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Ein Magazin von Claire Doutriaux

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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

Ein Magazin von Claire Doutriaux

Sendung vom 28. Februar 2010 - 28/02/10

der Gegenstand: das Minitel

das Minitel


Nathalie Karanfilovic stellt uns heute einen kleinen Apparat vor, der in den 80er Jahren in alle französischen Haushalte eingezogen ist.

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Wir Franzosen können nur schwer unseren Stolz auf die Spitzentechnologien verhehlen, um die die Welt uns beneidet. Die Concorde, die Ariane, der TGV oder der Hubschrauber Rafale. Zugegeben, das sind vielleicht alles keine Exportschlager, aber sie sind unser ganzer Stolz.

Ich möchte deshalb heute einem Gegenstand huldigen, der das französische Genie hervorragend verkörpert: das Minitel. Ja, ich weiß, auch unsere deutschen Zuschauer kennen diese tolle Erfindung; sie gaben ihr den poetischen Namen BTX! Allerdings hat sich das BTX bei Ihnen nie richtig durchgesetzt. Das Minitel hingegen hat das Leben der Franzosen revolutioniert!

In Frankreich findet man diesen seltsamen Kasten in den tristen Farben noch fast überall: auf der Post, beim Arbeitsamt, in Privathaushalten. Bis vor kurzem noch thronte das Minitel stolz auf dem Beistelltisch, heute jedoch verstecken die Franzosen es beschämt im Keller, oder geben es direkt auf den Müll.

Zugegeben, es besticht nicht gerade durch sein Design - es sieht eher aus wie ein Computer-Prototyp aus dem Ostblock, mit seinem Schwarz-Weiß-Bildschirm, der es immerhin auf acht Grautöne schafft. 1982 führte die Post das Minitel in die französischen Haushalte ein. Damals war es der Vorreiter des Internet auf nationaler Ebene, mit dem man unterschiedliche Online-Dienste aufrufen konnte. Man konnte Telefonauskünfte einholen, seinen Kontostand abfragen, Zugtickets reservieren, Zeitung lesen, einkaufen und sogar die Abiturergebnisse einsehen.

Es gab auch Kommunikationsdienste, Vorläufer des heutigen "chat". 20 Jahre lang geisterten geheimnisvolle Codes durch den Alltag der Franzosen: 3611, 3614 Assedic, 3616 SNCF, und natürlich 3615 ULLA, die erotische Version des Minitel, die vielen Franzosen noch in guter Erinnerung ist. Seltsamerweise ist das Minitel auch trotz der Verbreitung des Internets immer noch im Betrieb. Vor zwei Jahren noch zählte France Télécom 4 Millionen Apparate und vermeldete sage und schreibe 350 Millionen Verbindungen. Aller Konkurrenz zum Trotz ist das Minitel also weiterhin rentabel. 

Nun ja, unser Minitel ist weder ergonomisch noch praktisch, weder schnell noch schön, doch es hat Millionen von Franzosen ihren ersten virtuellen Kick bereitet. Deshalb rate ich meinen Landsleuten: Gedenken Sie seiner noch ein letztes Mal, bevor sie es endgültig wegwerfen. Und wenn Sie sich gar nicht von ihm trennen können, machen Sie eben einen Briefbeschwerer oder einen Couchtisch daraus.
Text: Nathalie Karanfilovic
Bild: Marc Chevalier

Erstellt: 26-02-10
Letzte Änderung: 26-02-10


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