hat geklappt! Der Herr hat jetzt das ganze Jahr über Glück. Sagt man zumindest in Frankreich.

Es gibt auch jede Menge regionale Varianten. So heißt es in bestimmten Gegenden, dass ein Mädchen, um einen Ehemann zu finden, 6 Crepes hintereinander in der Luft wenden muss, ohne dass einer daneben fällt. Dann heiratet sie noch im selben Jahr. Nun sind wir in der Bretagne, wo die Tradition es will, dass die Braut einen Crepe auf den Schrank ihres neuen Zuhauses wirft, um den Haussegen zu garantieren! Achtung, aufgepasst ... hurra! Der Weizen wird nicht verderben und eine glückliche Ehe ist auch in Sicht. So, jetzt sind sie dran, sie haben genau 10 Tage um zu üben...

Text: Corinne Delvaux
Bild: Claude Delafosse & Claire Doutriaux
Mit: Jacques Falgous

Erstellt: 18-01-06
Letzte Änderung: 02-10-09


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