Ich bin eine Französin aus der Fremde. Ich bin in Frankreich geboren, doch meine Eltern kommen aus dem Senegal. Ich möchte Ihnen den "côme" - den Afrokamm - vorstellen, den ich täglich in Frankreich benutze, auch wenn er nicht leicht zu finden ist: ein gabelförmiger Kamm, dessen auseinanderstehende Zinken praktisch sind, um Afrolocken zu entwirren.
Allein der Gedanke an ihn versetzt mich in meine Kindheit mit den morgendlichen Frisiertorturen zurück. Damals schrie ich wie am Spieß und erlitt zwischen den Knien meiner Mutter eingeklemmt nichtendenwollendes Kämmen und Ziepen. Wieviele habe ich zerbrochen? Unter dem Bett versteckt, aus dem Fenster geworfen? Doch immer wieder tauchte ein neuer auf, begierig, in mein krauses Haar zu tauchen und die Qual ging von vorne los!
Es gab eine Zeit, zu der ich meine Haare fast hasste. Ich träumte damals von den Haaren meiner Klassenkameradinnen. Ich stellte mir vor, wie Emilies Mutter sich über sie beugte, um mit einer Bürste sanft durch ihr seidiges Haar zu fahren. Bei uns gab es nur Geschrei und Tränen, bevor ich mich auf den Schulweg machte!
Doch dann kam endlich der Tag meiner Befreiung. An meinem zwölften Geburtstag schenkte mir meine Mutter nämlich meine erste Haarglättungscreme. Das ist ein chemisches Mittel, das die Haarstruktur verändert, um das krause Afrohaar zu zähmen und zu glätten und kämmbarer zu machen. Für meine Schwestern und mich und für alle meine afrikanischen Freundinnen läutete diese magische Creme das Ende unserer Folterstunden ein. Endlich würden wir genauso glatte Haare haben wie Wendy, Emilie, Gwendoline und Vanessa…
Fünfzehn Jahre später, nachdem dieses Wundermittel es geschafft hat, unsere Haarpracht in eine trockene Steppe zu verwandeln, sind wir wieder davon abgekommen. Wissen Sie übrigens, wie die erste Wundercreme hieß, als sie in Amerika in den zwanziger Jahren erfunden wurde? Black no more. Stellen Sie sich das einmal vor ! Was macht man nicht alles, um sich zu integrieren…
Nach und nach haben wir deshalb den Côme Côme sein lassen und vergaßen ihn wie ein Überbleibsel aus alten Zeiten oder einen Folkloregegenstand, den man aus dem Afrikaurlaub mitbringt.
Vor gar nicht allzulanger Zeit begann er jedoch, wieder aufzutauchen: auf Marktständen, im Sortiment der Händler an der Pariser Metro-Station Château Rouge und in afrikanischen Kosmetikläden. Und man sieht immer mehr junge Frauen, die voller Stolz eine kugelrunde original 70er Jahre Afrofrisur zur Schau stellen. Es sieht so aus, als sei krauses Haar wieder salonfähig geworden!
Wie soll ich Ihnen die Stimmung bei meinem afrikanischen Frisör am boulevard de Strasbourg in Paris beschreiben: der Salon ist zum politischen Forum geworden! Die Fans von glattem Haar und Haarverlängerungen liegen sich mit den Verfechterinnen des Côme… in den Haaren. Für die einen ist und bleibt dieser Kamm ein Folterwerkzeug. Die anderen, die für die sofortige Freilassung des natürlichen Haares kämpfen, schwingen den Côme wie das Symbol ihrer wiederentdeckten Identität. Und ich schwinge ihn auch!
Ein Magazin von Claire Doutriaux
Jeden Sonntag um 20 Uhr







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