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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

Ein Magazin von Claire Doutriaux

Sendung vom 7. Juni 2009 - 07/06/09

der Gegenstand: Birkenstock

Stéphane Kramer stellt uns jetzt einen sehr sehr deutschen Gegenstand vor, einen Gegenstand, der kurioserweise noch nicht in Karambolage präsentiert wurde.

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Wenn ich Ihnen sage: deutsche Sandale, was fällt Ihnen dazu spontan ein? Egal, ob sie Deutscher oder Franzose sind, sie sagen garantiert: Die Birkenstocksandale! Bravo!   Es stimmt, Birkenstock sind in Deutschland eine wahre Institution. Pro Jahr werden dort an die 8 Millionen Paar verkauft. Der Schuh mit dem eher rustikalen Look verdankt seinen Erfolg einer großartigen Neuerung, und zwar der Erfindung eines gewissen Konrad Birkenstock, welcher 1896 die erste flexible Fußbetteinlage konzipierte. Sein Enkel Karl hatte dann Anfang der 60er Jahre die großartige Idee, einen Schuh um dieses Fußbett herum zu bauen. Gesagt, getan, der erste Birkenstockschuh, die sogennante Gymnastiksandale, war geboren. Und so sieht die ganze Sache heute aus: Das Fußbett ist ausgehöhlt, umschließt daher den Fuß und gibt ihm so einen ganz fabelhaften Halt. Das Fußgewölbe wird von diesem großen Wulst hier unterstützt, und sogar die Zehen haben einen kleinen Wulst, der für ein besseres Abrollen beim Laufen sorgen soll. Der Birkenstockschuh des Deutschen ist wie der Hausschuh des Franzosen: häusliche Gemütlichkeit nach einem harten Arbeitstag. Mit einem kleinen aber bedeutsamen Unterschied: einem Franzosen käme es vermutlich nie in den Sinn, seine Hausschuhe auch auf der Strasse zu tragen…   Die Birkenstockmanie stammt aus den 70er Jahren, als die Deutschen sich durch Protest– und Alternativbewegungen von den Vorzügen gesunder Lebensweisen überzeugen lassen. Umweltbewußtsein, Biokost, "Atomkraft Nein Danke", Birkenstock. Genau, die Birkenstocksandale ist nicht schick und deswegen systemkritisch. Sie fügt sich daher ganz selbstverständlich in das neue Wertesystem ein, das sich in Deutschland damals ausbreitet. Nach und nach, und nicht zuletzt durch die Tatsache, dass er von Ärzten, Masseuren und Krankenschwestern bei der Arbeit getragen wird, erreicht der bequeme Birkenstockschuh andere Bevölkerungsschichten.   Bekanntlich reisen die Deutschen gerne und viel. Von den Pyramiden bis zur Freiheitsstatue, vom Eiffelturm bis zum Big Ben erobern sich die Füße der deutschen Touristen daher bald den Ruf, die unelegantesten der Welt zu sein. Die armen Deutschen werden zum Gespött: wie kann man nur so häßliche Schuhe tragen, zudem noch mit weißen Socken  - diesen modischen faux-pas halten vor allem Franzosen für schier unmöglich.   Aber das hält nicht lange an. Denn in den 90ger Jahren wagen die Modeschöpfer Jean-Paul Gaultier und Paco Rabanne das Undenkbare: sie versehen die Füße ihrer Models mit Birkenstockschuhen. Für die Franzosen ist der Anblick einer Birkenstocksandale auf dem Laufsteg ein Schock und ihre Konzeption des Schönen fängt an zu wackeln. Und als auch Victoria Beckham, Julia Roberts und Leonardo Dicaprio mit Birkenstock fotografiert werden, geraten ihre modischen Gewißheiten endgültig ins Wanken. Das Unvermeidliche geschieht: das französische Fashion Victim will die noch vor ein paar Jahren so peinliche Birkenstocksandale.   Und als die Deutschen den Schuh dann an den Füßen der Franzosen entdecken, ändern schließlich auch die, die sich bis dahin standhaft geweigert haben, den Hippieschuh zu tragen, ihr ästhetisches Konzept. Eigentlich ganz schick, der olle Birkenstock-schuh. Sagen sich auch die Deutschen. Es wurde auch Zeit.

Erstellt: 05-06-09
Letzte Änderung: 16-05-12


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