Sendung vom 16. November 2008 - 16/11/08
der Gegenstand: der Milchhüter
Heute lädt uns Corinne Delvaux zu einer Landpartie ein, um mit uns ein großes Glas frische Milch zu trinken.
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Hier ein deutscher Herr in einer deutschen Küche. Er ist im Urlaub und der Bauer von nebenan hat ihm einen Liter Milch geschenkt – frisch gemolken. Mmhh! Ich weiß, das ist eigentlich verboten, aber manchmal kommt es eben doch vor. Der Herr muss also seine Milch abkochen, um sie zu pasteurisieren. Er gießt die Milch in den Topf, so, er macht die Platte an. Gut, jetzt heißt es nur noch warten. Nanu! Er scheint etwas entdeckt zu haben. Mhm, tatsächlich, das Schauspiel ist interessant. Oho... für einen Städter wie ihn ist das sogar ein höchst seltenes Schauspiel... Sehr lehrreich.
Ooohhjehmine... Katastrophe! Er hat die Milch ganz vergessen! Sie ist übergekocht! Die gute Milch überall! Was für eine Verschwendung! Und die ganze Küche muss jetzt gescheuert werden! Unser deutscher Freund hat alle Hände voll zu tun. Ah, schauen Sie! Hier unser französischer Freund! Er kommt gerade in eine französische Küche. Auch er ist im Urlaub und stellen Sie sich vor: auch ihm hat der Bauer von nebenan frische Milch geschenkt – ganz frisch gemolken. Auch er muss die Milch abkochen, um sie zu pasteurisieren. Aber schauen Sie, er hat da ein seltsames Ding aus Glas; es sieht fast aus wie eine fliegende Untertasse oder ein Aschenbecher – sehen Sie die Einbuchtungen? Wie für eine Zigarette. Unser französischer Freund lässt den Gegenstand in den Milchtopf gleiten.
So, jetzt heißt es nur noch warten. Nanu, er scheint etwas entdeckt zu haben! In der Tat, das Schauspiel scheint interessant. Oho, zwei Schnecken, die sich scheinbar mit großem Vergnügen begegnen. Ja, für einen Städter wie ihn ist das ein höchst seltenes Schauspiel... Sehr lehrreich. Aber hören Sie das? Diese Art Klappern? Jetzt aber schnell! Das Klappern zeigt uns an, dass die Milch im Topf kocht. Unser Freund kann demnach den Topf vom Herd nehmen, bevor die Milch überkocht. Unter dem verdutzten Blick seines deutschen Freundes, der immer noch seine Küche schrubbt...
Nun, dieses Wunderwerk heißt "anti-monte-lait", also: "Milch-überkoch-Verhüter". Der Engländer Vincent Hartley erfand es 1938 und es eroberte Frankreich im Fluge. Die französischen Kinder, oder zumindest die, die wie ich in ihrer Kindheit die Sternstunde des "anti-monte-lait" erlebt haben –zu einer Zeit, in der es noch keine H-Milch gab – sind überzeugt, dass dieser Apparat außergewöhnliche, ja fast magische Kräfte besitzt, und dass er ganz alleine die Milch an Ort und Stelle halten kann. Nun, ganz falsch ist das auch nicht: Durch die Einbuchtungen entsteht eine Rotation der Milch rund um diesen cleveren Gegenstand...
Fest steht, dass das Klappern durch die Vibration entsteht und so das Kochen der Milch anzeigt. Wussten Sie, dass dieses Ding ursprünglich für Blinde entwickelt wurde? In Frankreich werden jährlich noch etwa 20 000 "anti-monte-laits" verkauft, in Deutschland dagegen nur sehr, sehr wenige. Schade eigentlich, wo er doch in Süddeutschland auf den hübschen Namen "Klepperle" getauft wurde. Und auch in Ostdeutschland gibt es ihn: dort nennt man ihn "Milchhüter".
Text: Corinne Delvaux
Bild: Claire Doutriaux, Claude Delafosse
Mit: Jacques Falgous
der Gegenstand: der Milchhüter finden Sie auf der
DVD 7
Erstellt: 07-11-08
Letzte Änderung: 16-05-12