Als ich vor 15 Jahren nach Frankreich kam, fiel mir auf, dass jeder Franzose ein Scheckheft besitzt. Dieses Scheckheft steckt in einer schützenden Plastikhülle von der Bank oder manchmal auch in einer Lederhülle. Das ist eleganter. Es enthält zwischen 25 und 50 herausreißbare Schecks. Sein Scheckheft hat der Franzose immer bei sich. Er benutzt es überall: Beim Einkaufen, im Restaurant, beim Arzt, an der Tankstelle, im Theater…Er verschickt seine Schecks sogar mit der Post, um die Telefonrechnung, die Miete oder die Steuern zu bezahlen. Undenkbar in Deutschland wo alles per Banküberweisung gemacht wird. Ach, wie ich die Franzosen bewunderte, wenn sie nonchalent ihr hübsches Scheckheft hervorzogen, den Scheck mit sicherer Hand ausfüllten, ihn weit ausholend signierten, vorsichtig abtrennten und mit einer edlen aber einfachen Geste auf den Tisch legten. Dieses spielerische Schaffen von virtuellem Geld hatte für etwas Weltmännisches.
Aber auch etwas Nervendes. Der Franzose schreibt nämlich nicht nur große Summen auf seinen Scheck! Ich habe schon Leute gesehen, die Schecks für 5, 6, oder 7 Euro ausstellen! Und weil man an der Kasse meistens seinen Ausweis vorzuzeigen hat, wenn man mit Scheck bezahlt, müssen dann im Supermarkt alle hinter einem brav abwarten, bis die Kassiererin sorgfältig den Namen, den Vornamen und die Nummer des Personalausweises auf die Rückseite des Schecks geschrieben hat – all das für eine Packung Windeln und einen Liter Milch.Im Restaurant hingegen legt man seinen Scheck in ein Tellerchen und geht dann einfach. Das ist sauber und elegant. Ich habe noch nie gesehen, dass ein Kellner nach dem Ausweis fragt. Ich sehe allerdings oft das Schild "Das Haus nimmt keine Schecks mehr an". Klar, es ist zwar ganz nett, Papierchen mit draufgemalten Zahlen zu verteilen, aber wenn der Kunde dann kein Geld auf dem Konto hat, geht der Händler leer aus. Das nennen die Franzosen einen chèque en bois: Holzscheck.
In Deutschland hatten wir zwar den Euroscheck, dessen Höchstbetrag bei 200 Euro lag und der nur mit Scheckkarte gültig war. Das war vielleicht ganz praktisch, um durch Europa zu reisen, hat sich aber nie in Deutschland durchsetzen können. Deshalb wurde er auch 2002 abgeschafft. Doch warum benutzen die Deutschen nicht diese praktischen Schecks à la française? Manche behaupten, sie bräuchten sie nicht – denn weil es in Deutschland angeblich weniger Diebe gibt, könne man dort mit Taschen voller Geld rumlaufen.haben die Deutschen ein sinnlicheres Verhältnis zum Bargeld? Oder Angst vor der abstrakten Seite des Schecks? Möglich. 1912 mussten jedenfalls die großen deutschen Banken Werbegeschenke an ihre Kunden verteilen, um sie zu ermuntern, Papiergeld zu benutzen, anstatt ihrer beruhigend klimpernden Münzen. haben sie ganz einfach Angst vor Missbrauch? Vielleicht. Es ist klar, dass ein Scheck ein etwas riskantes Unterfangen ist und Risiken, die mag man weniger, in Deutschland. Wie dem auch sei, in Frankreich braucht man ein Scheckheft. Und als ich meines bekam, war ich sehr stolz, endlich zum Klub zu gehören. Tja, und wenn ich heute einen Scheck unterzeichne, fühle ich immer ein wenig mondän. Selbst wenn es nur für eine Packung Windeln ist.







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