Sendung vom 21. Februar 2010 - 21/02/10
der Gegenstand: der Butterschneidedraht
der Butterschneidedraht
Corinne Delvaux stellt uns jetzt einen fabelhaften Gegenstand vor, aber sehen Sie selbst…
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Sehen Sie sich einmal diesen Gegenstand an: zwei Griffe, die durch einen spiralförmig aufgerollten Draht verbunden sind. Nun, wozu ist benutzt man wohl diesen Gegenstand? Handelt es sich um ein primitives Taschenakkordeon? Um eine Nasenklammer für Schwimmer? Oder vielleicht … um einen Taschenventilator? Es ist auf jeden Fall ein französischer Gegenstand von großer kultureller und linguistischer Bedeutung.Hier ein französischer Cremier, also ein Käse-und Milchhändler. In seinem Laden verkauft er Käse. Weil es in Frankreich davon gut 360 Sorten gibt, hat er alle Hände voll zu tun. Außerdem verkauft er Eier und Butter.
Und um diese Butter geht es uns heute. Denn obwohl es bei ihm auch abgepackte Butter gibt, verkauft unser Cremier sie meistens am Stück. Und zwar von solchen schönen, großen Butterklumpen. Hier ein Klumpen ungesalzene Butter, hier halb-gesalzene Butter und hier gesalzene Butter. So. Wie aber schneidet unser Cremier die Butter ab? Mit dem Messer? Aber nicht doch, das wäre viel zu gewöhnlich, es ginge außerdem kaum, schauen Sie, die Butter bleibt nämlich an der Klinge kleben. Sie sehen es, unser Cremier steckt in seinem Butterklumpen fest. Nein, der französische Cremier benutzt einen Butterschneidedraht, auf französisch "fil à couper le beurre".
Das ist ein Messingdraht zum Ausziehen, so, der zu einem gewelltem Schneidedraht wird. Jetzt setzt er den Draht beherzt am Butterklumpen an, zieht ihn nach unten, dann etwas nach oben, und hopp, dann zieht er ihn wieder zu sich. Mit einem Spachtel muss er das schön geriffelte Butterstück nur noch abheben.
Der Butterschneidedraht ist eine absolut geniale Erfindung, oder? Sicher, man muss ein gutes Augenmaß haben: denn es gilt auf Anhieb die vom Kunden gewünschte Menge abzuschätzen können: ein halbes Pfund? 100 Gramm? 160 Gramm. So, stimmt genau!
Gut, trotz der ausgiebigen Nachforschungen, die wir wie üblich angestellt haben, können wir nicht mit Sicherheit behaupten, dass der Butterschneidedraht, dessen Entstehung sich in grauer Vorzeit verliert, eine französische Erfindung ist.
Doch wir behaupten es jetzt einfach einmal. Warum? Weil der Butterschneidedraht fester Bestandteil der französischen Sprache ist. Wenn man über jemanden sagt, "il n’a pas inventé le fil à couper le beurre", er habe nicht den Butterschneidedraht erfunden, dann bedeutet das, dass diese Person sehr dumm ist, weil man ja wirklich nicht besonders schlau sein muss, um auf so etwas Simples zu kommen. Lassen Sie mich mit der Geschichte eines Parisers Crémiers schließen, der uns erzählte, wie sein Vater, der auch Crémier war, während des Krieges keinen Butterschneidedraht fand. Also funktionierte er einfach den Bremsdraht seines Fahrrads zum Butterdraht um. Ein Mann von dem man nicht behaupten kann, er habe den Butterschneidedraht nicht erfunden. Verstanden?
Text: Corinne Delvaux
Bild: Claire Doutriaux
Mit: Jacques Falgous
Erstellt: 18-02-10
Letzte Änderung: 18-02-10